Überraschend späte, wenn auch willkommene und von über 300.000 Zuschauern willkommen geheißene, zur 750. Jahrfeier der Hauptstadt uraufgeführte Fortsetzung in Instanz der Hauptakteure auch des Originals Verfluchtes Amsterdam (1988) und deren hiesige Aktualisierung und neue Installation. Das Szenario gleich, bereits die Präsentation der verantwortlichen Studios zum Fürchten eigentlich, eine horrende Gemengelage, das niederländische Filmreich. An Dick Maas' eigenen Prey (2016) erinnert der Beginn, dort die Hatz durch die Stadt, hier wieder der (Drohnen)Flug über die Straßen, die Umgebung eigentlich beschaulich, eigentlich hübsch erhellt in den Abendstunden, die trügerische Idylle zählt:
Als die Amsterdamer Grachten nach fast 40 Jahren durch eine Reihe grausamer Bluttaten erneut dunkelrot gefärbt werden, übernimmt die ehrgeizige Kriminalbeamtin Tara Lee [ Holly Mae Brood ] zusammen mit ihrem Partner Dickie van Dongen [ Ruben Brinkmann ] die Ermittlungen. Bald wird durch den Leitenden Koos van Amstel [ Pieter van den Sman ] inoffiziell auch der frühere Kollege Eric Visser [ Huub Stapel ] aus dem Ruhestand in Limburg dazu geschaltet.
Die (eher Dubai bevorzugenden) Touristen erwischt es zuerst, die Amerikaner, dann auch die Einheimischen, eine schnelle Heranführung, die Opfer zugleich. Aus dem Vorgänger gelernt, der Fahrer des Bootes erst verschwunden, die romantischen Touren abgesagt, eine Amokfahrt durch die Wasserstraßen, die Oberfläche der Trachten am Brodeln, ein Messer durch den Boden des Schiffes gerammt, eine panische Hatz. Der Slasherfilm wieder bedient, viel Geschreie unter dunklen Tunneln, die Mörderjagd später, und dies auch am helllichten Tag. Mit Schockeffekten eingangs begonnen, mit einem toten nackten Paar, welches auch noch angezündet wird und vor aller Augen Zuschauer in Flammen steht, die Machart von Maas (und dessen Weiterführung auch in einer seit 2021 etablierten Buchreihe) deutlich, die Wiederholung bewährter Situationen und Mittel, der Kampf um die Aufmerksamkeit, das Bedienen des Genres, die bemühte Steigerung auch, letzteres ein hehres, aber ein etwas vergebliches Unterfangen. Ein Bemühen der erneuten Sperrspitze und Rehabilitation im Zeitalter des Horrors, immerhin mit dem Instinkt um die abermalige Nutzung der Drehorte und ihrer Präsentation, die Mordermittlungen in der Aufmerksamkeit, die Zurschaustellung des offensiven Actionkrimis, "deze kanalen zijn walgelijk."
Ein abgetrennter Kopf wird bald eingefangen, ein Torso schwimmt in den Gewässern, die Meute ist aufgescheucht und aufgehetzt, die Sensationslust deutlich. In alle Richtungen wird gespürt, der Vorgesetzte ängstlicher ob der drohenden Gefahr und schneller in der Vermutung, das investigative Team noch eher herablassend herangehend an die Attacke, das Leichenschauhaus besucht und die Diagnostik abwartend. Um den weiteren Fortgang ist auch Maas bemüht, die ersten Theorien aufstellend, fast nachfolgend zu den Vermutungen des Publikums, welches um den ersten Teil weiß und deren Ausgang und die Eskalation bis dahin, wartend darauf und die Vorbereitungen. Das Szenario demnach nicht neu, die Behandlung mit den üblichen Zutaten, hier zwar mit der niederländischen Metropole als zentralen Mittelpunkt und Zusatz zum Titel auch, aber der insgesamt amerikanischen und international ansprechenden und ausgewerteten Ausrichtung, Maas nicht umsonst selber zwischendurch nach Hollywood abgewandert und sich einem Remake unterzogen worden, die Geschichten (anders als bei der jüngeren landeseigenen Konkurrenz um Nico van den Brinks folkloristisch-psychologischen Moloch, David Jan-Bronsgeests medienkulturellen Slashers Jimmy und Martijn Smiths' sozialkritischen, aber auch schwarzhumorig bis expliziten Meat Kills) auf strikte Folgsamkeit strukturiert und typisch gängig. Alles, was davon ablenkt, wie der Caravan der aktiven Polizistin, der Drag Queen Nachtclub, der Bebilderung der Stadt als 'Paradise Lost', die Erweiterung der Mordtaten auch auf den Asphalt (inklusive heraushängender Gedärme im Morgengrauen), und zusätzlich die Einführung von Stapel als "oude scheet" abgeschieden auf dem grünen Lande (mit einem Plant-based Steak und einer blutigen Nase bald) ist durchaus erfreulich gehandhabt; Stapel sowieso ein Charmebolzen und hier noch als rüstiger Rentner gezeichnet mit entsprechenden Abstraktionen und Restriktionen. So wird der Klimaschutz nebenbei erwähnt und die Jugend'kriminalität', das LGBTQ+ und insgesamt die Veränderungen im Leben und für den Cop A.D. auch in der Lebensqualität. Ein Wiedersehen mit alten Gesichtern demnach, ein Aufrollen der alten Geschichten, das Miteinbeziehen der Routiniers in der Erzählung und der Gestaltung, das Copycat-Verfahren, das Cold Case-Geschehen.
