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Zuckertod & Peitsche

It's Mario Bava-Time! Der italienische Gothic-Großmeister lädt zum schauerlich-sadistischen Tanz in barocken, spinnwebenverhangenen Gemäuern ein. Wenn ein boshaft-bosshafter Christopher Lee als verstoßener und verlorener Sohn in das elterliche Schloss zurückkehrt - und genau da weiterpeitscht und rumlümmelt wo er aufgehört hat. Selbst nachdem er eigentlich tot im Sarg lag…

Liebe, Schmerzen & Tod lagen selten näher beisammen

„Der Dämon und die Jungfrau“ ist Bava in Reinkultur. Vielleicht wurde er nie mehr „gothic“ - und das will bei ihm was heißen! Lee war selten besser für meinen Geschmack. Charme und Diabolik perfekt kombiniert. Die Damen sind wunderschön, erschreckend devot und hörig. Die Gemäuer sind feucht und kalt, die Technicolorfarben strahlen satt und hell. Das hat durchaus eine gemeine Ader. Das kann auch heute noch schockieren. Gruseln eh. Aber vor allem Spaß machen, wenn man auf diesen „Scheiss“ steht. Wie es Burton, Tarantino, Wright tun und eigentlich jeder echte Horrorfan sollte. Bava setzt hier atmosphärisch, akustisch und andersartig Maßstäbe, an die selbst die Hammer-Studios in ihren Hochzeiten nicht heranreichen können. Mysteriös, lückenhaft, absonderlich. Etwas menschen-und besonders frauenverachtend. Aber noch viel eher poetisch und künstlerisch wertvoll. Schmodder trifft Eleganz. „The Body & The Whip“ hinterlässt Narben auf den Rücken von Gruselfans wie mir. Erst recht, wenn diese ihn etwas zu früh in ihrer Kindheit/Jugend das erste Mal erhaschen… und seitdem (mehr oder weniger unterbewusst) die Augen nicht mehr von ihm nehmen können! Dem katholischen Filmlexikon und der italienischen Filmzensur war das in vielerlei Hinsicht zu drakonisch und diabolisch - ein Grund mehr ihn zu lieben! 

Fazit: eine grandiose Gothic-Mario Bava-plus-Christopher Lee-Lehrstunde… sadistisch, sinnlich, schauerlich, schön und stark! 

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