Review

Clockwork Orange mal anders
 
An der "Abraham Lincoln High-School" herrscht das rauhe Gesetz der Straße: Schon am Eingang werden die Schüler auf Waffen und Drogen durchsucht und Sicherheitsbeamte überwachen alles mit Kameras. Andy Norris ist neu hier, nein kein Schüler, er wurde als Lehrer and die High-School versetzt. Doch damit hatte er nicht gerechnet.

Eine Gang rechter Punks (in etwa so bescheuert wie die berühmten Nazi-Kommunisten) gibt hier den Ton an, dealt auf den Toiletten mit Koks, schüchtert die letzten lerneifrigen Schüler ein und versucht sich auch in Zuhälterei und Vandalismus. Die Lehrer haben längst resigniert, lassen es geschehen. Doch Norris will das nicht: Er geht schon am ersten Tag auf Konfrontation mit dem charismatischen Führer der Gang (das Wort "Führer" trifft hier wirklich perfekt zu, denn seine Anhänger begrüßen in schon in einer der ersten Szenen mit dem Hitlergruß) - Stagman. Doch das bleibt nicht ohne Folgen und so entwickelt sich ein Psychokrieg zwischen den beiden, zwischen Lehrer und Schüler, der in einem unglaublichen Gewaltakt endet.

Ja, "Die Klasse von 1984" ist ein 80er Jahre B-Movie. Aber einer der besten dieser Zeit die ich jemals gesehen habe, und nachdem ich seine Vita gelesen habe, wohl auch die beste Arbeit des Regisseurs. Eine düstere Zukunftsvision, die zwar als "Auf einer wahren Begebenheit" beruhend verkauft wird, dennoch in dieser Form damals wohl nicht allzu warscheinlich war. Heutzutage, nach Littleton, kennen wir alle die Bilder von Metalldetektoren und Sicherheitskräften, die jeden einzelnen Schüler durchsuchen, bevor sie endlich ins Klassenzimmer können. Somit ist die Utopie grausame Wirklichkeit geworden.

Natürlich werden hier sämtliche Klischees bediehnt um die jugendlichen Rebellen noch böser und abartiger, von Grundauf verkommen darzustellen: Punks, die auf ihren Lederjacken sowohl Hakenkreuz als auch "The Clash" stehen haben - Das wage ich doch stark zu bezweifeln, dass das der Realität entspricht. 16-jährige die Zuhälterei betreiben ? Eher unwahrscheinlich. Dennoch stört mich das nicht (auch und vor allem nicht die politische Verfälschung der Subkultur Punk)! Nein, die "Klasse von 1984" hat andere Stärken und die finden sich vor allem in dem perfekt inszenierten Psychokrieg zwischen Stagman und Norris. Wie sich die beiden durch immer wagemutigere Aktionen hochschaukeln, das ist spannend und interessant anzusehen. Auch dem größten Authoritätshasser wird ein wohlwollendes Lächeln übers Gesicht huschen, wenn Norris das Auto des Rädelsführers zu totalem Schrott fährt - aber abschließend wenigstens wieder den Tür-knopf drückt. Grandios ! 

Michael J. Fox, der zwar eine Nebenrolle bekleidet, sich aber doch recht oft im Drehbuch wieder finden darf, macht seine Sache schon ganz gut und wer seine Karriere kennt braucht sich auch nicht wundern, dass es danach erstmal gut aufwärts ging. Aber natürlich liegt das Hauptaugenmerk auf den beiden Hauptdarstellern, und die machen (trotz des in einem anderen Review schon angesprochenen Chuck-Norris-Bärtchens von - eben - Norris) ihre Sache hervorragend. Synchronisiert ist das ganze übrigens auch sehr gut und stimmig, also kein Grund auf die englische Tonspur umzuschalten.

Thema Gewalt! Nun, da darf man nicht allzuviel erwarten. Tatsächlich war ich sogar ob der doch recht verheißungsvollen "ab-18-Freigabe" ziemlich enttäuscht. Auch die oft zitierte Kreissägen-Szene ist nicht gerade sonderlich blutig ausgefallen und manche Effekte sind doch etwas sehr durchschaubar, aber nun gut, es handelt sich hierbei definitiv um keinen Splatterfilm sondern um den wohl ersten School-(Rape-and-)Revenge-Thriller und allein das verhilft ihm schonmal aufs Siegertreppchen. Vor allem da er durch den gut eingefangenen 80er-Jahre Stil (und damit meine ich nichtmal Fönfrisuren und "Modern-Talking") einen ganz eigenen Stil hat. Zudem wurde - bis auf die rechtsradikalen Anleihen - die Punk-Szene ganz gut eingefangen, was man vor allem bei einer kurzen Konzert-Sequenz mit authentischer Musik mitbekommt.

Der Titelsong von Alice Cooper passt gerade zu Beginn wunderbar, dennoch hätte ich mir (wenn sie immerhin schon - zumindest auf Lederjacken - zitiert werden) auch ein wenig mehr 3-Akkorde-Musik gewünscht. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben.

Allein die Stimmung und das wirkliche ausgefeilte Duell Lehrer-Schüler lasssen "Die Klasse von 1984" locker über Nachzügler wie "187" oder "Dangerous Minds", die sehr deutlich an diesen Film angeleht sind, triumpfieren. Letzten Endes ist auch die Moral zwar fragwürdig aber auch gut nachvollziehbar. Bemerkenswert ist ausserdem, dass gerade der Charakter des Stagman, für einen B-Movie- äusserst ausgereift erscheint. Zwar mimt er den durch und durch abgebrühten Anführer, doch in einigen Szenen werden wir Zeuge eines tiefschichtigeren Menschen. Denn er ist eben auch musikalisch begabt, zu Hause ein ganz normaler Junge so wie alle anderen auch und zeigt sogar etwas Angst unter der harten Fassade als ein Lehrer zwischendrin durchdreht und ihn mit einer Waffe bedroht.

Diese Klasse wurde meiner Meinung nach nicht mehr erreicht weswegen ich diesem Film trotz aller Klischees und Fehler 8 Punkte verleihe.

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