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„Arthur 2: On The Rocks“ aus dem Jahre 1988 beweist eindrücklich, dass Sequels erfolgreicher Filme kein Phänomen unserer Zeit sind. Nachdem sein Vorgänger „Arthur – Kein Kind von Traurigkeit“ im Jahre 1981 vierterfolgreichster Film in den USA war, zu Recht mit zwei Oscars und anderen Preisen ausgezeichnet wurde und in seinem Heimatland immerhin 95 Millionen Dollar einspielte, war die Verlockung einfach zu groß. Diese Geldkuh musste unbedingt noch einmal gemolken werden...

Arthur (Dudley Moore) hatte sich am Ende von Teil 1 für Linda (Liza Minnelli) entschieden und trotz aller Drohungen auch noch den Zugriff auf das Geld der Familie behalten. Sowas nennt man Glück oder auch Happy-End.

Inzwischen sind einige Jahre vergangen und Arthur ist immer noch der liebenswerte, Witze reißende Alki im Rolls-Royce, der sein Geld mit vollen Händen ausgibt und nie nüchtern zu sein scheint. Seine Ehe mit Linda funktioniert seltsamerweise irgendwie und wird nur dadurch belastet, dass Linda keine Kinder bekommen kann. Eine Adoption soll hier aber Abhilfe schaffen.

Genau zu dieser Zeit schlägt das Schicksal in Form von Burt Johnson zu. Johnson ist der Vater von Susan, die Arthur damals vor dem Traualtar wegen Linda stehen ließ. Er will Rache und hat deshalb die Kontrolle über die Firma von Arthurs Familie übernommen. Seine Forderung lautet, dass Arthur sich entweder von Linda trennt und Susan heiratet oder ihm der Geldhahn abgedreht wird.

Auch diesmal entscheidet sich Arthur für Linda, verliert sein Geld und macht dadurch Bekanntschaft mit einem weniger komfortablen Leben....

Die Gründe auf „Arthur“ eine Fortsetzung folgen zu lassen scheinen in erster Linie keine gewesen zu sein, die darauf beruhen dass die Handlung unbedingt noch weitergeführt werden musste. Vielmehr standen hier eindeutig andere im Vordergrund. Einerseits der kommerzielle und andererseits sollte das Sequel wohl auch dazu dienen seine Hauptdarsteller aus dem Karrieretief zu hieven. Aus derartigen Beweggründen entstandene Filme haben meist die Angewohnheit einfallslos und aus der puren Not geboren zu sein.

„Arthur 2“ macht hier keine Ausnahme.Die Tatsache ignorierend, dass Arthurs geistiger Vater, Drehbuchautor und Regisseur Steve Gordon kurz nach Fertigstellung des ersten Teils verstorben war, heuerte man stattdessen Drehbuchautor Andy Breckman und Regisseur Bud Yorkin an um mit dem aus Teil 1 verbliebenen Cast auf Teufel komm raus einen Weg zu den Geldbörsen der Zuschauer zu finden.

Auch wenn Steve Gordon kein meisterhafter Autor und Regisseur war, so hatte er doch genug Talent und Können um seine etwas altmodische und überraschungsarme Story damals mit erstklassigen Darstellern und großem Wortwitz in der Spur zu halten. Seine beiden Nachfolger hingegen erwiesen sich hier als weniger talentiert.

Breckman, der viel später die TV-Serie „Monk“ erfand, stand damals am Anfang seiner Karriere und lieferte mit diesem Auftrags-Script eine recht inspirations- und fantasielose Arbeit ab. Nicht nur das die Geschichte einfach halbherzig weitergesponnen bzw. teilweise sogar wiederholt wurde stößt einem dabei sauer auf, viel schlimmer ist jedoch, dass der ganze Film extrem langweilig ist und aufgerundet nur über einen guten Gag (der alte Mann und der Treppenlift) verfügt.

Arthurs Dauersuff, seine Sprüche usw. sind nach wie vor vorhanden, wirken hier aber wenig witzig, mehr bemüht bis verkrampft und nerven mehr als dass sie unterhalten. Was ganz klar fehlt ist ein Gegenpart zu Arthur, wie dies John Gielgud alias Butler Hobson in Teil 1 war.

Genau an dieser Stelle sind wir bei einem der größten Probleme von „Arthur 2“ angelangt. Nämlich der Tatsache, dass die zentrale Figur, die alles im Gleichgewicht hält, nicht mehr da ist. Gielgud starb im ersten Teil den Filmtod und fehlt mit seiner ganzen Präsenz und den perfekt getimten trockenen Sprüchen an allen Ecken und Enden. Alleine schon dieser Gesichtspunkt dürfte bereits im Vorfeld entschieden gegen das ganze Fortsetzungs-Projekt gesprochen haben.

Findig wie man in Hollywood jedoch ist, wurde der eigentlich tote Hobson aber doch noch irgendwie ins Script gefieselt. Und zwar in Form dessen, dass er Arthur im Moment seiner größten Zweifel erscheint um ihm den richtigen Weg zu zeigen. Leider helfen die paar Szenen dem Film aber auch nicht entscheidend weiter, denn es fehlt an den passenden Dialogen und somit verkommt Gielguds Kurzauftritt zum klischeebehafteten moralischen Zeigefinder aus dem Jenseits, den man sich besser verkniffen hätte.

Lässt man auf diese handlungstechnische Resteverwertung nun noch einen Regisseur und ausgewiesenen Komödien-Routinier wie Bud Yorkin los, dann kann man eigentlich stark davon ausgehen, dass sich durch seine Regie garantiert nichts entscheidend verbessern wird. Auch mit dieser Vermutung liegt man hier absolut richtig. Yorkins Regie ist genau das was man unter routiniert zu verstehen hat. Handwerklich ohne Fehl und Tadel, allerdings auch ohne eine Form von Inspiration, besonderem Gefühl für Timing und Situationen.

Dudley Moore, dessen damaliges Karrieretief, wohl ebenfalls einer der Hauptgründe für dieses unnötige Sequel sein dürfte, spielt seinen Part als Arthur im Prinzip genauso wie im Erstling. Der einzige Unterschied ist wie bereits erwähnt, die Tatsache, dass Moore hier praktisch als Alleinunterhalter unterwegs ist. Sein Arthur wankt, stolpert und torkelt zwar noch immer dauerhaft betrunken von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen durch den Film, ist als Charakter aber nicht interessant oder witzig genug um den ganzen Film alleine zu tragen. In Verbindung mit einem besseren, ausgewogeneren Script wäre dies kein Problem, aber genau dieses fehlt hier leider.

Um das Bild der geradezu scheuklappenartigen Ignoranz gegenüber den Qualitäten des Originals noch abzurunden muss noch erwähnt werden, dass der Nachfolger des oscarprämierten Titelsongs „Best That You Can Do (Arthurs Theme)“ von Christopher Cross ausgerechnet in einem schmalzigen Song von Chris DeBurgh gefunden wurde....

Fazit: Als eigenständiger Film würde „Arthur 2“ gerade so durchgehen, als Fortsetzung muss sich der Streifen an seinem Vorgänger messen lassen und versagt dabei auf ganzer Linie.

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