Es wird sehr feucht, aber nicht fröhlich mit dem Werk des koreanischen Regisseurs Byung-woo Kim. Was als klassisches Katastrophenszenario beginnt, setzt sich ab dem Mittelteil genreübergreifend fort und lässt den Spannungsbogen leider deutlich abflachen.
An diesem Morgen begreift die gestresste Mutter An Na zu spät, dass ihr sechsjähriger Sohn Ja In bereits vor ihr erfasst hat, dass Teile ihrer Wohnung im Mehrfamilienkomplex unter Wasser stehen. Während Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet werden und Menschen auf höhere Etagen zu fliehen versuchen, scheint An Na einer etwas anderen Mission nachzugehen…
Wie sich im Alltäglichen unaufhörlich die Schlinge zuzieht: Der Tag der Protagonistin steigt mit einem leicht mürrischen Wachwerden ein, doch bevor sich die Routine richtig einstellen kann, - Vorbereitungen für den Kindergarten, ein Anruf mit der Mutter, ist An Na gezwungen, sich einer komplett unerwarteten Situation zu stellen. Der Dauerregen hat sich zu Hochwasser entwickelt, es gibt kleine und größere Tsunamis und aus zunächst unerklärlichen Gründen kümmert sich Hee-jo, ein Sicherheitsbeauftragter explizit um das Wohlergehen jener Bewohnerin und das ihres Sohnes, um sie unbeschadet auf das Dach des Hauses zu geleiten.
Auf visueller Ebene kann sich das Szenario durchaus sehen lassen, diverse Wassereffekte verfehlen nicht ihre wuchtige Wirkung und die Dringlichkeit der Situation ist in nahezu jedem Moment spürbar, zumal das Wohlergehen des Kindes nicht grundlegend gewährleistet ist, - sie bewegen sich schon mal ungefragt von A nach B und geraten somit kurzfristig aus dem Blickfeld. Hinzu gesellen sich Schicksale einiger Nachbarn und Mitbewohner, Situationen, in denen man eventuell helfen kann, aber auch jene, in denen jede Hilfe zu spät kommt.
So etwa ab der Mitte des Unterfangens ändern sich allerdings die Begleitumstände. Das Szenario des Hochwassers bleibt zwar weitgehend erhalten, doch die Rahmenbedingungen werden neu definiert. Gewisse Situationen werden darauf folgend nochmals, zuweilen aus leicht veränderten Perspektiven erlebt und man wundert sich, warum das T-Shirt der vermeintlichen Heldin auffallend häufig variiert. Auch dies erklärt sich, doch nicht alle offenen Fragen werden hinreichend beantwortet und es entstehen im ergänzten Kontext auch einige logische Defizite.
Während insgesamt solide performt wird, der Score zuweilen eine meditative und letztlich doch passende Richtung einschlägt und die Effekte auch innerhalb der zweiten Hälfte überzeugen, markiert jene ein erzählerisches Manko, welches nicht mehr allzu sehr mitfiebern lässt. Es schwingt eine gewisse Willkür mit, die Spannung lässt nach und obgleich man inhaltliche Variable einbaut, flacht die Intensität doch spürbar ab.
Dennoch werden Fans von Katastrophenszenarios solide bedient, obgleich man sich im Nachhinein wünscht, das anfängliche Konzept wäre stringent und ohne Break und Schnörkel weiter bedient worden.
6,5 von 10