Review

Da sind sie wieder, die schwarzen Handschuhe, die in nahezu keinem Giallo fehlen dürfen.
Auch wenn der deutsche Titel mit seinen rollenden Köpfen maßlos übertreibt und weder ein Schädel rollt, noch die Morde in nur einer Nacht geschehen, so reiht sich dieser italienische Krimi nahtlos in die Reihe jener ein, die mit den Hauptmerkmalen des Subgenres punkten.
Leider wird ihm durch eine Reihe unnötiger Szenen immer wieder der Wind aus den Segeln genommen.

Als Katja einen Mord durch ein Münzfernglas beobachtet, will ihr zunächst weder ihr Verlobter Alberto noch die Polizei glauben, doch als weitere Morde geschehen und Alberto auf eigene Faust zu ermitteln beginnt, bringt er sich und Katja in höchste Gefahr…

Zunächst wähnt man sich eher in einem Trash-Beitrag, als zwei Kerle um das Fernglas streiten und ein um Hilfe angesprochener Polizist kurz nach dem beobachteten Mord abwinkt und auf seine Frau verweist: „Die hat keinen Sinn für so etwas…“.
Danach jedoch wird der Grundton ernst und düster, als es nach und nach zu weiteren Morden kommt.

Denn besonders innerhalb dieser Szenen punktet der Streifen auf nahezu allen Ebenen, bringt die Kameraperspektive mal aus Sicht des Killers, dann wieder aus der des Opfers und spielt anbei gekonnt mit Licht und Schatten.
Besonders beim ersten Mord, als ein eher Unbeteiligter mehrfach aus der Ruhe in der eigenen Wohnung gerissen wird, bringt die Sicht des Opfers auf der Suche nach dem Klopfenden an seiner Tür enorme Spannungsmomente.
Das gilt für annähernd sämtliche Mordszenen, bei der Kamera, Musik und Sound sehr effektiv abgestimmt sind.

Nur beschränkt man sich natürlich nicht auf eine Aneinanderreihung diverser Kills, sondern bettet diese in eine Rahmenhandlung ein, die leider überhaupt nicht in die Gänge kommen will.
Das liegt hauptsächlich an vielen lang gezogenen Szenen, die der Handlung in keiner Weise dienlich sind und zudem lediglich der Nacktheit einiger Darstellerinnen dienen.
So tanzt eine Ballerina minutenlang zu einem Klaviersolo, bis sie am Ende fast alles ausgezogen hat, eine Frau diskutiert nackt mit ihrem Typen und zahlreiche Softsexszenen scheinen komplett wahllos eingestreut, da es nach einer gewissen Zeitspanne grundlegend erforderlich scheint, Nacktheit einzubetten.
Da es den Darstellern zudem an Glaubhaftigkeit mangelt, bilden verschiedene dialoglastige Abschnitte starke Durchhänger, die das solide Fundament arg wackeln lassen.

Letztlich bleibt noch das Ratespiel um die Identität des Killers und zumindest in diesem Punkt kann man bis zum letzten Drittel miträtseln, da einige falsche Fährten geschickt ausgelegt werden. Besonders zum Showdown erreicht die gute Kameraarbeit ihren Höhepunkt, als es im Gewächshaus einer angrenzenden Tanzschule zum Versteckspiel kommt und noch immer nicht offensichtlich ist, wer die Person unter dem schwarzen Hut und dem Mantel ist.
Die letzten Minuten offenbaren deutlich, was der Streifen vor allem im Mittelteil über weite Strecken verpasst.

Denn auf audio-visueller Ebene kann man ihm nichts ankreiden, zwar fließt bis auf ein paar Kehlenschnitte kaum Blut, doch in Sachen Spannung und Atmosphäre trumpft er besonders während der Mordszenen richtig auf.
Demgegenüber gehen Ermittlungsarbeiten nur sehr schleppend voran, unzählige Nacktszenen unterstreichen allenfalls die grundsolide Kamera und ein spürbarer Sympathieträger ist bei den vagen Figurenzeichnungen ebenfalls kaum auszumachen.
Wenn es zwischenzeitlich nicht furchtbar langweilig würde, könnte man also schon fast von einem brauchbaren Gesamtwerk sprechen: Vielleicht ein typischer Giallo, - dann aber auch mit all seinen Nachteilen…
5,5 von 10

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