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Mittelteil einer von Johnnie To produzierten und inszenierten, im später noch folgenden (Iron Butterfly III:) Tomorrow (1995) auch geschriebenen Trilogie als Fernsehfilmreihe für Television Broadcast Limited (TVB), die sich mit dem Berufsleben zweier Polizistinnen im Kampf gegen das Verbrechen und damit dem Genre des Actionkrimis befasst. To, der bis dato eher andere filmische Gattungen wie Wuxia oder die Komödie bedient hat, spätestens ab 1997 aber ausführlich im kantonesischen Polizei- und Gangsterfilm wildern sollte, ist hier (nach der Zusammenarbeit mit Andrew Kam bei The Big Heat, 1988 und dem Erstling Iron Butterfly selber) quasi noch am austesten und anüben, interessant ist zusätzlich die feminine Komponente durch die beiden Konstanten Fiona Leung und Betty Mak sowie der Umgang mit dem für das TV naturell schon (und visuell deutlich) eingeschränkten Möglichkeiten. Gedreht auf Video und einmalig mit dem männlichen Gegenüber durch Mark Cheng belegt:

Bei der Überführung eines gesuchten Kriminellen von Japan nach HK gerät die Polizistin Fion [ Fiona Leung ] in Bedrängnis, bekommt aber Hilfe durch den zufällig anwesenden Ortsansässigen Yuan Tengbo [ Mark Cheng ], der unwissend von ihrer Seite aus allerdings in der japanischen Mafia involviert ist. Yuan, der sich später im Auftrag seines Bosses [ Sunny Fang Kang ] auf die Suche nach dem frisch aus dem Gefängnis entlassenen, aber eine weitere Zusammenarbeit mit der Gangsterorganisation ablehnenden Kurata [] Eddy Ko ] machen soll und dabei auch nach HK gerät, zieht die junge Frau auch dort emotional und physisch an, muss sich aber bald entscheiden, zu welcher Seite er gehören will. Fions Vorgesetzte Senior Inspector Roxanne [ Betty Mak ] wiederum warnt ihre Freundin und Kollegin frühzeitig vor den Gefahren, kann aber nicht verhindern, dass auch HK zum Schlachtfeld der Japaner wird.

Das 'Original' ist dabei positiv gescheitert, die Geschichte dort ist im Grunde Genre, aber zuweilen sehr sprunghaft dargereicht worden und in Sachen Charakterisierung ab und an grob und dadurch weniger als möglich involvierend; allerdings hatte man bereits einige Zutaten aufzuweisen, die auf den späteren To überdeutlich verweisen und auch einige Momente, darunter auch Actionszenen, die für sich selber und auch mit dem 'herausragend' als Kriterium stehen, im Sinne einer Fernsehinszenierung zumindest. Teil II, mit dem Zusatztitel See No Daylight bestückt, verhält sich unabhängig davon und setzt kein Vorwissen etwa voraus, nach einer Einleitung auf Japanisch und der Vorstellung der Gruppierung der Yakuza und einiger (gängiger) Rituale von dort wird sich bei dem Titelsong und den dazu eingeworfenen Bildern, einer Montage der kommenden Höhepunkte des Filmes, eindeutig auf Mark Cheng selber und weniger und wenn dann oft nur in dessen Beisein auf das eingespielte weibliche Team und in Sachen Spektakel auch eher auf Schwertkampf als hervorstechende Komponente und ansonsten ein paar Vehikelstunts wie die Explosion eines Autos und das Abrasieren eines halbes Fahrzeuggehäuses durch einen querstehend blockierenden Transporter konzentriert. Ansonsten hat man auch in HK vermutlich Black Rain gesehen, so startet man nämlich, mit einer Gefangenenbefreiung direkt noch im New Tokio International Airport, der sich eine Verfolgungsjagd Motorrad und Auto samt einem Sprung des ersteren in einen nahegelegenen Fluss und das Entkommen des Kriminellen mit einer Geisel anschließt.

Die Außenaufnahmen vor Ort, der verhältnismäßig seltene, hier hervorstechende japanische Bezug in einem HK-Film, die zusätzliche Rarität dieses Projektes hier (nicht so selten wie To's It's No Heaven oder Betrayal, jeweils ebenso mit Cheng in der Hauptrolle, aber immerhin) und ein allgemein verständlicher Ausgangspunkt, die Suche und Jagd nach dem Flüchtigen stellen dabei die nötigen ersten Anhaltspunkte für eine Aufmerksamkeit des Zuschauers her. Ein Lost in Translation im Crime und im Polizeifilm, indem auf der Suche nach dem Üblen der Schaufensterbummel veranstaltet und mit dem ortskundigen, aber fachfremden Führer an der Seite durch die Lokalitäten wie Badehaus (für Frauen verboten), Stripclub (auch für Frauen verboten, bzw. nicht unbedingt geeignet für eine Dame, muss man sich doch dort dem Groping der jaulenden Meute erwehren) oder einem Straßenkonzert bewegt und so fleißig durch Mensch und Masse(n) gelaufen; bis man dann doch den Verbrecher aufspürt und mit einem gezielten Schuss ins Bein dann stellt. Die Handlung hört damit nicht etwa auf, sondern fängt erneut und ganz anders und dann in HK auch wieder an, wobei anfangs teils dazwischen gestreuter Kasperlekram nun einer Hauruck-Emotionalität und entsprechender Dramatik weicht und man einer Art Action-Romance-Drama frönt.

Dass man das Hauptaugenmerk von Betty Mak im Erstling und den dort auf sie gerichteten Scheinwerfer hier wegnimmt und teilweise komplett woanders hin verlegt, ist dabei durchaus eine interessante Form der Herangehensweise für eine Fortsetzung; ihre dortige Partnerin (eher Assistentin) Fiona Leung bekommt hier den ersten Teil der Geschichte scheinbar vollständig autark und dies auch als erwachsenere, selbständigere Person als dort gereicht, bis sich auch da kurz vor dem Ende des ersten Drittels die Handlung um Mark Cheng als a) eine Zufallsbekanntschaft und b) dann Hauptscherge in dem Yakuzaplot als das wichtigste Element und Leung in ihrem überbordenden Spiel auch wieder als etwas anstrengend bis nervig erweist. Nach etwas Trödelei in den Straßen der Stadt und ihrer Umgebung und etwas angedeuteter Liebelei inklusive Partnerlook geht es dann auch weiter mit dem Gangster-Hickhack, buchstäblich sogar, wird doch in einem Restaurant ein Massaker mit gezückten Kurzschwertern veranstaltet und die japanische Blutwurst auf das Abendmenü und als Hauptgang mit vielen Opfern gesetzt. Körperlicher als der viele Schusswaffeneinsatz in der Eins sind auch die folgenden Scharmützel, ein Nahkampf auf einem Bambusgerüst, von dem man anschließend auch abstürzt und das nachdem, man erst einmal von einer Häuserwand zur anderen springen musste, um überhaupt in die Nähe des Gegenübers zu gelangen. Anschließend folgt noch eine Rauferei auf einem nächtlichen Baugelände, ein Schwertkampf an einer Bootsanlegestelle und ein Duell Schusswaffe gegen den gezückten Säbel im engen Treppenhaus, wobei Frau Leung als auserkorenes Opfer eines rachsüchtigen Gweilo-Psychopathen auch einen kleineren Feuerstunt absolvieren muss und zumindest dies mit Bravour erledigt.

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