Die 90er wollen aus dem Hausfrauenbälleparadies abgeholt werden...
"The Housemaid" beruht auf einem weltweiten Thrillerromanhit (den ich nicht gelesen habe, der aber vor allem im weiblichen Mainstreambereich enorm beliebt ist) und erzählt von der neuen Haushaltshilfe in einem riesigen Luxusanwesen, die nicht die Einzige in dem beeindruckenden Haus ist, die Geheimnisse hat und Psychospielchen spielt...
Very Guilty, very Pleasure?
Für Filmnerds ist "The Housemaid" eher nichts denke ich. Einen Bong Joon-ho oder Park Chan-wook sollte keiner erwarten. Absolut nicht. Eher das Gegenteil. Das ist schon deutlich flacher und zugänglicher und massentauglicher. Ähnlich wie es "The Hand That Rocked The Cradle" oder andere (meist erotisch angehauchte) "Hausfrauenthriller" aus den 90ern waren. Aber das ist ja gar nicht super schlimm, das sollte man nur in seine Erwartungen einfließen lassen. Und der Erfolg gibt den Filmen und Konzepten damals wie heute (!) recht. Dafür gibt's eine massive Zielgruppe. Und die muss man nicht direkt abwerten. Doch was macht "The Housemaid" denn so funktionabel und effektiv? Paul Feigs unbalancierte und teils schon tollpatschige Regie kann's nicht sein... Vor allem ist's neben dem soliden Storygrundgerüst wohl Amanda Seyfried, die das wirklich psycho und beängstigend macht. Dann gibt's viel Luxus, ein grandioses Haus, viele hübsche (teils nackte) Menschen und im Grunde einen kleinen Angriff auf die "Reichen und Schönen". Und einen ganzen Po voll Überraschungen und Wendungen. Manche vollkommen stupide, manche gar nicht unraffiniert. Mein Haus, mein Mann, mein Trauma. Von Fleischbeschau zu Fleischverhau. Ein Gone Girl von der Baumschule. Musikvideo und unfreiwillige Komik. "Sleeping with the Enemy" meets "365 Days". Langsam Eskalation. Wenig Erektion. Schatten der Zahmheit. Fertig ist ein hochwertiger Haushaltskrimi, den man nicht zu hoch hängen oder zu ernst nehmen muss - den man aber gut mit der Gattin, in einer gemischten Guckgruppe oder an einem leeren Sonntagnachmittag wegbügeln... äh schauen kann...
Zwischen feuchtem und angsteinflößendem Träumchen
Fazit: Seyfried ist stark, Sweeney stinkt dagegen ab, bleibt aber passabel... Und der Film? Der ist ein gelungener, wenn auch frech-dummer Throwback in hausfrau'igere Psychothrillerzeiten meist zwischen cringe, spannend, interessant, bescheuert und düster. Twisty, freaky, sneaky. Immer in your pretty face...