Review

Die „occult detective fiction“, also das Untergenre von den Privatermittlern, die sich mit dem Übernatürlichen herumschlagen, hat mich ja immer schon fasziniert und da ab Ende der 60er bis Ende der 70er in Hollywood mit dieser Literaturgenrevariante herum experimentiert wurde, hab ich schon so ziemlich alles Mögliche ausgebuddelt.

Die meisten der Beiträge sind reichlich „mau“ bis „blah“, egal ob sich nun Roy Thinnes („The Norliss Tapes“), Leonard Nimoy („Baffled“) oder Robert Culp („Spectre“) mit dem Bösen herumschlugen, aber gehen wir doch jetzt mal zu den Anfängen zurück. Nachdem Christopher Lee 1968 in der Dennis Wheatley-Verfilmung „Die Braut des Teufels“ sich tapfer eines okkulten Satanisten erwehrte (noch im Kino und von „Hammer Productions“), fanden sich plötzlich auch andere Interessenten und so kam im März 1969 mit „Fear no Evil“ ein erster Pilotfilm bei NBC auf die Bildschirme, in dem ein gewisser Dr. David Sorrell, seines Zeichens Psychiater, ermittelte.

Geplant war ursprünglich eine Serie namens „Bedeviled“, aber da man nicht sicher war, wie der ungewohnte Grusel auf den Bildschirmen ankommen würden, drehte man in den Universalstudios erstmal diesen abendfüllenden TV-Film.

Gekleckert hat man dabei nicht, denn mit Louis Jourdan hatte man einen hinreichend exotischen und charmebetankten „Lead“ engagiert und die Nebendarsteller machten auch was her: Lynda Day George durfte in einer frühen Rolle ihre Schnuckelchen-Erfolge der 70er vorweg nehmen, Carroll O’Connor machte einen Schritt seitwärts dramaturgischer Natur, ehe er zu den TV-Star durch die Rolle des Archie Bunker in „All in the Family“ wurde, Bradford Dillman war auch schwer in Mode und etwas ironische britische Distanz wurde von dem Tausendsassa Wilfrid Hyde-White geliefert.

„Fear no Evil“ ist ein typischer Studio-TV-Film, wie so viele aus dieser Zeit, die Außenaufnahmen kommen meistens vom Universal Lot und die Innensequenzen sind unübersehbar Studioaufnahmen. Aber: die Ausstattung ist wie üblich die reine Pracht und Regisseur Paul Wendkos gibt dem Affen sichtlich Zucker.

Das ist um so wichtiger, da der Film jetzt nicht als wirklich rasant betitelt werden kann, bei 98minütiger Laufzeit zieht er sich zwischendurch schon ein wenig, vor allem weil er seinen Zuschauern ein Sujet nahebringen muss, was später in 45-Minuten-Episoden rund abgehandelt werden sollte.

Daher dauert es auch etwas, bis wir unseren „Hero“ Sorrell das erste Mal zu sehen bekommen, denn der Auftakt gehört einem ordentlich durchgebügelten Bradford Dillman, der delirisch durch die schönsten Universalkulissen bei Nacht rennt, um schließlich in einem obskuren Antiquitätenladen einen altmodischen Standspiegel zu erwerben und sich nach Hause schicken zu lassen. Danach gibt es dann irgendwann eine große Diskussionssause, weil Sorrell und Co sich ein paar Freunde (darunter Dillman und Day George) nach Hause eingeladen haben, um zu verdeutlichen, dass unser großer Psychologe eigentlich nichts vom Übernatürlichen hält. Immerhin darf er dabei Kette rauchen und charmant französischen Akzent verbreiten (natürlich nur in der OV).

