Review

Cheese und Marmelade

„Der Wahnsinn folgt einem Plan: meinem.“

Nach den drei „Kurzschluss“-Kurzfilmen mit Anke Engelke und Matthias Brandt, von denen jeweils einer von 2022 bis 2024 zu Silvester gesendet worden war, war jene Geschichte auserzählt. Der WDR verpflichtete die Produzenten Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann jedoch glücklicherweise zu einem weiteren Kurzfilm mit Anke Engelke zwecks Ausstrahlung am vorletzten Tag des Jahres. Die 28-minütige Hochzeitskomödie „Eine halbe Stunde ist viel Zeit“ aus dem Jahre 2025, geschrieben und zusammen mit Helmut Köpping („Hotel Rock'n'Roll“) inszeniert von Michael Ostrowski, der auch die männliche Hauptrolle spielt, weist allerdings keinen Silvesterbezug mehr auf.

„Hat's grad gedonnert...?“

Hochzeitsplanerin Mareike (Anke Engelke) verfolgt einen strikten Zeitplan; innerhalb einer halben Stunde müssen der Champagner serviert, die Torte verzehrt und der Hochzeitstanz getanzt sein. Für die kurzfristig absagende Fotografin rekrutiert sie kurzerhand ihren Ex-Freund Miller (Michael Ostrowski, „Passau-Krimi“), vom ihr die falsche Torte aushändigen und die richtige wieder mitnehmen wollenden Boten lässt sie sich nicht ins Bockhorn jagen und Millers Avancen erteilt sie klare Absagen. Notfalls beruhigt sie ihre Nerven eben mit ein wenig Alkohol. Überhaupt nicht in den Zeitplan passt aber die ausschweifende Rede des Bräutigamvaters (Stefan Lampadius, „Stromberg“) – und dass Miller die Braut (Katharina Gieron, „Gut gegen Nordwind“) zusätzlich verunsichert, droht das Chaos perfekt zu machen…

„Hochzeiten sind die Rache Gottes an den Menschen!“

Die greise Tante verliert als Running Gag ständig ihre Medikamente und ist alsbald scheintot, die Champagner-Pyramide wird Opfer eines Slapsticks und das patriarchale Gequatsche des Vaters nach dem Ententanz sprengt nicht nur den Zeitplan, sondern gibt auch der Braut zu denken, die Miller in ihren Zweifeln bestärkt. Kein Wunder, dass Mareike da zur Flasche greift – immerhin ist sie dadurch aufgelockert, als sie auch noch singen muss, nachdem sowohl Braut als auch Keyboarderin stiften gegangen sind. Dass es in dieser chaotischen Lorioteske dennoch irgendwie zu einem Happy End kommt, war innerhalb dieser herrlich kurzweiligen knappen halben Stunde nicht unbedingt zu erwarten, macht sie aber sowohl für Hochzeitshasser als auch für Hochzeitsfreunde empfehlenswert.

Neben dem Schließen des Ehebunds mit allem Familienkitsch werden selbstgemachter Zeitdruck und durchoptimierte Abläufe, bei denen nur nichts schiefgehen darf, kräftig aufs Korn genommen. Dass diese jeglicher Romantik diametral entgegenlaufen, macht es so absurd. Dass sie einem auch außerhalb von Hochzeiten ständig begegnen, macht es in der Realität nicht besser.

Da „Eine halbe Stunde ist viel Zeit“ vom WDR als „Staffel 1“ bezeichnet wird, scheint zukünftig noch mehr zu kommen. Schön wär’s!

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