Eigentlich immer gut im filmischen Geschäft und dies seit spätestens 1987 und der Iron Angels Trilogie (1987/88/89) unterwegs gewesen, wenn auch im klassischen, d.h. auch zuweilen niederen, klein skalierten Actionkino , hat sich Alex Fong ab 1992 mit einer Beschäftigung bei TVB (=Television Broadcasts Limited) ein zweites Standbein für etwa eine Dekade, vielleicht ein Dutzend Jahre zugelegt, wo er aufgrund Status und Bekanntheitsgrad auch gleich die Hauptrollen erhielt, darunter in verschiebenden Telemovies als Lead gesetzt wurde. Herausgekommen sind neben einigen mittlerweile klassischen, seinem Profil entsprechenden Serien wie Crime Fighters, Corruption Doesn't Pay oder Split Second bzw. Law Dis-Order entsprechend auch einige Neunzigminüter, die ihn in etwas anderes Licht setzten, darunter Passion Across Two Lifetimes (1992), Til Death, Do Us Part (1991), The Last Dance (1991) und der vorliegende A Story of Two Drifters (1995); kurz darauf ist auch die Kinokarriere in diesmal höher budgetierten Prestigewerken wie Johnnie Tos Lifeline - Die Todesmutigen (1997) und Co. durchgestartet, wo der gut alternde Darsteller heute noch zu finden ist:
Li Hung [ Kenix Kwok ] ist eine junge Frau, die gerade in Hongkong als "Dai Lok Mui" ankommt, und um ihren Reisepass zu bekommen, nutzt sie Prostitution als ihr Ticket zum Verweilen. Ho Kwong-Leung [ Alex Fong ], der als Spion die Verbindung zwischen dem Schwarzmarkt, vertreten durch Cheung Yee [ Milk Hoh ] und dem Justizsystem, vertreten durch Inspector Chow [ Lee Shing-Cheong ] bereithält, hilft der jungen Frau, was ihn in Gewissenskonflikte mit beiden Seiten der Parteien bringt.
Starten tut man hier mit einem weiblichen Monolog und der Fahrt durch einen Tunnel hinaus in die Stadt, gut betucht, gut besucht, ein melancholischer englischer Track, eine Ballade, von unvollendeter Liebe, von Sehnsucht und von Hoffnung, von Traurigkeit und Enttäuschung, viele Wegen, viele Umwege, viele Abkürzungen, der Monolog schiebt sich manchmal über den Poptrack, manchmal wird dieser lauter, einen Reisebus ist das Gefährt, eine Stadtbesichtigung, eine Eröffnung nach Maß, besser kann es nicht mehr werden eigentlich, alle Trümpfe schon in den Credits ausgespielt, im Reisebus wird's lauter. Eine Vierergruppe, zwei jüngere und zwei ältere diskutieren ein bisschen, sie reden über die Zeitschriften und das städtische Geschehen, über die Attraktionen der Sonderverwaltungszone, jemand wirft Geld von der Überführung herunter. Heiß begehrt sind die Scheine natürlich, die Frau ist zu zaghaft erst, dann nicht mehr, dann greift sie auch zu, die Polizei rückt an, den Menschentrubel aufzulösen, eine Verhaftung gegen Protest der Menge findet statt.
Die Neuankommende wird auch befragt auf der Polizeiwache, eine Ordnungsbeamtin hat sie mitgenommen, der Pass wird studiert, Urlaub oder Geschäft, wie lange will man bleiben, wo kommt man her, wo gehört man hin. Eine Ansprache des Polizisten gibt es, mit den Dokumenten wird eher unflätig umgegangen, sie auf den Tisch geworfen, ein höherer Beamter schaltet sich ein, eine Durchsuchung findet statt, zur Belustigung der anderen Beamten, die Frau trifft keine Schuld, sie hat nur mitgemacht. Ohne Vorwand kann man sie auch nicht behalten, sie wird wieder auf freien Fuße gesetzt, woanders vorgestellt, bei einem größerem Anwesen, die Frau erzählt die Geschichte, die eine Drifterin, sie wird als Eskortdame behandelt, für ältere Herren, die ihr die nächtliche Stadt und das Leben hinter den Neonlichtern zeigen, außerdem in den Schaufenster die Pracht, die teuren Klamotten, den Kapitalismus; den Profitbestreben, eine Gegenleistung wird erwartet, ein Geschäftsausgleich, im Professionalismus, das Hemd wird geöffnet im Hotel, die Hose abgestreift, mit Geld kauft sich alles ist die Devise hier, die Frau eher naiv bis unschuldig in ihrem Verhalten, in ihren Blicken, nicht in ihrem Verhalten, sie stibitzt den 'Geschäftsmann', eine kleine Diebin. Das Wachpersonal vom Hotel wird informiert, eine Jagd hinterher, eine Flucht davon, mehr Glück als Verstand, fast erwischt, gerade so entkommen, durch das Parkhaus eine rasende Fahrt.
