Review

"Mond."

Als Fan der Reihe, saß ich am Ende von 28 Years Later aufgerüttelt und baff da. Das war alles viel zu schnell vorbei und der hervorragende Film fragte mit seinem Ende frech und abrupt;

Hast du noch fragen? Ja? Ich hätte nämlich auch noch Antworten parat.


Maximal verwirrt und berührt, schoben Regisseur Danny Boyle, Co-Autor Alex Garland und sämtliche Verantwortliche nach. Jetzt, nur ein paar Monate nach 28 Years Later, nun eine direkte Fortsetzung innerhalb einer neu angedachten Trilogie. Das hat auch zur Folge, dass sich The Bone Temple nicht nach einem wirklich neuen Film anfühlt. Hätte ich es nicht besser gewusst, könnte es auch sein, Boyle selbst habe wieder inszeniert. Nia DaCosta, die dem Candyman vor einigen Jahren ein strittiges Comeback schenkte, eifert Boyle in Sachen Regie nahtlos nach. Ich wüsste nicht, wie ich das unterscheiden sollte, denn beide Filme eint alles, an erster Stelle die hochwertig vertrackte Bildsprache. Beide Filme eint ein kindlich befreiter Hang zur außergewöhnlichen Spielerei. Ich mag es. Wie gesagt, das ist der erste Film der Reihe, der sich in Ton, Fortgang und Rhythmus nicht wirklich vom Vorgänger unterscheidet.

Auch der Fokus auf mehrere, episodisch angelegte Stränge bleibt bestehen. Der Vorgänger gehört unbedingt gesehen, sonst lässt sich da nicht vernünftig einhaken. Handelte der erste Film über eine große Strecke vom Verlust eines geliebten Menschen, ist man in metaphorischer Hinsicht diesmal selbst am Scheideweg. Memento mori. The Bone Temple richtet sein Hauptaugenmerk auf Dr. Ian Kelson, wieder einmal großartig von Ralph Fiennes gespielt. Kelson nimmt eine ganz besondere Beziehung zu dem Alpha-Infizierten Samson auf, welcher auch schon im Vorgänger starken Eindruck hinterließ. Auch andere Figuren aus dem Vorgänger tauchen auf, mal mehr, mal weniger interessant eingebunden. Vor allem jene Gruppe blonder Zweitfrisur-Punks, die den letzten Film schloss, ist ebenso Hauptattraktion wie Dr. Kelson. Auf diese Konstellation einzugehen, wie sich der Kreis über den Film hinweg schließt und was sonst noch alles so los ist, nun, das schenke ich mir, weil es der größte Spaß am Film ist, der verrückten und gen Ende rührenden, der wilden und schrägen Handlung zu folgen. Für mich war es eine Freude, dennoch merkte ich schon im Kino, dass das übrige Publikum diesmal sehr viel mehr gemischter Meinung war, manche verließen auch den Saal vorzeitig. Auch das überregionale Echo ist diesmal sehr viel skeptischer. Tja, und The Bone Temple gibt in der Hinsicht Feuer und liefert ab. Wer die irren Elemente des Vorgängers mochte, bitteschön, das wird richtig fetzig hier! Wer 28 Years Later schon zu drüber fand, der wird hier große Mühe haben.

Da gibt es musikalische und theatralische Einlagen ohne nötige Rundung. Das ist schon schief angelegt, herrlich wild! Es gibt jede Menge tollkühne Ideen, auch wenn andere Genreklassiker diese Einfälle recht ähnlich abgegrast haben. Ist nicht einfach, dazu viel zu schreiben, weil es absolut verschrecken könnte. Zu Unrecht. Der gerahmte Unterbau ist wieder emotional geraten, wenn auch aus ganz anderer Perspektive. Ralph Fiennes und Chi Lewis-Parry, der den zumeist komplett nackten Alpha-Zombie Samson gibt, spielen den restlichen Cast komplett an die Wand. Die fanatische Gruppe der blond kunstfrisierten Jimmys geht zwar nicht ganz auf, aber auch hier gibt es viele gute Szenen, wenn auch die Folterorgie in der Mitte des Films über alle Maßen anstrengt. Der ideologisch überzeichnete Fingerzeig ist deutlich, es ist halt ein bisschen zu viel. Am Ende läuft alles zusammen, 28 Years Later: The Bone Temple ist in sich schlüssiger, allerdings gibt es wie zuvor viel drumherum und eine weiterführende Tür am Ende.

"Ich habe keine Fahrkarte."

The Bone Temple wird sicher für gespaltene Diskussionen sorgen, manchen dürfte dieser neue Weg allerdings komplett egal sein. Ich bin gespannt, ob und wie es weitergeht. The Bone Temple ist wieder groß gedacht und gemacht. Sound, Score und Soundtrack sind fantastisch. Akustisch gibt es wieder Schwenks zum ersten Film hin. Die hier demonstrierte Brutalität ist angemessen, die zuweilen praktischen Effekte von hoher Güte. The Bone Temple ist sehr kurzweilig, was der Natur der episodischen Anlage geschuldet ist. Nia DaCosta und Autor Alex Garland wissen aber schon, wie's geht. Für mich weniger Stückwerk, es könnte auch erstmal wieder Schluss sein mit der Marke. The Bone Temple endet nicht einfach und beliebig. Ich war diesmal auch nicht baff und zerwühlt im Kinosessel. Dennoch, frech und frei, The Bone Temple schaute mich am Ende an, spitzte die geronnenen, zerfressenen Lippen und nahm das Wort an sich;

Hast du noch fragen? Ja? Ich hätte nämlich auch noch antworten parat. Auf bald.









Details
Ähnliche Filme