Ende der 70er und Anfang der 80er waren Selbstjustizfilme total in und so verlagert „Die Klasse von 1984“ „Death Wish“ auf die Schulbank.
Wie es sich für den reißerischen B-Film gehört behauptet eine Texttafel zu Beginn direkt, das Gezeigte könne durchaus in der Wirklichkeit geschehen, obwohl es nur wenige High Schools wie die abgebildete gibt. Wer es glaubt, wird selig, denn trotz der Gewaltproblematik ist „Die Klasse von 1984“ ist ungefähr so sehr eine ernsthafte Sozialstudie wie „Missing in Action 2“ eine realistische Abbildung von Strafgefangenenlagern ist.
Hauptfigur ist der Lehrer Andrew 'Andy' Norris (Perry King), der neu an die Lincoln High School kommt. Hier sind die Kinder an sich lernwillig, aber einige Gangs verkaufen Drogen in der Schule und schüchtern die braven Kiddies ein. Das will Andy nicht hinnehmen und legt sich mit den Rowdys an…
Mark L. Lester Selbstjustizthriller ist Versatzstücken aus Horror- und Actionfilm angereichert und spart nicht an Klischees. Die fiesen Gangmitglieder sind aufgetakelte Mischungen aus Rocker und Gothic, nur in der Gruppe stark und allein meist feige. Sie kennen sich mit dem Gesetz aus, um stets ungeschoren davonzukommen, und sind zudem noch minderjährig. Und trotz des jungen Alters haben sie in nahezu allen kriminellen Tätigkeiten von Drogenhandel bis Prostitution ihre Finger drin – also Schwarz-Weiß-Malerei en masse.
Diese Einseitigkeit würde man dem Film ja auch sofort vergeben, wenn er wenigstens spannend genug wäre, doch da liegt der Hund begraben: Die Geschichte ist meist recht einseitig und wird erst gegen Ende spannend. Anfangs verläuft der Film recht gleichförmig und es schaukeln sich lediglich die gegenseitigen Provokationen und Gewalttaten immer weiter auf. Zuerst ist die Gang dabei erfolgreicher, doch fast genau zur Halbzeitmarke lernt Andy sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Doch sonderlich aufregend ist dieses Actio-Reactio-Prinzip nicht wirklich, wenn auch nicht unbedingt langweilig; erst wenn dann zum rund 20minütigen Showdown in Schulgebäude geblasen wird, dann wird es auf einmal richtig spannend, doch das kommt leider etwas zu spät.
Auch Action gibt es für Mark L. Lester Verhältnisse eher wenig und sie ist auch nicht so aufwendig wie bei anderen Filmen des Regisseurs. Geboten werden kleinere Scharmützel zwischen Lehrkörper und Gang, die zunehmend härter werden, und zwischendurch auch mal ein, zwei explodierende Autos. Doch die Action ist ordentlich in Szene gesetzt worden und die Prügeleien haben durchaus dreckig-realistischen Charme, auch wenn sie nicht wirklich spektakulär daherkommen.
Punkten kann „Die Klasse von 1984“ mit Atmosphäre: Lester setzt die dreckige Schule stimmig ins Bild und verdeutlich optisch, wie jeder Schultag für die Pauker zum Überlebenskampf wird. Im Hintergrund tönt dann noch ein famoser Hardrocksoundtrack, wobei vor allem der Titelsong „I am the Future“ von Alice Cooper ins Ohr geht.
Darstellerisch bekommt man hier solides B-Niveau geboten: Perry King gibt den engagierten Lehrer überzeugend, während die Fieslingsriege lediglich ganz ordentliche Klischeebösewichte abgibt. Als weiterer stressgeplagter Lehrer macht Roddy McDowall einen mittelmäßigen Job und in einer frühen Rolle kann Michael J. Fox als pummeligen Schüler mit Scheißfrisur zu sehen, doch auch er bringt keine Glanzleistung.
„Die Klasse von 1984“ ist ein harter, atmosphärisch dichter Selbstjustizthriller, aber aufgrund des Mangels an durchgehender Spannung und Action reicht es nur zu gehobenem Durchschnitt.