Fong öffnet die Klappe des Autos, es war sein Wagen, worin sich die Frau versteckt hat, er bleibt ruhig, sie ist aufgeregt, eilend hin und her, er zeigt ihr den Weg. Es könnte bei diesem einen kurzen Treffen blieben, tut es aber nicht, die Geschichte dreht sich um die beiden, miteinander verschworen, das weiß man hier noch nicht. Der Frau ist der Umgang in der Stadt fern, sie kann kein englisch, sie kennt niemanden, sie fühlt sich unsicher, sie erkundet sich langsam, der Film bleibt an ihr zuerst und meist dann auch dran, es wird eine Erkundungstour gemacht, HK mit frischem Blick gesehen, mit Unverstand und Neugier, aus kindlichen Augen fast, all3es glitzernd und glänzend, dann trifft sie wieder auf den Mann. Fong hat hier etwas längere Haare, aber eine richtige Frisur, sie steht ihm, er präsentiert sich als Hauptdarsteller, er ist nicht zu übersehen, er ist zu beachten, ein gefragter Darsteller, deutlich zu betrachten. Im schlechten Umfeld, im Triadenkreise gehört er hier an, der Boss unzufrieden, er stellt Forderungen und Herausforderungen, es wird nicht wirklich drauf begeistert reagiert, mehr unwillig agiert, Geld zugesteckt, ein vertrauliches Gespräch, der Rest der Gruppe hält sich heraus, es geht nur zwei Mann etwas an, im engeren Kreise. Ein Raubüberfall auf einen Juwelier findet statt, es wird scharf geschossen, die Scheiben eingeschlagen und maskiert über die Straße gelaufen, der Alarm schellt, ein Motorradpolizist nimmt die Verfolgung auf, es geht über aufgerissene Straßen und die Fußgängerstraßen hinab, eine stuntintensive, von Yuen Bun grob inszenierte, auch Menschen gefährdende Jagd. Nach und nach werden die beamteten Kollegen informiert, ein schnelles Eintreffen am Tatort und am Fluchtort, ein Parkhaus unter Belagerung, die Beute längst in Sicherheit, Fong kennt den Polizisten in Einsatzbereitschaft, die Waffen gezückt und auf die potenzielle Gefahr gerichtet, das Risiko der Entdeckung groß, nur allein dem Glück zu verdanken, dass man nicht erwischt wurde, die Chancen standen nicht gerade gut, es hätte anders ausgehen können, bis zum Actionfinale Glück im Übermut.
HK als Dorf hier, indem man sich immer wieder trifft, manche Frauen eifersüchtig, manche Polizisten vorsichtig, darstellerisch gut aufgestellt, auch in weiteren Rollen, die Regie sorgfältig, die Dinge ihren Lauf lassend und sie trotzdem bestimmend, die kleinen Gesten wichtig, und die großen Aktionen, A Story of Two Drifters, eine persönliche Handlung, die Inszenierung entsprechend, eine persönliche Haltung, selbst die Inserts sind intim formuliert. Bald herrscht ein Mitgefangen, Mitgehangen, zwei Diebe vereinigen sich hier, die Beute wird verringert, mit eigenen Händen in die Tasche gegriffen, der Anteil sich selbst entnommen, fast erwischt dabei, in kleinen Wohnungen und engen Spelunken gelebt, Geschäfte auf eigene Art betrieben, jeder steht sich selbst am nächsten, eine heftige Aggression hier; Fong hat oft dasselbe an, immerhin stets in Bewegung. Mittendrin eine Trennung, einer wird vom anderen verlassen, dafür wieder mehr Triadengeschehen, eine Feierlichkeit in der Hak Sek Wui, vorne sind die besten Plätze, zum ersten Mal ertönt auch seine Stimme als Voiceover, sonst der Dame vorbehalten, hier Erinnerungen gemacht und kommentiert, sich nun fremd und verloren fühlend, nicht mehr zugehörig zur Kriminellentruppe, aber umso mehr mittendrin, zumal ein neuer explosiver Raub und eine Schießerei auf dem Airport ansteht.