"Wir sind das Gesetz." - "Aber nicht hier bei uns."
Auf realen Ereignissen aus dem Jahr 1964 im Neshoba County, Mississippi, basierender, aber fiktiv abgewandelter und deswegen und den Änderungen auch stark in die Kritik geratener Kriminalfilm unter Aufsicht von Alan Parker; Parker hat die ursprünglich angeplanten bzw. angedachten Kollegen Milos Forman und John Schlesinger abgelöst und sich dann mit Eifer und vielleicht auch Übereifer in die Behandlung der Geschichte und die auch die Umänderungen von Figuren von Drehbuchautor Chris Gerolmo gestürzt. Gerolmo selber, welcher aufgrund mehrerer Umstände auch von der Anwesenheit am Set ausgeschlossen wurde, bezeichnete den Regisseur selber als "anti-amerikanisch" und "faschistisch" und warf ihm vor, die "Lyrik" aus seinem Drehbuch entfernt zu haben, und sagte, er wolle alle Weißen als "hässlich, tollpatschig, dumm und betrunken" darstellen; der Autor sah sein ursprünglich für William Hurt und Clint Eastwood angedachtes Skript als "politische Parabel mit westlichen Anklängen", während die Umsetzung durch Parker als "Metapher für... die Behauptung schwarzer Wut." und die Erzählführung möglichst im "dokumentarischen Flair" gehalten gedacht war, wobei gerade die Darstellung weißer Männer als Helden, die während der Bürgerrechtsbewegung für Afroamerikaner kämpften und damit "Hollywoods neueste Perversion: Die Bürgerrechtsära als weiße Erfahrung" in den Fokus der negativen Kritik gerieten; etwas, dass Parker mit "Ich verteidige das Recht, es zu ändern, um ein Publikum zu erreichen, das nichts von den Realitäten weiß und sicherlich keine Public Broadcasting Service-Dokumentationen schaut." beantwortete. Finanziell machte dies keinerlei Einbußen, der Film bei einem Budget von 15 Mio. USD als Erfolg beim Publikum und speziell auch den Rezensenten inklusive mehrerer Nominierungen für die Academy Awards des Jahres zu werten:
1964, Jessup County, Mississippi. Als drei Bürgerrechtsaktivisten verschwinden, die im Staat ein Wählerregister für Afroamerikaner organisieren wollen, schickt das FBI den Nordstaatler Alan Ward [ Willem Dafoe ] und den ehemaligen Sheriff Rupert Anderson [ Gene Hackman ] zur Untersuchung. Vom lokalen Sheriff Ray Stuckey [ Gailard Sartain ], Bürgermeister Tilman [ R. Lee Ermey ] und dem hochrangigen Ku-Klux-Klan Mitglied Clayton Townley [ Stephen Tobolowsky ] werden sie angemahnt oder ignoriert, einzig die mit dem stellvertretenden Sheriff Clinton Pell [ Brad Dourif ] verheiratete Mrs. Pell [ Frances McDormand ] scheint von der städtischen Bevölkerung mehr sprechen zu wollen.
Von dem furchtbaren Verbrechen ausgehend wird dieses zuerst und die Nachwirkungen eingehend gezeigt, die Rassentrennung gleich im ersten Bilde, die Unterschiedlichkeit der Menschen hier, die scheinbar ausgemacht werden und im Denken der Figuren fortgeführt, vom kleinen Detail bis zum großen Ganzen, dem Auslöschen des als nicht wertvoll geltenden Lebens und die scheinbare Rechtsprechung dahinter, die Zerstörung durch Feuer und Brandstiftung. Schwelend und gärend allgemein die Zustände hier, die landschaftliche Schönheit und scheinbare Friedlichkeit täuschend, ein Hantieren mit Ereignissen und Wahrnehmung, mit deutlichen Spannungsmomenten und entsprechend hervorgehobener Zeichnung, das Auftauchen von äußeren und inneren Einflüssen, der Feind gegenüber und hinterrücks und überall. Eine nächtliche Störung auf der Straße, ein erster Actionmoment, die Inszenierung im Nahen und im Kommenden, eine Verfolgung abseits der Bundesstraße. Gefahr wird geschürt und Bedrohung, ein Thrillmoment, die Reise in das Ungewisse, "Sie haben uns ganz schön Angst eingejagt, Mann.", die offensichtlichen Worte, dann die prompten Aktionen.
