Review

Die gefährliche Intimität des Dienens

Paul Feig und ein erotisch aufgeladener Psychothriller – diese Paarung klingt auf dem Papier ungefähr so wahrscheinlich wie ein Arthouse-Remake von „Bridesmaids“. Und doch steht „The Housemaid“ genau dafür: eine düstere, sexuell aufgeladene Romanverfilmung, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller, der nicht nur die Bestsellerlisten dominierte, sondern auch an den amerikanischen Kinokassen zum veritablen Smash Hit avancierte. Feig, bislang vor allem als Architekt des modernen Mainstream-Humors bekannt, wagt hier einen radikalen Tonwechsel. Keine Slapstick-Orgie, keine Buddy-Komödien – stattdessen: dunkle Begierden, Machtspiele, moralische Abgründe. Und siehe da: Er stolpert zwar zunächst, fängt sich aber mit erstaunlicher Eleganz.

Im Zentrum steht Millie (Sydney Sweeney), eine junge Frau mit belasteter Vergangenheit, die als Hausmädchen bei dem wohlhabenden Ehepaar Nina (Amanda Seyfried) und Andrew (Brandon Sklenar) anheuert. Was zunächst nach klassischem „Fish out of water“-Setup klingt, mit großer Villa, gepflegten Gärten, emotionaler Verwahrlosung hinter Designerfassaden, entwickelt sich rasch zu einem toxischen Beziehungsgeflecht aus Manipulation, Begehren und unterschwelliger Gewalt. Die Romanvorlage wird dabei relativ werkgetreu adaptiert – inklusive ihrer melodramatischen Überzeichnungen und psychologischen Volten. Allerdings muss man ehrlich sein: Die erste Filmhälfte ist schwierig. Holprig ist noch freundlich formuliert. Feig scheint hier zwischen Thriller, Erotikdrama und Soap Opera zu schwanken, ohne sich klar zu entscheiden. Klischees regieren die Bildsprache: die böse reiche Ehefrau, der mysteriöse Ehemann, die naive Angestellte mit dunklem Geheimnis. Dazu Dialoge, die teilweise wirken, als wären sie direkt aus einer Nachmittagsserie auf einem Spartensender entlaufen. Subtilität ist hier Fehlanzeige und Symbolik wird mit dem Holzhammer serviert.

In der zweiten Hälfte zieht das Skript jedoch die Zügel deutlich an. Enthüllungen, Wendungen und Eskalationen folgen Schlag auf Schlag. Die Geschichte gewinnt an Tempo, die Dialoge werden schärfer, zynischer, gefährlicher. Plötzlich ist Spannung da. Echte, nagelnde Spannung. Der Film mutiert von einer lahmen Vorabendserie zum erotisch aufgeladenen Paranoia-Trip, und findet seinen Ton – spät, aber eindrucksvoll. Atmosphärisch orientiert sich „The Housemaid“ klar an den großen Erotikthrillern der 90er: „Fatal Attraction“, „Basic Instinct“, „Disclosure“. Feig erreicht deren ikonische Klasse nicht ganz – dafür fehlt ihm der letzte stilistische Mut und die visuelle Radikalität eines Verhoeven. Aber: Der Wille ist da. Die zweite Hälfte atmet diese schweißtreibende Paranoia, dieses ständige Gefühl, dass jeden Moment alles eskalieren kann. Das erfreulich konsequente R-Rating spielt dem Film enorm in die Karten. Feig hält sich nicht zurück – weder bei der Sprache noch bei expliziter Sexualität oder nackter Haut. Das wirkt nie billig, sondern passt zur psychosexuellen Grundspannung.

Dass der Film am Ende funktioniert, liegt vor allem an seinem Ensemble. Sydney Sweeney trägt als Millie den Film – auch wenn sie einen holprigen Start hinlegt. In der ersten Hälfte bleibt ihre Performance erstaunlich blass. Doch mit dem dramaturgischen Umschwung blüht auch sie auf. Plötzlich ist da Aggression, Verletzlichkeit, Wut. Amanda Seyfried als Nina ist eine Klasse für sich. Sie spielt die Ehefrau nicht als klischeehafte „reiche Furie“, sondern als komplexe Figur zwischen Kontrolle und innerer Leere. Eine brillante Performance, die dem Film Tiefe verleiht, wo das Drehbuch schwächelt.

Fazit

Paul Feig liefert mit „The Housemaid“ keinen Klassiker, aber einen überraschend erwachsenen, mutigen Erotikthriller ab. Das konsequente R-Rating, die klare Orientierung an den 90er-Vorbildern und vor allem die starken Leistungen von Sydney Sweeney und Amanda Seyfried heben den Film über Durchschnittsniveau. Ein schmutziges, ungleichmäßiges, aber letztlich befriedigendes Thriller-Vergnügen, das spät zündet – dann aber richtig.

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