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Da kann Hawaii noch so bonbonbunt leuchten... es möchte einfach nicht in die graue Soße einziehen, die als Plot unter der Farbschicht begraben liegt.

Die Konsequenz ist ein langer Abend mit vielen Blicken auf die Uhr, die sich insbesondere in der zweiten Hälfte häufen. Von einer „Bruddy Comedy“ mit Einflüssen aus dem 80er-Jahre-Actionkino erwartet man zwar keine große Drehbuchkunst, sehr wohl aber, dass es bis zu diesem Zeitpunkt gelungen ist, das Protagonisten-Duo mit genug Nuancen zu versehen, dass man sich für jeden ihrer Züge mehr als für die aktuelle Uhrzeit interessiert, selbst wenn sich das Drumherum mal in Allgemeinplätzen verliert.

Bei den von Momoa und Batista gespielten Halbbrüdern hat man es aber ausschließlich darauf abgesehen, die charakterlichen Gegensätze möglichst drastisch darzustellen. Momoa ist über seine letzten Filme hinweg ohnehin zunehmend zur lebendigen Parodie eines Rockstars mutiert; mit Blick auf die akrobatischen Verrenkungen, die er unternimmt, um Alkohol in seine Einlagen einzubauen, begibt er sich zwischenzeitlich sogar in Drunken-Master-Gefilde aus alten Kung-Fu-Flicks. Batista wiederum, den man alleine in den letzten zwei Jahren in neun (!) Filmen sehen konnte, oftmals in Hauptrollen, bläst im Gegenzug hauptsächlich Trübsal und schaut müde aufs Meer, der Dreitagebart grau, die Gesamterscheinung verhärmt.

Sie besetzen im Endeffekt bloß vakante Posten wie Spieler einer Sportmannschaft; Posten, die anderweitig ebenso gut hätten besetzt werden können, Stars gibt es ja genug. Im Vordergrund stehen nicht die Charaktere, sondern die Checkliste der Trends, Klischees und Imitate, die es abzuhaken gilt. Zwei Gorillas, die sich im kleinen Büro des Chiefs eine Abfuhr abholen? Check. On-Off-Beziehung mit allen zugehörigen Komplikationen? Check. Eierköpfiger Sidekick mit geringer Körpergröße, aber großer Klappe? Check. Villain, der sich mit arrogantem Lächeln hinter seinem Schreibtisch versteckt? Check. Schon der Prolog langweilt tödlich, weil die sich darauf aufbauende Background Story in allen Details orakeln lässt.

Kompensiert werden soll die Anwendung ausgeleierter Allzweckschablonen durch schrille Slapstick, stylische Manöver und derbe Sprache, um bei aller Glätte am Ende doch noch edgy zu wirken. Da wird dann auch mal die Korridor-Sequenz aus „Oldboy“ nachgestellt und ein extravagantes Waffenarsenal zusammengestellt, bestehend unter anderem aus der zuletzt zum Trend-Utensil avancierten Käsereibe und Momoas pikantesten Körperteilen, die das Swashbuckler-Genre ganz neu interpretieren.

Angel Manuel Soto inszeniert all das mit der gleichen naiven Begeisterung für triefende Völkerklischees, die schon seine Superhelden-Farce „Blue Beetle“ so unerträglich machte – inklusive tonaler Entgleisungen. Was damals die verstörend schmerzhaft wirkende Verwandlung in den Käfermann war, die im völliger Dissonanz zur angeschlagenen Stimmungsnote stand, wird nun mit derben Einlagen nachgestellt, die aus dem „Aloha“ ein „Ohweia“ machen.

Witzig ist „The Wrecking Crew“ beizeiten schon, auch die Produktionswerte ragen über den Streaming-Standard hinaus, wenn man von ein paar suboptimalen Computereinlagen absieht. Weil das Figurenmaterial aber so durchlässig ist, verflüchtigt sich auch der Unterhaltungswert ihrer besten Momente binnen weniger Augenblicke. Den Rest der Zeit verbringt man in steter Hoffnung, dass einer von ihnen in einem Anflug von Anarchie noch einmal so richtig einen heraushaut. Enttäuschend, dass sie sich zumeist dann doch systemkonform verhalten.

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