Bald darauf geht der gute Paul Varney alias Dillman hopps, als er sich und Susan Day mittels seines Oldtimers einen steilen Abhang heruntersteuert, nachdem er Beunruhigendes in seinem Seitenspiegel hat auftauchen sehen. Er ist noch nicht ganz kalt, da hat die arme Barbara schon ihr erotisches Erweckungserlebnis, denn im großen Spiegel daheim erscheint ein in die Unendlichkeit führendes Gewölbe und ein augenrollender Paul, der sie mal unbedingt abschlabbern möchte.

Sorrell hält von der ganzen Chose ziemlich lange ziemlich wenig, bis er sich dann doch ein wenig zu Ermittlungen bemüssigt fühlt und dann einen Satanistenzirkel aus den Kulissen meißelt, der offenbar bei seinen Riten unerwartet einen dämonischen Erfolg erzielt haben. Zwischendurch holt er sich bei Hyde-White, der offenbar den eigentlichen okkulten Experten spielt, die nötigen Hintergrunddetails zu allen Vorgängen ab (inclusive Pentagrammdetaildeutungen) und deckt schließlich die Verschwörung in seinem Bekanntenkreis auf.

Bis er am Ende endlich mit Day hinter die Spiegel geht, ist der Plot mal sehr atmosphärisch und bedrohlich und mal sehr banal, wem hier aber nicht recht zu trauen ist, bläut das Skript einem mit dem Vorschlaghammer ein.

Wirklichen Horror kann dieser TV-Film nicht bieten, wenn am Ende in der Spiegeldimension – ein bescheidener über das Filmmaterial gelegter Negativeffekt kaschiert eine überhaupt nicht gelungene dämonische Entität – ein paar FX zum Einsatz kommen, aber dafür scheint hier vieles mehr an eine Romantic-Mystery-Verfilmung zu gemahnen, wo – Herzschmerz sei Dank – die Heldin in rätselhaften Bedrohungen verstrickt ist.

Dennoch, als Ausstattungspilot ist der Film die reine Pracht und die Kamera von Andrew J. McIntyre hat genau die nötigen Positionen und „dutch angles“ im Köcher, um auch die karge Diaspora an Plot und Aufregung visuell interessant zu gestalten. Was fehlt, ist ein Held, mit dem man mitfiebern kann, denn skriptgemäß ist Jourdans Sorrell ein beinharter Skeptiker, der die Satanisten als gefährliche Faker entlarven möchte, bis ihm das Übernatürliche am Ende quasi noch in die Hose beißt, während sein Kumpel Hyde-White wie üblich fröhlich schmunzelnd aus der dämonischen Wikipedia zitiert und den ganzen Mumpitz einfach durch den Kakao zieht.

Etwas mehr Aufregung und Action hätten dem Ganzen auch gut getan, aber das hat die Zuschauerschaft wohl nicht gestört, denn der Film hatte gute Quoten als „Movie of the Week“ und in einer gerechteren Welt hätte es wohl jetzt eine Serie gegeben, aber NBC steckt gerade in einem interessanten Ansatz, wie man sich für neue Serien entscheidet (aus dem dann das Wheel-Series-Prinzip der 70er entstand) und wusste nicht recht, wie man den Psychologen nun nachvollziehbar jede Woche über etwas Übernatürliches stolpern lassen konnte.

Also motteten sie ihren Erfolg nicht ein, sondern entschieden sich dafür, einen zweiten Pilotfilm zu drehen und den Held noch einmal ins Testcenter zu schicken, Titel: „Ritual of Evil“.

„Fear of Evil“ ist heute frei recht gut zugänglich und macht meiner Meinung nach auch heute noch Spaß, auch wenn man Geduld haben muss mit der Story, die eben besser in einem typischen späteren TV-Movieformat (Nettospielzeit 73 Minuten, wie bei „Columbo“ meistens) ausgesehen hätte, so allerdings künstlich in die Länge gezogen wirkt. Ich gönne Jourdan dafür nett 6/10, aber allen, die nicht so einen eloquent verkorksten Geschmack wie ich haben, würde ich keine Garantie dafür ausstellen.













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