Mark L. Lesters Genrebegründer „Die Klasse von 1984“ ist meiner Vermutung nach mehr oder weniger unfreiwillig die Ehre zuteil geworden, Wegbereiter für unzählige Filme mit der Thematik „Gewalt an Schulen“ zu sein, da es sich bei diesem harten Reißer wohl mehr noch um eine spezielle Umsetzung des viel geschundenen „Rape and Revenge“ Motivs handelt. Der Film an sich ist im Übrigen gut gelungen.
Lehrer Norris (Perry King) ist für Musik zuständig und neu an der Schule. Als bereits hinter der Eingangspforte die Schüler durch einen Metalldetektor wie am Flughafen laufen müssen, wird ihm klar, was an dieser schule regiert – nämlich nicht Lernen und Manier, sondern Gewalt, Drogen und Bandenkrieg. Mühsam aber engagiert beginnt er damit, mit seiner Klasse diverse Stücke einzustudieren. Gestört wird er dabei nur vom rebellischen Stegman (Timothy van Patten) und seiner Punkgang, die an der Schule offenbar auch das Sagen zu haben scheinen und in allerhand kriminelle Machenschaften verstrickt sind. Auch nach diversen Vorfällen mit Drogentoten und kleineren Anschlägen gegen sich selbst kann Norris nur tatenlos zusehen – bei der Polizei findet er kein Gehör. So nimmt er das Gesetz mehr oder weniger selbst in die Hand und reagiert auf die Terrorisierung der Bande mit ähnlichen Mitteln. Dabei kocht es zwischen den Fronten immer weiter hoch, und als die Bande während einer Schulaufführung Norris Frau vergewaltigen und verschleppen, dreht der Lehrer durch...
„Mondo Brutale im Klassenzimmer“ nannte man seinerzeit diesen recht harten Thriller, in dessen Finale es (erst) richtig zur Sache geht. Vorher werden wir Zeuge einer (nicht allzu weit in die Zukunft versetzten) Utopie im 80er Gewand, in der übertriebene Gewalt und Kriminalität an Schulen zum Alltag gehört. Etwas naiv steht inmitten die Figur des gutherzigen Lehrers, der jedem eine Chance geben will und seine Schüler selbst mit eigener Faust vor jeglichem Unheil zu schützen versucht. Gekonnt wird hier die Verzweiflung rübergebracht, die unter den Lehrern herrscht – auf dem Höhepunkt unterrichtet einer von ihnen als seelisches Wrack mit vorgehaltener Pistole. Die Jugendlichen hingegen suchen den Spaß im Leben im Extremen und frönen lieber exzessivem Drogenkonsum, organisieren Prostitution und bekämpfen sich in brutalen Straßenschlachten.
Im Finale zieht Lester dann jedoch gnadenlos alle Register, und der Gewaltfaktor steigt in so mancher Szene so rapide nach oben, dass das ganze schon groteske Dimensionen annimmt. Doch so wird nur das Überlaufen des Fasses zum Ausdruck gebracht, was sich im Laufe des Films mit immer mehr bösem Blut füllt. Was bei Schmierereien anfängt, geht über das Anzünden des Autos bis hin zu Vergewaltigung und Mord – schockierend hierbei ist vor allem das Alter der Drahtzieher, die einen herben Kontrast zu den gleichaltrigen Klassenkameraden (u.a. Michael J. Fox, damals wirklich ulkig anzusehen) darstellen.
Insgesamt recht guter Gewaltakt, dessen Motiv im wahrsten Sinne des Wortes „Schule“ machte. Durchaus empfehlenswert in der Marketing DVD-Auflage, die komischerweise ein französisches Master innehat, jedoch die ungekürzte Fassung in vergleichsweise guter Bildqualität bietet.