Viel Zeit ist vergangen, wirkt hier aber nicht so, der Originalfilm als Bestandteil des Netherhorros präsent und auch noch einmal (inklusive kleiner Rückblenden) ratifiziert und neu aufgerollt und sowieso nachhaltig in Erinnerung, dazu hier das Sequel und das Re-Imagining und das Spinoff fast, Stapel von privater Natur aus neugierig und er und die Mordtaten abermals in Betrachtung. So werden Friedhöfe besucht und sich erneut mit den Reportern gestritten, die Schlagzeilen schon gemacht, bevor sie geschrieben werden und im Print sind, werden Familien getroffen und sich um die eigene Reputation gekümmert, eine durchaus figürliche und personelle Heranführung an die Ereignisse, die dadurch nur mehr an Involviertheit und damit an Nachdruck gewinnen. Das "Kanalmonster" und die Begebenheiten drumherum verschwinden für einen Moment in der Hintergrund und steigen dann umso mehr wieder auf – natürlich auch die obligatorische Verfolgungsjagd auf verschiedenen Gefilden und mit verschiedenen Bewegungsmitteln, die wie auch der (ein weiteres Sequel vorbereitende) Showdown allerdings fast im Understatement gehalten ist, als ob man sich nicht selber übertrumpfen will, wenn auch erneut mit Handarbeit choreografiert und tatsächlichen Stunts – , ein Hin und Her an Momenten und Eindrücken und Eindrücklichkeiten, ein gescheiter dramaturgischer Aufbau, eine Spannungssteigerung nach ersten Emotionalitäten und dies auch nach den ersten Spekulativitäten, nichts verlernt in der altmodischen Herangehensweise, zwischendurch wird in einem gesunkenen Auto, einem Birò ertrunken und vorher noch die Beretta leergefeuert; und dann noch eine Frauenleiche mitten auf die Holpersteine geschleudert.
Abgesehen von dem kurzen Abstecher nach Limburg werden auch sonst hier fast mehr Schauplätze als bei dem ersten Ausflug nach Amsterdamned getätigt, ein Geschichtsmuseum zur Erkundung, ein Flottenwerk, dazu natürlich die Grachten und das Areal daneben, der Zivilist und die Beamtin erst nebeneinander am Nachforschen und dann zusammen, eine gegenseitige Ergänzung, zwei Profis am Unterstützen, mit kurzem Kompetenzgerangel und dann ohne weitere Formalitäten. Gespielt ist das von allen Beteiligten gut, Stapel eine Freude, aber auch die weiteren Teilnehmer, die Klischees gut genutzt und gut umschifft zuweilen, minimal humoristisch aufgelockert auch, dann wieder prophetisch auf düster geeicht. Maas handhabt beides stilsicher und wägt dies ab, sein "Monster van Loch Bess of Bullebak" ist modern inszeniert, aber (nach ersten Befürchtungen) nicht übertrieben auf Zeitgeist gehend und seinen eigenen Traditionen folgend, es geht bekannte Pfade, aber mit Abkürzungen und Umwegen und Aufweichungen, man agiert weniger bei Sonnenschein als allgemein kühlen Temperaturen und auch viel Regen, bald ist das Zentrum von der S.W.A.T. abgeriegelt, von Eliteteams durchpflogen und von Marinetauchern durchseucht. Flugobjekte zur Überwachung fliegen vom Himmel, Motorboote werden umgekippt und Unterwasserkämpfe veranstaltet.