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Na, wer wars diesmal?

Anlässlich der ehemaligen Indizierung, warum auch immer überhaupt und dem taktischen Werbetrommeln vermeintlicher, verkaufsstrategischer Filmlabels "Nach 25 Jahren endlich vom Index" macht sich dieser recht unbekannte Frühgiallo aus Italien recht interessant, vorallem ist sein deutscher Titel so reisserisch, das dieser hätte die damalige Indizierung im Jahre 1982 hätte rechtfertigen können. Indizierung hin oder her, in Die Nacht der rollenden Köpfe, rollt natürlich kein einziger Kopf, gewiss wurde der Teil eh bloss indiziert, weil der Titel die Erwartung auf dies in einem Treiben lässt. Aber allein dieser reisserische, aber Interesse weckende Titel, ist wie bei vielen Titeln irreführende Vermarktungszwecke der Leihhäuser. Gesehen wurde der Film von der Zensurbehörde sicher nicht, denn im folgenden Italoreisser gibt es nichts, was dies rechtfertigen würde. Sei's drum.

6 recht schick inszenierte Morde...unzählige blanke Brüste!

Das klingt doch schonmal nach einem soliden Giallobeitrag mit den typischen Zutaten, oder? Und ja, am Ende soll es auch so sein, denn Die Nacht der...ja, ihr wisst, tut sich wirklich sehr sehr solide und typisch auf, beginnt er sein Treiben vollkommen typisch in einer Szenerie, in der der erste Mord und Anhaltspunkt passiert. Anhaltspunkt eher weniger, denn Motive erfahren wir bisweilen arg arg lange nicht.

Eine junge Frau auf ihren Mann wartend, beobachtet zufällig durch ein Münzfernrohr einen Mord in einer italenischen Gasse durch ein Fenster. Zu erkennen ist bloss ein Täter mit schwarzem Hut, Krückstock und schwarzem Kittel. Kurz nach dem Mord kommt ihr verspäteter Mann an, der ihr hysterisch rät, den Mord nicht zu melden, doch nach einem weiteren Mord an einem vermeintlichen Plauderer, der Kastanienverkäufer um die Ecke, zieht sich die junge Frau in die Ermittlungen mit rein, wo sie alsbald als Köder herhalten muss. Ihr Mann wird indessen schon verdächtigt, denn seine Humpelei, sein verspätetes Antreffen direkt nach dem Mord am Treffpunkt, das gemeinsame Foto mit einer der Opfer und sein seltsames Hobby menschengrosse Stoffpuppen zu fotografieren und als Tot darzustellen, und ab und an zu messern, sind den Polizisten etwas zusprechend für den vermeintlichen Humpeltäter, der immer mit Rasierklinge seine Opfer die Hälse aufschlitzt.

Aber das wäre ja alles zu leicht für einen Giallo, der gerade mit solchen Stilmitteln den Zuschauer in die Irre führen will, insgesamt bekommt der Ehemann auch zu viel Screentime um letztendlich als Mörder logisch erscheinen zu können, vorallem weil er keinerlei Motiv haben könnte. Aber gerade dann wenn der Zuschauer denken soll er könnte es sein, denkt man schlussfolgernd das ers nicht ist, gerade dann ist ers am Ende doch, oder? Verstanden...egal, ist natürlich nicht so und damit nehme ich auch keine Spannung, denn die ist beiweitem selten gesät, leider, denn das träge Filmtempo gibt sich selten die Hand mit den ansonsten hübsch inszenierten, technisch gut ausbeleuchteten Mordkulissen. Da spritzt beiweitem schon recht ordentlich der Lebenssaft, aber ohne dabei zu schmoddrig oder selbstzweckhaft zu wirken. Damit hat er seine heutige FSK 16 zu Recht verdient, die Hoffnungen für den Splatterfan, der aufgrund der Aufplusterei "25 Jahre / Index" schlichtweg DEN BLUTGEILEN GIALLO erwartete, versinken in Ödnis. Öde ist Rollende Köpfe zwar nie so wirklich, aber in vielen Teilen leider auch nicht der erwünschte Bringer, denn der Plot ist bisweilen einfach zu typisch und routiniert, obwohl sein Ende und die Auflösung wieder richtig sitzt und das Endergebnis wieder um einen Punkt nach oben treibt.

Der wars? Wer ist xxx? Rückblendungen, Zusammenhänge bilden sich, logische Schlüsse zwischenmenschlicher Motive und psychologische Zusammenhänge. AHA - Effekt, Zusammenhänge, die man aber als Zuschauer, der von diesen Faktoren nichts weiss, beiweitem nicht erahnen, vorallem wird dem Täter schlichtweg einfach zu wenig Screentime geschenkt, um ihn als Täter in Betracht ziehen zu können. Obwohl, die Erklärungen geben eins zusammen mit den Szenen mit ihm, von daher doch ein ideenreicher Plot? Vielleicht, ja, aber trotzdem bleibts recht solide.

Recht überzeugend ist jedoch das Ende, das aufgrund seiner Ausleuchtung bisweilen derart düster und atmosphärisch wirkt, dass zumal auch ein paar Schocks vorhanden sein dürfen. Hierbei zu erwähnen: Alte Ballettschule bei Nacht und ausgeschaltetem Strom / Taschenlampen / knarchzende Böden. Die Kamera präsentiert sich dabei wackelig und wild, im Hintergrund pocht ein düsterer Synthiescore. Herrlich, aber ein Blair Witch Project ists bisweilen lang noch nicht, auch wenn da durch und durch ein paar ästhetisch kameratechnisch experimentell schön anzusehende Bilder durchhuschen.

Fazit:
Solider Frühgiallo, der aufgrund seines reisserischen Titels und seiner Werbetrommel der ehemaligen Indizierung nicht ganz das bringen kann, was man eben erwartet. Typischer Plot, typische Merkmale, ein paar atmosphärische Lichtblicke, bisweilen aber zu träge und belanglos, um als Höhepunkt der Giallowelle gelten zu können. Zumindest geht die Mischung Blut & Titten hier wieder wunderbar auf.

64%

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