Diamanten & die Guten
In „Crime 101“ wird (mal wieder) L.A. zum Schlacht- und Spielfeld der „ehrenhaften“ Räuber, Gangster und Banditen, wenn eine Reihe von Juwelentransporten überfallen wird und sowohl bei Polizei, bei der Versicherung als auch in der kriminellen Seele Querelen und Grabenkämpfe stattfinden, die Linien von Gut und Böse verwischen…
Eine Welt der Verlockungen
Der Titel „Crime 101“ trügt nicht, man spürt in dem distinguierten und recht bodenständigen Gangsterthriller die Einflüsse seiner Vorläufer im Geiste massiv - vor allem „Heat“ auf Sparflamme ist eine sehr passende Bezeichnung. Die Zutaten sind also nicht neu, alles andere als das - aber der Geschmack insgesamt ist trotzdem lecker und gut ausbalanciert. Vielleicht ja auch gerade durch die erprobten Muster und Mittel. Drei Figuren, drei unterschiedliche Berufe, drei unterschiedliche Welten, drei unterschiedliche Schicksale. Alle verbunden, verschachtelt, in einer kaputten Welt, kaputten Systemen, mit kaputten Verführungen und Möglichkeiten. Und alle Drei versuchen dennoch „gut“ zu bleiben und „das Richtige“ zu tun. Trotz all der Scheisse und Härte um sie herum. Das ist eine schöne Parabel zur aktuellen Zeit der Ellbogen, Egos und fehlenden Manieren. Ruffalo ist der glasklare MVP. Halle Berry ist immer noch viel mehr als nur eine scharfe Fassade. Nur Hemsworth kaufe ich die zerbrechlicheren und weniger selbstbewussten Töne nie komplett ab. Er bleibt eben Chris Hemsworth, Göttern näher als dem Durchschnittsmann. Aber auch er bzw. seine Figur stechen jetzt nicht gänzlich negativ heraus. Die anderen Beiden sind eben nur ein gutes Stück besser und glaubhafter. Ein paar mehr Highlights wie die im Grunde sehr soliden Autoverfolgungsjagden hätten vielleicht noch ganz gut getan. Vielleicht steckt auch ein noch besserer 100-Minüter in „Crime 101“. Und etwas zu blutleer und clean bleibt mir insgesamt nahezu jede Weste hier schon. Obwohl das wie gesagt zum Konzept gehört. Aber gerade die Auflösung ist hier doch etwas sehr soft und happy. Am Ende bleibt das jedoch zum Glück die meiste Zeit ein ziemlich packender und kompetenter Krimi mit Starpower, Sachlichkeit und Stil. Los Angeles wird klasse eingefangen und ist fast selbst ein weiterer Protagonist, Charakter, Stichwortgeber. Und ein paar monoton-minimalistische, fast carpentereske Synthesizer auf der Tonspur verleihen dem Smog, der Straße und den Gaunereien noch mehr Intensität und Konzentration. Ich denke für die Wenigsten wird „Crime 101“ wirklich ein Topfilm sein. Aber für die Meisten wird er eine der bisher positiven Überraschungen des Kinojahres sein.
Zwischen Melville und McQueen
Fazit: Stabiler Heistthriller mit guten, oft genug über ihre Klischees hinausgehenden Figuren, viel L.A.-Smog und Grautönen zwischen den Fronten, Schreibtischen und Diamantenkoffern. Immer etwas auf leichter Flamme gekocht, aber am Ende doch durch. Gut!