Die junge Cathy (blond, blauäugig, das Leben selbst) lebt mit ihrem Vater (ein versoffener Spieler mit dem Hang zur Selbstsabotage) und ihrer Gefährtin/Haushälterin Nelly (kühl und opportunistisch) auf dem abgelegenen Gut "Wuthering Heights". Als ihr Vater eines nachts unverhofft einen kleinen Jungen vor dessen prügelnden Vater rettet und in die Familie aufnimmt, gewinnt Cathy einen neuen Spielkameraden und Freund fürs Leben: Heathcliff.
Die Liebe zwischen den beiden wird nie ausgesprochen und als der Vater den Hof immer weiter herunterkommen lässt, orientiert sich Cathy nach Höherem, sobald ein wohlhabender Gentleman mit seiner Schwester in die Nachbarschaft zieht. Dieser Edgar Linton (freundlich, aber uninteressant) verfällt Cathy natürlich sofort, der tief enttäuschte Heathcliff verlässt das Gut und so nimmt ein Drama von unausgesprochener und unerwiderter Liebe seinen tragischen Verlauf.
Emily Brontës einziges Werk gehört nicht nur zu den bekanntesten, umstrittensten und meistverfilmten Büchern der englischen Literatur, sondern gilt mit seiner verschachtelten Ich-Erzählweise auch als Vorläufer des modernen Romans. Dass Regisseurin Emerald Fennell die Handlung des Buches um grob die Hälfte verkürzt und einige Aspekte vereinfacht hat, ist keine Besonderheit, das taten auch schon andere Adaptionen. Dass Fennell bei ihrer filmischen Umsetzung jedoch alle audiovisuellen Regler auf 11 gefahren hat, nehmen ihr viele Kritiker übel.
Ihr "WUTHERING HEIGHTS" ist ein Fest für alle Sinne, wuchtig inszeniert wie die schwarzen Felsen, die in das Haus auf den Sturmhöhen hineingewachsen sind, mit ordentlich Mut zu Kitsch und Prunk, bewusst anachronistisch ausgestattet, mit kunstvoll gestalteten Räumen, fantastischen Farben und plakativen Bildkompositionen. Wenn Cathy bei Edgar aufgenommen wird, hat man den Eindruck, sie sei in eine 90er-Jahre Parfumreklame eingezogen, zwischendurch werden einzelne Sequenzen wie Videoclips zu Charli XCX‘ eigens komponierten Songs inszeniert. Es ist Baz Luhrman’s ROMEO + JULIET für eine neue Generation, der Titel bewusst in Anführungszeichen gehalten – es ist Fennells künstlerische Vision/Version.
Der Sex, der in der Promotion des Films im Vordergrund stand, spielt dabei gar nicht die Hauptrolle, auch wenn die entsprechenden Szenen lustvoll und erotisch inszeniert sind, ist kaum nackte Haut zu sehen, züchtig sieht allerdings anders aus.
Und wer Fennells PROMISING YOUNG WOMAN und SALTBURN kennt, wird kaum überrascht sein, wie gut sie darin ist, psychische Grausamkeit darzustellen. In jeder Hinsicht echtes Überwältigungskino.