Eher zufällig stieß ich beim Durchstöbern der Filmesammlung meines Freundes auf diesen bereits 25 Jahre alten Film. Da ich bereits einiges über "The Class of 1984", zu deutsch "Die Klasse von 1984", und seinen Kultcharakter las, kam ich natürlich nicht umhin, ihn mir auch einmal zu Gemüte zu führen.
Die Handlung ist schnell erzählt: Ein engagierter Musiklehrer namens Norris tritt seine Arbeit an der Abraham Lincoln High School an. Bereits früh muss er erkennen, dass Furcht und Gewalt, sowie das Recht des Stärkeren die Schule regieren. Vorreiter dieser Erscheinung ist Stegman, ein eigentlich überaus intelligenter und begabter Junge, der seine Fähigkeiten jedoch lieber in zahlreiche kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel und Prostitution investiert. Zusammen mit seinen Anhängern verbreitet er Angst und Schrecken sowohl unter den Lehrern als auch den Schülern. Im Gegensatz zu den passiv bis resigniert agierenden Lehrern und Sicherheitskräften, einem völlig überforderten Schulleiter und der lediglich spartanisch eingreifenden Polizei ist Norris gewillt, dies zu ändern. So spitzt sich der Konflikt zwischen dem mehr und mehr psychopathischen Stegman und dem ebenfalls impulsiven Lehrer weiter zu. Schon bald gibt es die ersten Todesopfer zu beklagen. Es folgt der sich langsam aber sicher anbahnende Showdown mit unangenehmen Konsequenzen für beide Seiten...
Zuerst einmal fiel mir die eher schlechte Ton- und Bildqualität auf, die man allerdings ob des hohen Alters doch verzeihen kann. Sowohl Spezialeffekte als auch der Soundtrack hingegen erzeugen eine trashige 80er-Jahre-Atmosphäre, die den Betrachter schnell in ihren Bann zieht. Geradezu schockierend sind die katastrophalen Bedingungen an der High School, der Art von Schule, die mit dem deutschen Gymnasium vergleichbar ist. Man kann wirklich nur hoffen, dass in den amerikanischen Schulen dieses Ausmaß noch nicht erreicht ist, auch wenn diese Hoffnung wahrscheinlich vergebens ist. Insofern ist das Thema des Filmes trotz der altbackenen Technik keineswegs Geschichte, sondern - im Gegenteil - hochaktuell. Die teilweise verwendeten Swastika und auch der angedeutete Hitlergruß lassen übrigens nicht auf jegliche politischen Ideologien der Figuren schließen, sie sollten wohl den "bösen" Charakter der Jungrebellen unterstreichen. Natürlich scheint es vermessen, der Punk-Bewegung faschistoide Tendenzen zu unterstellen, allerdings stellte diese Subkultur in den Augen vieler Leute die größte Gefahr dar, und muss deshalb unfairerweise als Sündenbock herhalten. Über diese unsachliche Darstellung muss der objektive Betrachter hinwegsehen.
Die besten schauspielerischen Leistungen boten in meinen Augen klar die beiden Hauptdarsteller und Kontrahenten Norris und Stegman, gerade die Abgebrühtheit und Eiseskälte des Rowdys vermochte Timothy van Patten hervorragend darzustellen. Ähnliches gilt für Perry King bezüglich des Kampfgeistes des Junglehrers.
Auch wenn die in "The Class of 1984" beschriebenen Zustände übertrieben negativ und hoffnungslos erscheinen, so vermag der Film zweifelsohne mögliche Nachteile der antiautoritären, sexuellen und technischen "Revolution" aufzuzeigen. Wie er das tut, davon sollte sich der interessierte Filmfan unbedingt selbst ein Bild machen! Die am Ende vorhandenen Splatterszenen sind kaum der Rede wert, im Gegenteil, sie sind wichtig, um den Ernst der Situation zu wahren. Ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende wäre an dieser Stelle mehr als unpassend gewesen!
7,5/10 Punkte wegen der inzwischen veralteten Technik und geringfügiger logischer Fehler.