Zeitungsausschnitte und Fotos leiten die Ermittlungen ein, ein alteingesessener und ein junger Beamter im Bilde, "Beschränken Sie sich auf das Lesen der Akte, Mr. Anderson. Auf das Kabarett kann ich gut verzichten.", eine erste Zeichnung der FBI-Agenten, der Jüngere trägt die Verantwortung, eine umgekehrte Sichtweise, eine Klärung der Position, der Ältere nimmt es mit Humor, noch, der Jüngere schon eingangs nicht. Im eingeschalteten Ermittlerpaar und deren Fokus liegt auch das folgende Porträt, es ist ihr Blick, es ist ihre Handhabe und der Umgang mit der Situation, hilfreich für den Zuschauer, der Kampf gegen die Umstände und die Windmühlen dieser genretypisch, der Umgang mit den örtlichen Behörden, mit dem lokalen Sheriff und dessen Deputies, die ersten Hindernisse beim Lösen des "Niggerproblems", die Konfrontationen offensichtlich. Die Zustände weiterhin aktuell und hier beruhigend für die Massen in der Vergangenheit gezeigt und gezeichnet und Richtung In der Hitze der Nacht (1967) mit seinem gattungsfreundlichen Ton gehalten — die nachrückende Fernsehserie um die Neuauflage bzw. Erweiterung des Filmes respektive Romans mit der gleichnamigen Adaption durch James Lee Barrett ab 1988 kam sicherlich nicht von ungefähr, sondern stieß im "Reklamefeldzug" auf ein offenes Publikum und dessen neugierigen Gehör —, dazu ein paar hervorstechende Darsteller auf beiden Seiten der Erzählung, gerade auch die Nebenakteure um Dourif, Rooker und Vince als ergänzend finsterer Fels in der Brandung, als Bewahrer der hiesigen Tradition und der eigenen Auffassung von Recht und Ordnung; während Hackman, als älterer Galan und gleichzeitig Raubein überaus typisch besetzt, und Dafoe prägnant auf Helfer in der Not porträtiert werden, aber dies schauspielerisch auch vermögend umsetzen können.
Ein Heranführen an eine schwierige Thematik mit erstaunlich einfachen Schritten und Mitteln, die erste rasche Genugtuung für die passiv Sehenden und Begleitenden schon im Vorzimmer des Sheriffs, das Versprechen um Hilfe gegen die allgemeinen Missstände, die hier lokal begrenzt sind, "10 Meilen von Memphis und 1 Million Meilen vom Rest der Welt entfernt" und trotzdem grenzenübergreifend. Ein Kriminalfall wird aufgebaut, Anrufe gemacht, Beratschlagungen im observierenden Wagen, Zwiegespräche zwischen den beiden Agenten, die die Erzählung leiten und das Pro und Contra per Dialog erledigen, speziell Hackman als Identifikationsfigur für die Älteren, Dafoe als Aufklärer für die Jüngeren, die Blicke der Bevölkerung rasch auf sich lenkend. Unmut bei der hiesigen Gesellschaft wird zeitnah ausgelöst, sich bekannt gemacht mit dem einfachen Volk, die die Gegebenheiten dulden und sie damit Fürsprechen, dazu einige einfache Gesten und einfache, aber treffende Worte, ein Kirchenbrand und ein tätlicher Angriff in Augenschein genommen; ein Krimi mit weitreichenden Kreise, eingangs viel "Ja, Sir." und "Nein, Sir." in den da noch einseitigen Gesprächen, dann die weitere Gewalt, die Flucht vor den Angreifern, die Ausweglosigkeit der Handlung ebenso deutlich wie die Bemühungen der beiden Männer vom FBI gehalten, ein Weg zwischen Überzeugung und Sterben, "Hier im Süden betrachtet man die Dinge etwas anders.", den Spuren des Hasses und Glaubensfanatismus nachgegangen.
Eine Parabel wird hier nebenbei dargebracht, die Anekdote mit dem Nachbarn und dem Esel und dem Vater, der das Wasser vergiftet, "Halten Sie das für eine Entschuldigung?", eine Nachfrage und eine Kommunikation vor dem ersten raschen Aktionsgeschehen, das Zerschmeißen eines Fensters und das Aufstellen eines brennenden Kreuzes, die Warnung einschneidend, das Telefonat nach Washington prompt, "Ich will morgen früh Hundert Männer mehr hier haben.", das Einbestellen von mehr Personal als heranstürmende Truppe, die gegenseitige Aufrüstung in aufflammender Gewalttätigkeit, Molotowcocktails und zeitlupenaffine Häuserexplosionen in der Montage. Regisseur Parker handhabt die formelle Betrachtung und die durchaus exzellente Schauspielführung in seinem Kommentar-, Bewusstseins- und Betroffenheitskino über den "Schmnelztiegel der Integration" und dessen Verblendung tadellos, materiell auf glatten, wenn auch vermehrt effektiven Untergrund. Ein "Wann fängt denn die Show an?", der Südstaatenthriller in seiner Mobilmachung vorstechend, der Score durch Trevor Jones pulsierend eindrücklich, das Böse mit oder ohne "Gespensterkostümierung" im Visier, die Guten erst ausgebootet und dann umso hartnäckiger, mehr eine diskussionswürdige Charakterstudie mit reichhaltigen Figuren im buchstäblich sumpfigen und morastigen Lokalkolorit, "so trocken wie ein Martini", als eine Milieubeschreibung im auch eher mäßigen Zeitkolorit. Letzteres als der Rest von Amerika gegen Mississippi, die "angelsächsische Demokratie" und deren faschistisches Areal, das "leuchtende Beispiel erfolgreicher Rassentrennung" gehalten und dort seinen kleinstädtischen Zweck erfüllend, "Diesen Sack Würmer kriegen wir nur von innen auf, Mr. Anderson.", die Grillen zirpen.