Die Liebe ist stärker als der Tod. So zumindest in Mario Bavas 1963er Gothic-Horror-Beitrag mit „Dracula“-Darsteller Christopher Lee und der attraktiven Daliah Lavi in den Hauptrollen, in dem dieser hoffnungsvolle Spruch auch auf eine von dominanten und devoten Verhaltensmustern basierenden Beziehung, die in sado-masochistischen sexuellen Obsessionen ihren Höhepunkt findet, übertragbar ist. Szenen, in denen Lee die Lavi kräftig auspeitscht und diese dabei auch noch Lust zu empfinden scheint, mögen damals für Aufregung gesorgt haben, haben in ihrer Schockwirkung im Laufe der Jahrzehnte aber natürlich kräftig eingebüßt. Kaum etwas von seinem Glanze verloren aber haben Bavas farbenprächtige, ausdrucksstarke Gothic-Horror-Kulissen und –Bilder, die sämtliche Register ziehen und erneut überaus kunstvoll ausfielen. Das Drehbuch um eine aristokratische Familie in desolatem Zustand und von Intrigen durch- und bald zersetzt, scheint deutlich von Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen inspiriert zu sein. Ein kleiner, aber feiner Erotikanteil unterscheidet neben Bavas unverkennbarer Regie den Film von US-amerikanischen und britischen Genreproduktion des Zeitabschnitts. Ins Auge stechen darüber hinaus auch die expliziten Bilder einer skelettierten, verwesten Leiche; der romantische Score hingegen ist ein wahrer Ohrenschmaus. „Der Dämon und die Jungfrau“, eine Schauerromanze um eine zum Scheitern verurteilte, unglückliche Liebe, lädt in seinem Gothic-Horror-Gewand zum Zurücklehnen und Genießen ein und ist für Gruselkost der alten Schule im Allgemeinen und Bava-Fans im Speziellen eine Empfehlung wert.