Sporadisch setze ich meine Abenteuer aus der Reihe „Spaß mit amerikanischen TV-Filmen der 70er“ ja auch weiterhin fort, um die Perlen und Grützen meines Geburtsjahrzehnts dem Vergessen zu entreißen.
Die phantastischen Beiträge sind mir natürlich die Liebsten und heute ist sogar Zeit für ein Remake.
Obwohl: wenn „Haunts of the Very Rich” genauer betrachtet, hat er außer dem oberflächlichen inhaltlichen Verlauf nicht gar so viel mit seinen berühmten Vorbildern „Outward Bound“ von 1930 und „Between Two Worlds“ von 1944 zu tun.
Hier wie da geht es aber um eine Gruppe von Leuten, die sich auf einer Reise befindet und sich erst nach und nach bewusst wird, dass an ihrer Situation irgendetwas ganz und gar nicht stimmt.
Anders als bei den Vorläufern, die jeweils auf Ozeandampfern spielten, finden sich die Protagonisten hier in einem luxuriösen Flugzeug wieder, auf dem Weg zu einer exklusiven Urlaubslocation namens „The Gates of Eden“ (jaja, Subtilität zählt in TV-Filmen aus den USA nicht eben zur Grundausstattung!). Man verspricht sich aus der Werbebroschüre so einiges – auch wenn in den Broschüren ganz unterschiedliche Sachen stehen. Und ein Herr unter Ihnen ist nicht eben erbaut davon, denn er müsste eigentlich auf einem ganz anderen Flug sein. Wie kann das sein?
Wer jetzt nicht sein Leben komplett verdöst, ahnt bald, wie der Hase läuft. Wohin sie fliegen? Der Ort liegt ziemlich abseits! Wann kann ich wieder abreisen? Frühestens morgen! Und ihr beflissener Gastgeber Mr.Seacrest ist so glatt wie eine Schlittschuhbahn, wenn es darum geht, ums Thema herum zu reden.
Als die begüterten Herrschaften (darunter ein junges Paar, ein Priester, zwei Geschäftsleute und zwei mehr oder minder nervöse Frauen) es sich in der luxuriösen Location erst mal bequem gemacht haben, scheint der Kurzurlaub (hat man den gewonnen oder nicht?) ja ganz gut anzulaufen. Doch schon bald zeigt das Paradies nach und nach Schattenseiten. Ein Sturm verwüstet die Anlage, eine Angestellte stirbt, die Kollegen und Kolleginnen gehen mitten in der Nacht stiften, der Manager verlässt die Gäste um Hilfe zu rufen, der Priester geht auf eine Expedition zu den Eingeborenen, Nahrung und Wasser werden knapp.
Der Urlaub entwickelt sich also langsam aber sicher bei heißen Temperaturen zur Strapaze und da für wenig Zerstreuung gesorgt wird, denken die Herrschaften umso häufiger nach – und alsbald kommen erst Zweifel, dann langsam aber sich ein Verdacht auf: hatten nicht alle vor kurzem ein Erlebnis mit relativer Todesnähe? Unfälle? Allergische Reaktionen? Übermäßige Medikamenteneinnahme?
Also was wäre, wenn…sie alle schon tot wären und das hier die Hölle, schließlich wird die Situation ja immer schlimmer.
Das Problem dieses bewährten 73-Minüters: die Figuren hinken den Annahmen der Zuschauer immer um ein paar Minuten hinterher. Aber (!): der Plot ist sich nicht zu schade, immer wieder die Annahmen der Figuren und der Zuschauer auszubremsen, und das bis zum Ende. Tatsächlich hat das alles auch einen gewissen Grund bis zur überraschenden (oder eben nicht überraschenden) Schlusswendung, die eine erblühenden Zweierbeziehung nebenbei mal halbwegs den Stecker zieht.
Dass ohne die garantierte Filmlauflänge von 90 Minuten die Charakterentwicklung ein wenig zu kurz kommt, ist leider ein unerwünschter Nebeneffekt. Das junge Paar ist praktisch nur Chiffre und Anne Francis‘ suizidales Nervenbündel findet auch keinen rechten Griff im Plot, während Edward Asner gewohnt problemlos jede Szene an sich reißt.
Leider gerät das Finale ein wenig nebulös, weil man es mit einem weiteren Fall von „Was heißt das jetzt konkret?“ zu tun hat, da im Verlauf allerlei Theorien getestet werden, von denen eine am Ende eben am wahrscheinlichsten ist, aber ohne absolute Gewissheit zu verschaffen.
Tatsächlich aber wussten die Macher gegen Ende hin, eben wegen der vielen Fragezeichen den Druck zu erhöhen, und die letzten 10 Minuten sind zwar kein Feuerwerk, haben aber genügend Twists am Start, um für ein Wechselbad der Gefühle zu sorgen. (5/10)