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So nun ist es passiert! Die letzte Klappe für einen Kino-Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney ist entgültig gefallen. Nachdem bereits vor einigen Monaten mit "Bärenbrüder" der letzte Trick in typischer Disney-Tradition ablief ist nach diesem Slapstick-Comedy-Abenteuer namens "Die Kühe sind los" nun entgültig Schluss mit Lustig. Da in Amerika leider kein Mensch mehr die klassisch animierten Zeichentrickmeisterwerke sehen möchte und die Trennung Disney/ Pixar unmittelbar bevorsteht, hat sich Disney-Chef Eisner (nach wie vor der schlechteste Chef den Disney je hatte) nun entgültig dazu entschieden nur noch auf computeranimierte Abenteuer zu setzen und somit Bleistift und Papier entgültig lebewohl zu sagen. Logisch das die Tränen nun in Bächen aus den Augen der Disney-Freaks laufen. Aber wenigstens können sie mit diesen letzten Film noch einmal richtig viel Spaß haben.

"Die Kühe sind los" ist ein turbulentes und vor allem hochgradig witziges Zeichentrickabenteuer, welches in die Fußstapfen von "Ein Königreich für ein Lama" treten möchte und dies auch größtenteils schafft.

Da wäre zum einen die Story, die eigentlich durch die Bank weg gefallen kann. Es gibt viele schräge Charaktere, die einfach zum Brüllen sind. Da gibt es z. Bsp. drei Kühe (eine vornehm, eine taff und eine leicht dusselig), ein selbstsicheres, wildes Pferd, eine riesige, bunt zusammengewürfelte Farm und zwei schwer verliebte Jungbullen mit russischem Akzent. Zusammen mit den menschlichen Figuren, darunter dem mächtig bösen Almeda Slim, trappeln sie durch eine wohlig lustige Western-Geschichte ohne größere Höhen und Tiefen.

Während "Bärenbrüder" hauptsächlich durch seine Niedlichkeit und der großen Abenteuergeschichte bestach, leben diese wilden Kühe nun aber hauptsächlich von ihren herrlichen Humor, bei dem meist keine Auge trocken bleibt! Egal ob sich die Kühe nun zanken oder vertragen immer haben sie einen flotten Spruch auf den Lippen, vor allem die taffe Maggie. Wenn sie den Mund aufmacht, kommt man manchmal gar nicht aus dem Lachen raus. Aber auch das freche Gaul, welches sich ziemlich stark einbildet das es ein Held sein könnte, ist zum kaputt lachen. Herrlich vor allem die Szene in der es versucht den menschlichen "Helden" zu beeindrucken. Ich hab jetzt noch Bauchschmerzen davon. Ach ja und natürlich sind auch die liebesgeilen russischen Jungbullen nicht zu vergessen, die ebenfalls zu unterhalten wissen. Schade nur das sie so selten zu sehen sind.

Einer der größten Störfaktore des Films dürften für die meisten Kinogänger wohl die Musical-Einlagen sein, so wie es leider auch schon bei vielen anderen Disney-Streifen der Fall war. Alles Banausen! Denn in Wirklichkeit sind auch diese Szenen allesamt gelungen und die Lieder sind durchaus stimmig geraten. Vor allem die riesige Sequenz in der Bösewicht Slim die 1400 Kühe durch sein Jodeln hypnotisiert ist absolut Funny und prächtig geraten. Wer da zu meckern hat, hat definitiv keinen Geschmack!;)

Außer Spaß und Musik hat der Film aber auch noch ne Menge Action zu bieten, die allerdings manchmal etwas unübersichtlich wirkt. Vor allem die Prügelszenen sind eher platt geraten. Hier hätte vielleicht etwas mehr Sorgfalt geholfen, anstatt jeden auf jeden losgehen zu lassen.

Kommen wir aber nun zum ganz dicken Minuspunkt, der leider auch diesen Streifen wieder befallen hat: Die Animation. Ich weiß nicht ob es am Talent oder an der Willenskraft der Zeichner des Streifens gelegen hat, aber was es hier an Animationen auf der Leinwand zu sehen gibt, ist leider weit entfernt von dem was Filme wie "Aladin", "Die Schöne und das Biest" und natürlich "Der König der Löwen" so wertvoll gemacht hat. Die Hintergründe sind nahezu regungslos und die Figuren bzw. das Geschehen hat Ecken und Kanten. Schöne fließende und mit dem Hintergrund verschwimmende Animationen sucht man hier vergebens. Alles ist nicht mal auf typischen Direct-to-Video-Niveau und das ist schon ziemlich traurig für Disney!

Aufgewertet wird das Ganze dann aber wieder durch eine absolut prächtige Synchronisation, so wie man sie von Disney schon Jahre lang kennt. Hier waren wirklich absolute Profis am Werk. Vor allem was die Auswahl der Stimmen betrifft, könnte man Disney glatt küssen. Hella von Sinnen als Maggie ist schlicht und ergreifend fabelhaft. Sie drückt ihrer Figur ihren völlig eigenen Stempel auf und ist durch ihre unverwechselbare Stimme und dem damit verbundenen Erkennungswert einfach nur zum abfeiern. Als Gegenpart gibt es Christiane Hörbiger, als vornehme Kuhdame Mrs. Calloway und Marie Bäumer als liebenswürdige Dussel-Kuh Grace. Auch sie geben ihren Figuren die optimale Stimmenlage, so dass die Kühe einfach nur genial und glaubwürdig rüberkommen. Vitali und Vladimir Klitschko können dagegen zwar nicht wirklich synchronisieren aber zu ihren Jungbullen passt das einfach irgendwie.
Und dazu dann noch ein großer Haufen anderer bekannter Synchronprofis, die ebenfalls ihre Figuren ohne den geringsten Makel gesprochen haben. Absolut Top was einem da zu Ohren kommt.

Fazit: Disney absolut letzter Kino-Zeichentrickfilm entpuppt als unterhaltsames Slapstick-Abenteuer mit netter Story, tollen Figuren und Jokes nahezu ohne Blindgänger. Ein absolut amüsantes Zeichentrick-Abenteuer für die ganze Familie, dass zwar in punkto Animationen leider in absolut keinster Weise mehr an frühere Werke heran zu kommen vermag aber durch seine schier geniale Synchronisation diesen verlorenen Boden wieder gut machen kann. Ich persönlich habe mich jedenfalls prächtig unterhalten gefühlt!

Wertung: 7/10

P.S. Zum Abschluss bleibt nun nur zu hoffen, dass Disney in seine hauseigenen Animationsstreifen die gleiche Genialität legen kann, wie sie in den meisten ihrer Zeichentrickwerke vorhanden war. Dann dürfte sich Pixar warm anziehen.
Und wer gar nicht auf Disney-Zeichentrick verzichten kann, dem bleiben immerhin noch einige Direct-To-Video-Filme alla "Mulan II"! Und das ist ja vielleicht auch nicht sooo schlecht!

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