Review

Mel Gibson und Samuel Goldwyn Films als die ersten Schlagworte und Anreize, dazu der (scheinbare Action)Thriller preiswerten Milieus als Umgebung, das B-Picture für den Heimvideomarkt die Herkunft und der Vollzug, hier mit Survivalanleihen und allgemeiner Bestrebung. Gibson, der zuletzt immer wieder mal und öfters für Beiträge der Gattung gesorgt hat, mal offensiver und mal in der Nebenrolle wie als Ersatz für Bruce Willis und dessen krankheitsbedingten Ausscheidens aus dem Filmgeschäft, mag hier und anderswo für den Zuschauer genug Grund zum Auswählen und Einschalten sein, ein ehemaliger Hollywoodstar, noch namhaft und präsent genug, noch hervorscheinend in der Darbietung und der Darstellungsweise, des Ausdrucks im Spiele und dem folgerichtigen Vollzug. Dazu in der Produktionsweise natürlich mit BondIt Media als Finanzgeber gesegnet, mit ersten kräftigen Bildern, mit der Vorstellung der Sichtweise und holpernden, nicht stolpernden Geschehens:

Oklahoma. Der in der Wildnis recht zurückgezogen lebende Bowdrie Webb [ Mel Gibson ] und seine Tochter Tag [ Sofia Hublitz ] finden eines Tages die durch eine Kugel verletzte January [ Shelley Hennig ] im nahegelegenen Fluss. Sie retten die junge Frau und verarzten sie notfallmäßig, unwissend, dass der psychopathische Gangster Alejandro [ Jordi Mollà ] und seine Bruderschaft bald hinter ihnen her sein wird und sie trotz des Eingreifens von Sheriff Brake [ James DuMont ] und seinem Deputy Davenport [ A. J. Buckley ] alle mit dem Tode bedroht; wobei er es zuvor auf den Cop Jensen [ Rocky Myers ] und dessen Freundin Elizabeth [ Scarlet Rose Stallone ] abgesehen hat.

Ein "surprise me" in der Handlungsführung, eine Überraschung im Plot eher nicht erzwungen und gezwungen, eine Suche und ein Finden und ein Rätsel und eine Lösung, ein Geschehen erst abseits des späteren Handlungsortes, "what do you want?" in der Narrative, eine Übersicht erzählerischer Gewohnheiten, zeitnah die Bedrohung und ebenso zeitnah die Antwort darauf. Unbekannte Faktoren werden aufgeworfen, "i don*t know anything" als mysteriöses Element, Unsicherheiten in der Herangehensweise und der Konstruktion, ein Zielen auf Tension und Spannung und Konfrontation, mit mancherlei Unterbrechungen und düsteren Ton. Das Porträt einer Gefahrenlage, eine schnelle Bedrohung, das Überlegen ob Einschreiten oder lieber nicht, noch vor dem Vorspann das preiswerte Gruselkino plus einer gewalttätigen Auseinandersetzung und einer bestehenden Aggression, ein erstes rasches Opfer gemacht, die Jagdsaison ausgerufen. Prompt und folgend wird natürlich Gibson selber eingefangen, der Retter und Erlöser der brenzligen bis misslichen Lage in Personalunion, noch anderweitig tätig, beim Einüben von Jagdritualen, bei Zeigen einer noch und dort bestehenden Idylle, dem Rückzug im helllichten Wald, eine Danksagung und ein Gebet, ein gemütliches Waldhaus mit allem, was man braucht und nötig hat für ein anhaltend friedliches, bald gestörtes Leben. Der Cowboy-und-Westernfilm älterer Generation im Fernsehen (und auf Video und DVD) als Abendunterhaltung gehört dazu, aufgeschreckt nur durch die Schüsse aus der Mattscheibe, das Eingreifen des Sheriffs gegen die Bösen, hier auch die Beständigkeit des Positiven in der Entwicklung der Dramaturgie, die ihre religiösen Zeichen morgens und abends setzt und den Geburtstagskuchen oben drauf; das liebliche Kleinstadtwesen in der Nähe als Kader des Ganzen, der Höhenflug der Gefühle und bald die Negation dessen. Gebete zu Gott gehören dabei ebenso dazu wie eine lockere Waffenmoral, wie die Einkäufe im Mittleren Amerika und das Preisen eines einfachen, in seiner Simplizität überragenden Lebens, ein Feilschen um Preise im Pawn House die ersten Höhepunkte des Tages; was sich noch ändern soll und noch ändern wird.

