Review

Teuflisches Tohuwabohu 

Kirill Sokolovs beiden bisherigen schwarzhumorigen Actionfeuerwerke aus seiner Heimat Russland („Why Don't You Just Die!“ und „No Looking Back“) waren Genrefilmfestivallieblinge mit denen ich mächtig Fun hatte. Obwohl das beachtenswerte Visitenkarten waren, ist von ihnen jetzt aber zugegebenermaßen bei mir auch nicht allzu viel hängengeblieben. Und nicht ganz unähnlich könnte es auch mit seinem Hollywoodregiedebüt „They Will Kill You“ laufen, der im Fahrwasser von „Ready or Not“, „The Hunt“ und anderen ordentlichen Funsplatterkalibern neuerer Jahrgänge eine junge Frau nach zehn Jahren Knast in ein satanistisches NYC-Hotel schickt, um ihre kleine Schwester von dort zu befreien…

Diabolische Dauerdresche

Würde sich Sokolovs weirder Style zwischen Tarantino, Schlachtplatte und Russenhochzeit in die Traumfabrik übertragen lassen? Zumindest einigermaßen? Das war die alles entscheidende Frage, die der straight und stumpf betitelte „They Will Kill You“ beantworten musste. Und die Antwort ist klar: Jein! Denn einerseits erkennt man noch immer seine irren Stilblüten, Marotten und enorm blutigen Seitenhieben. „They Will Kill You“ ist kurz, kurzweilig und knallig. Ein wilder Ritt. Andererseits geht durch die höheren Production Values, bekannteren Gesichter und glattpolierteren Kanten natürlich auch etwas Charme und Indie-Wow-Effekt flöten. Da kann das Blut noch so in Strömen regnen, das Gefühl ist unabdingbar. Trotzdem hatte ich „They Will Kill You“ als gorigen Genresnack zwischen „Ballerina“, „Hotel Artemis“ und einer ausgewachsenen „Tales From the Crypt“-Episode doch recht schnell ins Herz geschlossen. Wie lange er da bleibt? Ich schätze die Herzwertzeit recht übersichtlich ein. Und trotzdem war das Ding rotzig, rüde und rollend genug um mich keine Minute zu langweilen. Klar, ein wenig nutzt sich Sokolovs needledroppiger Splatterstyle doch hier und da ab, wiederholt und überschlägt sich. Das Ende ist nie auch nur eine Sekunde in Gefahr. Es ist ein krawalliger Comicstrip, vielleicht etwas zu deutlich bis erzwungen auf „Kult“ gepolt. Aber im Großen und Ganzen will ich da nicht zu viel meckern. Ein bisschen raimi'esk schimmert's sogar durch. Ein paar der Bösen haben sichtbar Spaß an der Sache - Tom „Draco Malfoy“ Felton oder Heather „Hab ich zuerst gar nicht erkannt“ Graham beispielsweise. Und Zazie Beetz ist eine formidable, arschtretende und sensationell schmerzresistente Heldin. Doch vor allem kommt man wegen dem Gemetzel, dem Geschleime, dem Gekröse und Gematsche. Und das geht alles absolut in die Vollen, ist teils altmodisch und praktisch genug gemacht, trägt durchaus Sokolovs Handschrift. Selbst wenn man nicht abstreiten kann, dass das null Gehalt hat. Aber das muss es ja auch nicht immer. Der hätte zu einer anderen Jahreszeit mit Sicherheit auch dem Fantasy Filmfest als Opener oder Abschlusstitel gut zu Gesicht gestanden und hätte teils Standing Ovations bekommen. Jip, so ein Film ist das. Und es ist schön, dass Warner Brothers sowas noch produziert und ausufern lässt! 

Wenn Schweine durch die Hölle fliegen

Fazit: Splattrig, spaßig, stylisch, seicht. „They Will Kill You“ ist ein sehr solider und super saftiger Einstieg von Sokolov nach Hollywood. Aber im Grunde auch eine reine Schlachtplatte für den hohlen Zahn. Auf meine kurzweiligen Kosten bin ich dennoch gekommen. Manchmal kriegt man mich leicht. 

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