Ähnlich wie „Scream“ damals dem tot geglaubten „Slasher“-Genre neue Impulse verlieh, läutete „American Pie“ im Jahre 1999 ein Revival der Teeniekomödien ein, in Folge dessen der Markt förmlich von einer Welle mehr oder minder erfolgreicher Variationen überschwemmt wurde – leider fielen diese Filme in letzter Zeit vor allem dadurch auf, dass sie sich gegenseitig im Niveau zu unterbieten versuchten (vgl. „Van Wilder“ oder „Harold & Kumar“).
Umso erfreulicher, wenn eine Produktion wie „the Girl next Door“ daherkommt: Zwar geht es ebenfalls um Teens im Hormonrausch an einer US-Highschool, doch dem Film gelingt es zu jeder Zeit, ein erfreulich geschmackvolles Niveau zu bewahren – und das obwohl die Pornoindustrie ein zentrales Storyelement darstellt. Nicht auszudenken, was andere Macher aus diesem Stoff gemacht hätten, schließlich wären genügend Ansätze für „Gross-Out-Comedy“-Sequenzen vorhanden gewesen, auf die sich Regisseur Luke Greenfield aber zum Glück nicht eingelassen hat…
Matthew (Emile Hirsch) gehört nicht unbedingt zu den beliebtesten Schülern seiner Highschool – und das obwohl er Schulsprecher ist sowie gerade im Rahmen einer angesehenen Spendenaktion eine nicht unerhebliche Summe zusammenbringen konnte, um einen hochbegabten Jungen aus Asien die Chance einer akademischen Ausbildung in den USA zu ermöglichen. Seine einzigen Freunde sind der strebsame Klitz (Paul Dano) sowie der Porno- und Filmfreak Eli (Chris Marquette). Eigentlich würde er gerne aus seiner Rolle ausbrechen und sich „lockerer“ verhalten, doch bei der Verwirklichung hapert es meist, weshalb er jene Gedanken letztendlich bestenfalls in Tagträumen ausspielt.
Das alles ändert sich, als eines Tages die Nichte der Nachbarin deren Haus in Abwesenheit hüten soll: Augenblicklich ist Matthew von Danielles (Elisha Cuthbert) Schönheit und ihrer direkten Art fasziniert, so dass er sich durch ihre Initiative auch zu einigen Aktionen hinreißen lässt, die er sich aus eigenem Antrieb nie getraut hätte. Alles erscheint perfekt, bis Eli Danielle in einem seiner Pornos wieder erkennt, was Matthew etwas aus der Spur wirft – mit seinem folgenden Verhalten ihr gegenüber schafft er es fast, die aufgebaute Freundschaft zu zerstören.
Als dann noch Danielles Manager Kelly (Timothy Olyphant) auftaucht und sie wieder ins Geschäft bringen will, stellt sich Matthew dazwischen und versucht seine Angebetete doch davon zu überzeugen, dass sie einen Neuanfang schaffen kann. Natürlich will sich Kelly das nicht gefallen lassen, weshalb er sich als letzten Schritt die Spendengelder unter den Nagel reißt, Matthew zu einem Einbruch überredet und ihm die Polizei auf den Hals hetzt. Um alles doch noch zum Guten zu wenden, verbünden sich die drei Freunde mit dem angesehenen Pornoproduzenten Hugo Posh (James Remar), um durch einen Deal über die Durchführung eines Drehs während des Senior Proms die fehlende Summe wiederzubeschaffen…
Wie ich es bereits im Vorfeld gelesen hatte, weist „the Girl next Door“ tatsächlich einige Parallelen zu „Pretty Woman“ auf: In beiden Filmen geht es um weibliche Hauptcharaktere aus einem allgemein als „schmuddelig“ angesehenen Metier (dem horizontalen Gewerbe bzw. der Pornoindustrie), welches in den jeweiligen Werken jedoch als vollkommen „normal“ dargestellt sowie nie mit erhobenem Zeigefinger verurteilt wird, die Figuren besitzen unabhängig des Umfeldes und ihren Erfahrungen eine gute, liebenswerte Persönlichkeit, und in beiden Fällen lassen die Darstellerinnen (Roberts/Cuthbert) trotz des Kontextes niemals wirklich die Hüllen fallen. Da „the Girl next Door“ aber hauptsächlich eine Komödie ist und nebenbei eine „coming of age“-Geschichte erzählt, fühlte ich mich zudem stark (und positiv) an den Tom Cruise Streifen „Risky Business“ erinnert – nicht nur wegen den Schlussverstrickungen, bei denen der Hauptdarsteller selbst in der Branche mitmischt.