Freiwilligkeit und Zwänge dabei als die Gegenspieler des Ganzen, Angriffe und Verteidigung, Gut und Böse als die weiteren Materialien der Story, Besorgnis und Befürchtung und Bekräftigung, der Hahn der Waffe ist bald gespannt. Das Gewehr schussbereit und im Anschlag, das Finden und Aufspüren einer Extremsituation, eine unfreiwillige Operation, eine Notfalllage im Extremen, die Unterstützung von Hilflosen als die Prämisse, Geeile in den Bildern und Geschreie auf der Tonspur, der Rettungskoffer wird geholt, die erste extensive Einheit, der Vorgeschmack auf Kommendes, die nächste Steigerung. Gibson dabei groß auf dem Poster und auch im Film durchaus im Vordergrund, unterstützt durch die 'Tochter' im Geschehen und weiteren soliden Darstellern, eine Bekräftigung und eine Stärkung, die Medizin für das Genre allgemein und das hiesige Werk speziell, die Anforderung von Unterstützung und das Sich Verlassen Können auf Erfahrung und breiten Schultern, auf die Waffengesetze und das Recht des Notstands, auf Vorsichtsmaßnahmen in Gedanken und in der Umsetzung. Schmerzen werden eingesteckt und ausgetragen und verteilt, Plotstränge in den Mittelpunkt geworfen und erst durcheinander gewürfelt und zu einem roten Faden verknüpft, ein Rollenspiel auch durchaus denkbar für Willis in dessen letzten Arbeiten gewesen, hier mit dem Nachfolger in spe und anders als Cage doch weniger Gefragten und anders als Travolta doch mehr Aktiven im Bilde, dem Haudegen alten Schrots und Kornes eben. Die Anwesenheit vom Australier hilft dabei nur und schadet nicht, sie birgt genug Aufmerksamkeit in sich und Fundament für die weiteren Belange, eine Sicherheit für die Finanziers des Produktes und deren Konsumenten, den schlichten, aber geradlinigen Thrill und dem provinzialen Gewissen. Geld wird erst ausgegeben und dann wieder eingefahren, Fragen gestellt sowie frisch und fromm und frei die Probleme geschildert und die Sachlage eingeholt. Regisseur Collins dabei eher unbefleckt in der Arbeit, mehr als Produzent hinter den Kulissen als eigenverantwortlich für die Umsetzung tätig und zuständig, hier in der Konzentration auf das Wesentliche und das Ausbreiten all der Begebenheiten und der Zustände; wobei er zuvor mit dem horrenden, auf seine Weise faszinierend schlechten Crescent City (2024) Erfahrung in derlei Zeichnung gemacht hat und dem großteils unbekannten American Sicario (2021), nun aber dazulernt und auf Primäres wie dem eher (erstaunlich) lang(sam)en Aufbau vertraut, sehr zum Wohlwollen des geneigten Zuschauers, des darbenden Publikums und deren eingeschränkten Auswahlmöglichkeiten, höher geht es immer, niedriger nicht mehr.

So ist der (ähnlich zu Desperation Road, 2023) recht slow-burning Vorlauf hier relativ interessant gehalten trotz zeitweiliger Ablenkung vom eigentlichen Möglichen, wird sich in der Dramaturgie herumgetrieben und auf dem ersten Gezeigten ausgeruht und ausgeholt, dem Fuchteln mit dem Springmesser in einer nächtlichen Bar und dem Niederschlagen eines jungen Opponenten, im Mysteriösen gewühlt und in der Nachfrage nach der Ursächlichkeit des Ganzen, inklusive gewalttätiger Rückblende in den Bildern, in der Visualität und im Akustischen, die Bewegungen kreisend und kreiselnd, erste Verletzte und Tote hinterlassen, ein Mörderischer Vorsprung mit nieder gehaltenen Radius, ein sich Drehen im Kreise, mit mehrerlei Auswirkungen.

Ein wenig Ermittlungsarbeit gehört auch dazu, Gibson als Jäger und als Retter und als Fährtenleser, als Nachforschender und zur Hilfe Eilender, als allseits bereit und verlässliche Bastion. Leichen werden im Fluss versenkt und dort hinterlassen, Ausreden gesucht und gefunden, selbst der eigenen Tochter gegenüber, dazu viele Fahrten in die Stadt, für Besorgungen und die Notfallration. Selbst die Angehörige wird stutzig und nervös, das Verhalten ist anders, ist ungewöhnlich, Besorgnis wird ausgelöst und darauf reagiert und Aktionen verteilt, "Nature of the Beast" proklamiert und prophezeit; Vorboten des bevorstehendes Unglücks in die Waagschale geworfen und dessen Beruhigung und Befriedung, notfalls mit entsprechender Antwort, des Reagierens mit Gewalt. Hinten die Amerikanische Flagge, vorne die Nachwehen und die Wellen der Synopsis, die Rückführung auf Vertrautes als die eigentliche Stärkung, weniger die angekündigte, aber nicht vollzogene Überraschung. So braucht man auch durchaus sein erstes Drittel für die Zeichnung des ländlichen Umfeldes, eher viel statt wenig, nicht unbedingt in der Abschweifung des entsprechenden Geschehens, aber in der benötigten oder nicht benötigten Ausdehnung. Gefahren werden ab Minute 35 (und später, nach der "cut the shit" - Halbzeit) geschnuppert, Suspensemomente kleineren Ausmaßes, das Hantieren mit der Axt, mit dem Rasenmäher, der Pistole, dem Messer, dem automatischen Maschinengewehr, wieder das Gebet dazwischen, zwischen gottesfürchtig und reaktionär in der Präsentation, zwischen hell und dunkel und hin und her, viel geraucht auch und in die Nacht gelauscht und den Grillen und Tönen und Wirken des Waldes zugehört, erst lang und breit das provinzielle Drama, dann deren Ausbuchtungen. Ein harter Winter steht bereit, die Kälte außen, innendrin der wärmende Kamin, das brutzelnde Feuer; ähnlich auch die Ausgestaltung des Inhalts, das (ausgiebige) Aufzeigen und Schildern der Umstände und dann die Auswirkungen im Crime des Extremen, ein Urgestein gegen den Feind, "bad dudes", muskelbepackt und gestählt mit Schergen, "see you soon" als Versprechen, ein kleinwüchsiges, mit Blicken und Gesten arbeitendes Under Siege - Geschehen, der Country-Boy gegen die drogenumnebelten Arier, eine Charakterstudie mit dringend notwendiger "be ready" - Gottesfürchtigkeit auf der einen Seite und auf der anderen späten blutigen Auswüchsen und violenten Präsentieren.






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