In Grachten lässt sich noch immer gut schlachten
Fast vierzig Jahre (!) nach dem Original, dem wahrscheinlich berühmtesten und besten Slasher, der je aus den Niederlanden kam, kommt mit "Amsterdamned II" das späte Sequel von Dick Maas, wenn die kanal- und junggesellenabschiedsreiche Hauptstadt Hollands erneut von einer Reihe grausamer Morde heimgesucht wird...
Red Fright District
Selbst vor skurrileren europäischen Slashergewächsen macht die späte Sequelwelle nicht halt und somit gibt Dick Maas auch seinem wahrscheinlich größten Hit diese "Ehre". Selbstredend dem Zeitgeist arg angepasst - etwas augenzwinkernder, etwas lustiger, etwas plakativer, etwas slicker, etwas trashiger. Etwas schlechter, wenn's nach mir geht. Aber ganz sicher nicht schlecht, das muss ich direkt hinterherschicken. Erstaunlich entertaining sogar für das was er ist, muss man ganz klar zugeben und anerkennen. Einige moderne Themen (Vegetarismus, Generationenkonflikte, soziale Medien u.v.m.) werden frech eingebaut, die Kills saften gut durch die Grachten, es gibt ein paar nette Wiedersehen und geschickt gekippte Parallelen zum Original. Die junge Ermittlerin ist resolut und interessant. Amsterdam ist immer ein spezieller Schauplatz zwischen Dreck und Schönheit, zwischen Charme und Tradition, zwischen Wahnsinn und Methode. Und es werden insgesamt einige Klischees gleichsam platt als auch clever auf die Schippe genommen. Ohne komplett die Slasherhärte an der Tür zum Stripclub abgegeben zu haben. Das hätte alles weitaus schlimmer kommen können nach all der Zeit. Hätte es das insgesamt unbedingt jetzt gebraucht? Eher nicht. Macht es trotzdem feuchtfröhlich Freude? Ja, schon. Ein wenig mehr Garstigkeit und Körnigkeit hätte ihm meiner Meinung aber noch gut getan. Er wirkt schon aalglatt. Daher wird er sicher kein allzu großer Kulthit, ist nicht genug harter Slasher für mich, hat nicht die bleibende Wirkung seines Vaterfilms - aber ein gern gesehener, facegelifteter Nachklapp ist das für mich schon.
Wenn Frikandeln verschandeln
Fazit: Saftig, holländisch, käsig, schlitzig. "Amsterdamned II" kann seinem kultigen, ernsteren Vorgänger zwar nie ganz das Kanalwasser reichen, macht aber dennoch erstaunlich viel richtig und die meiste Zeit... Spaß.