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Immerhin splattert es mal wieder ein wenig explizit unter der Regie von Jeremy Rudd, dessen Slasher auf dem eigenen Kurzfilm von 2023 beruht. Als Inspiration diente gewiss die Reihe um „Terrifier“, jedoch auch Genreklassiker aus den 80ern dürften Pate gestanden haben.

Seattle an Halloween 1986:Während der psychopathische Killer Benny aus einer Nervenheilanstalt entkommen kann, fiebert Cass den Feierlichkeiten am Abend entgegen. Noch ahnt sie nicht, dass es der maskierte Mörder nicht nur auf viele zufällige Opfer, sondern insbesondere auf sie abgesehen hat…

Splatterfans erhalten speziell in den ersten zehn Minuten die volle Ladung, als der besagte Irre einen Seelenklempner in vollem Umfang malträtiert. Da landen Wachsmalstifte in Ohren und Nase, Arm – und Beinbruch gesellen sich hinzu und bevor der Schädel zertrümmert wird, gelingt es dem Schlächter einen Finger ohne Zuhilfenahme von Werkzeug von der Hand zu entfernen. Erst dann setzen die Credits ein.

Allerdings ist es grundlegend keine gute Idee, die potenzielle Heldin mit einer ausgiebigen Joggingrunde einzuführen, bei der sich außer dem Laufen an sich rein gar nichts ereignet. Auch Familie und Freunde der anvisierten Sympathieträgerin bleiben schwach gezeichnet, lediglich eine dubios handelnde Krankenschwester am Rande sorgt für kleinere Fragezeichen.

Während der Score die Stimmung der 80er auf akustischer Ebene sehr gut etabliert, mangelt es auf optischer an markanten Eigenheiten. Kleidung und Frisuren wirken zu wenig angepasst, Menschen mit überdurchschnittlich vielen Tattoos waren zu jener Zeit eher die Ausnahme und auch in Sachen Ausstattung bleibt man bis auf einige Telefone deutlich zu oberflächlich. Immerhin wurden demgegenüber Lokalitäten gewählt, die eher zeitlos anmuten. Wie etwa ein Getränkelager, in dem technischer Fortschritt bis dato noch nicht angekommen scheint.

Leider mangelt es bis auf kurze Momente während des Showdowns an Temposzenen. Selbst wenn der Maskierte zuschlägt, ist das Konfrontationspotenzial eher gering, zuletzt werden gar einige Ableben ins Off verfrachtet, wogegen hin und wieder Laufzeitstrecker auffallen, welche rein gar nicht zur Handlung beitragen und grundlegend Drive herausnehmen. Auch die Tatsache, dass sich der Hauptteil der Handlung an Halloween ereignet, wird zu wenig berücksichtigt, - auch hier versagt die Ausstattung.

Ausgleichend dazu liegt der Fokus auf explizit festgehaltenen Gewalteinlagen, welche in ihrer weitgehend praktischen Machart durchaus überzeugen können. Manchmal muss man mit einem leicht stumpfen Hackebeil eben mehrfach auf einen Arm einschlagen, bis dieser vom Rest des Körpers getrennt wird, wogegen das Böse mal wieder augenscheinlich mehr einstecken kann als jeder andere Sterbliche.

Zwar haften dem Finale noch zwei, drei kleine Wendungen an, doch sonderliche Verlaufsüberraschungen sind nicht zu erwarten. Bei alledem bleibt der Maskierte eher austauschbar, da er unter der Verkleidung einer Vogelscheuche weder etwas äußert, noch ein auffälliges Gebaren an den Tag legt. Ein weiteres Merkmal, weshalb das Werk sich zu wenig von ähnlich gelagerten Genrevertretern unterscheidet.

Eine Handvoll positiver Eigenschaften sind dem Slasher zwar zu entnehmen, doch trotz der kurzen Laufzeit von 80 Minuten wollen sich weder genügend Spannung noch Atmosphäre einstellen. Für eingefleischte Genrefans mit Faible für harte Einlagen okay, doch er dürfte auch rasch wieder vergessen sein.
5 von 10
  

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