Höhenangst und Klaustrophobie sollte man eventuell nicht mitbringen, denn es geht in luftige Höhen auf recht engem Raum. Das Kammerspiel über den Wolken ist zwar kompetent gefilmt, doch über einige psychische als auch physikalische Aspekte sollte man großzügig hinwegsehen können.
In den Dolomiten wollen Geschäftsmann Zach und Erzieherin Emmy ein wenig ihre Ehe kitten. Während Zach einige Tage zuvor eine ominöse Begegnung mit der verführerischen Julia in einer Bar hatte, steht eben jene auf der Matte, als das Paar eine Fahrt mit einem Heißluftballon antritt…
Bis die Story ein wenig abhebt, fühlt sich das Drumherum in Bodennähe eher wie eine durchschnittliche Soap an. Die Settings wirken eher künstlich, die Dialoge bleiben hölzern und auch darstellerisch sind (trotz Olga Kurylenko als Julia) kaum Bemühungen auszumachen. Der überhebliche Jack ist sogleich als Unsympath markiert, Julia weist leicht psychopathische Züge auf und Emmy verweilt eine Zeit lang in einer Art Opferrolle, bevor zumindest sie in der Luft ein wenig Entschlossenheit demonstriert. Der Steuermann des Ballons verkommt da eher zum Statisten.
Natürlich ist der Titel zweideutig einzustufen, denn neben den zwischenmenschlichen Reibereien ist die Fahrt einigen Turbulenzen ausgesetzt, die mit Wetterkapriolen, unterschiedlichen Höhen und vermeintlich tödlichen Berührungspunkten einhergehen, - schließlich bewegt man sich durch und über Gebirgsketten.
Die Technik von Greenscreen hat sich zwar merklich verbessert, doch in einigen Momenten ist der Kontrast zwischen den Bergen im Hintergrund und dem Korb im Vordergrund sehr deutlich und ergibt keine glaubwürdige Einheit. Deutlich authentischer fallen Luftaufnahmen oberhalb des Ballons als auch Momente auf gleicher Höhe aus der Distanz aus.
Und dann gibt es ja noch die Konflikte im Dreiergespann. Eine gewisse Eskalation ist nur folgerichtig und auf engem Raum folgen die Konsequenzen unmittelbar. Wirklich zu trauen ist keinem der Anwesenden, was die Situation für einige Zeit angemessen angespannt gestaltet. Jedoch führen vermeintlich unüberlegte Entscheidungen zu einer reduzierten Situation, welche in der letzten halben Stunde ein wenig Spannung raubt. Zumal hier keine großen Enthüllungen mehr zu erwarten sind.
Immerhin folgt die Erzählung ab einem bestimmten Zeitpunkt einer angenehm straffen Form mit der Konzentration aufs Wesentliche. Die Action auf begrenztem Raum ist kompetent in Szene gesetzt und mitunter spürt man die widrigen Umstände, wenn etwa eine waghalsige Kletteraktion angesetzt werden muss, damit der Ballon nicht in lebensgefährliche Höhen treibt oder der Boden des Korbes recht früh eine gewisse Instabilität andeutet. Was an Gefahren möglich ist, wurde im Verlauf durchaus berücksichtigt und eingebunden, wenn auch nicht immer auf glaubhafter Ebene.
Ähnlich wie in „The Fall – Fear Reaches New Heights“ (2022) konzentriert sich das Überlebensabenteuer auf wenige Figuren in schwindelerregenden Höhen. Die simple Story punktet mit sauberer Kameraarbeit und effektiver Bildgestaltung, leidet jedoch unter vorhersehbaren Abläufen und geminderter Spannung im finalen Akt.
Der ansprechenden Prämisse folgt mehr als nur heiße Luft, doch nach oben raus wäre gleichermaßen etwas mehr drin gewesen.
6 von 10