Während die Inszenierung eher solide und unspektakulär daherkommt, stellt sich die Besetzung als ein großer Trumpf heraus, denn die (Jung-)Schauspieler sind treffsicher ausgewählt worden und verleihen ihren Charakteren die nötige Glaubwürdigkeit: „24“-Star Elisha Cuthbert ist sicherlich Blickfang und Aushängeschild des Films, doch da sie zudem eine gute Dosis Talent besitzt, wird man in Zukunft (auch über das „House of Wax“-Remake hinaus) noch viel von ihr hören. Ihre Rolle der Danielle meistert sie jedenfalls bravourös, da man sie ihr (trotz meiner anfänglichen Zweifel) im Kontext problemlos abnimmt. Ihr gegenüber kann Emile Hirsch („Emperor´s Club“) ebenfalls überzeugen, wie auch Chris Marquette („Freddy vs Jason“) und Paul Dano („Taking Lives“) als seine Freunde. Dass James Remar („48 Hours“) schmierige Typen liegen, ist ja allgemein bekannt, doch die besten Auftritte beschert zweifellos Timothy Olyphant („Gone in 60 Sec.“), der als lässig-überdrehter Kelly jede seiner Szenen vergnüglich stiehlt.
Natürlich werden sämtliche Teenager- und Highschool-Klischees bedient, wie etwa die typischen Gruppenzusammenstellungen, Partys, der Blick auf die sich umziehende Nachbarin durchs Fenster, eine Rede unter Drogeneinfluss, der Besuch auf der Pornomesse sowie dass der Streber am Ende doch ein tolles Mädchen abbekommt – Greenfeld´s Film überreizt es jedoch nicht und driftet nie in platte oder peinliche Gefilden ab. Der unbeschwerte Umgang mit dem Thema Pornographie ist dabei besonders lobenswert, sowie der gelungene Wortwitz und die amüsanten Dialoge (zumindest in der OV). Das Timing der Situationskomik stimmt, wie auch das überraschend kluge und vor allem unerwartete Ende.
Als negative Aspekte könnte man anführen, dass man gerade bei Danielle kaum Charaktertiefe geboten bekommt (zB mehr Hintergründe über ihre Zeit vor und in der Branche oder warum genau sie aussteigen wollte), dass satirisches Potential bezüglich der amerikanischen Prüderie ungenutzt bleibt oder dass man die Pornoindustrie vielleicht ansatzweise glorifiziert – doch diese Punkte können das Sehvergnügen schlussendlich nicht wirklich trüben.
Ein weiterer großer Pluspunkt gebührt der Soundtrack-Zusammenstellung: Der erste Eindruck des Films, welcher mit einer Beschreibung der Tücken des Highschool-Lebens, unterlegt mit dem Queen / David Bowie Klassiker „Under Pressure“, beginnt, hätte nicht besser ausfallen können, vor allem da die Songauswahl im weiteren Verlauf genauso ins Schwarze trifft (wie etwa die Stücke von Filter, NERD oder besonders Tommy Lee´s „Get Naked“ auf der Pornomesse).
Fazit: „the Girl next Door“ bietet gute, witzige und erstaunlich niveauvolle Unterhaltung mit überzeugenden Akteuren – und kann zudem mit dem wohl schönsten Filmkuss des Jahres 2004 aufwarten (ehrlich!) … 7 von 10.