Wird Sam Raimi mit seinem späten Schaffen bereits ein wenig altersmilde und zettelt eine harmlose Gesellschaftssatire an? Was als Büro-Comedy startet und sich zu einer Robinsonade entwickelt, kristallisiert sich als schräger Psycho-Thriller heraus, der irgendwo zwischen „Cast Away“ und „Misery“ strandet.
Die nerdige, aber pfiffige Büroangestellte Linda (Rachel McAdams) befindet sich mit einigen Kollegen und ihrem arroganten Chef Bradley (Dylan O'Brien) in einem Privatjet, als dieser ins Meer stürzt. Nur die beiden überleben und nun macht sich Lindas Interesse für Überlebensstoff bezahlt. Während Bradley mit einer Beinwunde hadert, kümmert sie sich um die notwendigen Aufgaben, um die Zeit möglichst angenehm zu verbringen. Fast könnte man annehmen, Linda wolle gar nicht von der Insel gerettet werden…
Die erste Viertelstunde konzentriert sich ausschließlich auf das Arbeitsleben in einem Büroalltag, der von Ungerechtigkeiten, Mauscheleien und überzeichneten Figuren geprägt ist. Die Kategorien sind klar besetzt und dienen als Grundlage für die Situation auf der Insel, auf der sich die Machtverhältnisse sogleich umkehren, da Bradley ohne Linda wahrscheinlich kaum einen Tag überleben würde und dennoch haftet ihm anfangs die Rolle des herablassenden Chefs an. Das weiß Linda allerdings stets geschickt zu kontern.
Letztlich geht es um gegenseitige Abhängigkeit, während die Survival-Elemente mit Unterkunft, Jagd und sonstiger Versorgung durchaus Laune bereiten. Die Insel wirkt absolut malerisch und man könnte sich durchaus vorstellen, hier einige Wochen zu verbringen, mal abgesehen vom Auftauchen einiger Wildschweine. Zwischenzeitlich schimmert immer mal wieder schwarzer Humor durch, welcher sich im Verlauf zu steigern weiß, zumal es im letzten Drittel in Ansätzen ein wenig ruppiger zugeht.
Getragen wird die Chose hauptsächlich vom hervorragenden Zusammenspiel der beiden Darsteller, wobei McAdams mit wesentlich mehr Facetten hantieren muss, als ihr eher zurückhaltend performender Partner. Auch die Handschrift von Komponist Danny Elfman schimmert ab und an durch, sobald der Score verzaubernde Momente herauskitzelt, wobei markante Themen leider ausbleiben.
Neben einigen wenigen schwachen CGI, fällt Raimis Inszenierung souverän und routiniert aus, während seine Geschichte von seiner latenten Unberechenbarkeit lebt, die hier und da kleine Finten, aber auch treffsichere Twists beinhaltet. Zwar gestalten sich die 113 Minuten nicht ohne Längen, doch insgesamt sorgt die Mischung aus Thriller, Abenteuer und makaberen Humor für eine unterhaltsame Dynamik.
7 von 10