Einige Jobs, die zur kompletten Isolation während der Tätigkeit führen, verändern Menschen und sind nicht für jeden geeignet. Etwa Leuchtturmwärter oder eben, wie im vorliegenden Horror-Thriller, der Posten auf einem Wachturm, auf dem man gleichzeitig lebt. Die anfangs viel versprechende Prämisse verkommt in der zweiten Hälfte leider beinahe zu einer Farce.
Melissa (Meghan Carrasquillo) benötigt eine Auszeit und nimmt für 30 Tage eine Stelle auf einem Feuerwachturm an. Zweimal täglich muss sie ihrem Chef Bericht über entsprechende Sichtverhältnisse erstatten. Als sie dann eine verstörte, offenbar unter Schock stehende Frau aufgabelt, setzen weitere merkwürdige Ereignisse ein, die Melissa in Gefahr bringen…
Was Regisseur Stefan Colson recht gut hinbekommt, ist die Etablierung der isolierten Atmosphäre innerhalb der Weiten des Waldgebietes. Der Raum des Turms ist arg begrenzt, in der Nähe gibt es keine ersichtlichen Wanderwege und somit besteht Melissas einziger menschlicher Kontakt per Funk. Die daraus resultierende Situation bringt nach einigem Vorlauf unweigerlich Redundanz mit sich, zudem bleiben unerklärliche Aspekte lange aus.
Erst zur Halbzeit häufen sich einige Ungereimtheiten und in den letzten zwanzig Minuten tritt so etwas wie ein Antagonist oder besser eine Entität in Erscheinung, welche einige Fragen aufwirft. Das hat etwas mit ominösen Gesteinsbröckchen zu tun, mit ungeahnten Kräften und einer bläulichen Substanz. Folgerichtig kommt es zwar zu einer erweiterten Konfrontation im Kontext mit einigen Randfiguren, doch die Bedrohung entfaltet nicht die anvisierte Wirkung. Aber auch die Protagonistin trifft einige fragwürdige Entscheidungen, während der Ausklang erneut Fragen aufwirft.
Immerhin bringt Hauptdarstellerin Carrasquillo eine angemessene Präsenz mit und performt insgesamt recht solide und auch die Kulisse mit dem fast surreal anmutenden Turm bringt Atmosphäre ins Spiel. Allerdings werden einige Aufnahmen aus der Vogelperspektive überstrapaziert und auch der Score trägt nur sehr bedingt zur Stimmung bei.
Schade, dass der Stoff in der zweiten Hälfte einen Weg einschlägt, der deutlich in Richtung Sci-Fi tendiert, zumal die Einführung einiger Rednecks in den ersten Minuten eine womöglich effektivere Bedrohung dargestellt hätte. Das unebene Erzähltempo und unausgearbeitete Hintergründe bezüglich der zunehmenden Gefahr ziehen die Geschichte massiv herunter, was sich primär in der zweiten Hälfte und speziell während des Showdowns herauskristallisiert.
Der Abspann nach bereits 76 Minuten ist da fast schon ein Segen, - mehr Ungereimtheiten hätten das Werk noch schlechter dastehen lassen.
Knapp
4 von 10