Nach wie vor sucht die ehemalige Auftragskiller, die Braut genannt, gespielt von Uma Thurman, nach ihrem ehemaligen Auftraggeber und Liebhaber Bill, gespielt von David Carradine, der sie auf ihrer eigenen Hochzeit niederschoss, wobei sie das Kind, mit dem sie schwanger war, verlor. Als nächstes steht unter anderem Bills Bruder, gespielt von Michael Madsen, auf ihrer Todesliste.
Nach den vollkommen langweiligen und überbewerteten Filmen "Jackie Brown" und "Reservoir Dogs" und seinem "Pulp Fiction", das mich nie hat begeistern können, war "Kill Bill" der erste Tarantinofilm, der mich wirklich überzeugen konnte, weil er sich diesmal seine vollkommen sinnfreien Dialoge geschenkt hatte, das Erzähltempo hoch hielt und darüber hinaus hervorragende Action in Hochglanzoptik servierte, scheint aber auch nur ein Glückstreffer gewesen zu sein, denn "Kill Bill: Volume 2" bleibt weit hinter dem Vorgänger zurück.
Der Vorgänger überzeugte noch, weil Tarantino eine Action-Szene an die vorherige reihte und ein kompromisslos brutales Finale lieferte. Hier gibt es leider kaum noch Action-Szenen und die, die es gibt sind zwar ganz nett gemacht aber bei Weitem nicht so spektakulär, wie der Showdown des ersten Teils. Mehr Laufzeit, weniger Action: Toll dosiert Herr Tarantino!
Zudem war "Volume 1" eine Hommage an den Eastern, oder mehr an den asiatischen Film allgemein, aber hier wirkt es eher wie eine schräge Parodie auf den Film Asiens. Der Kampfkunstmeister wirkt einer schrägen Slapstick-Komödie von Mel Brooks entlaufen, zudem ist das Konzept diesmal schon relativ blutleer, da man die Anspielungen an den asiatischen Film schon im ersten Teil gesehen hatte.
Immerhin ist der Film ansonsten handwerklich versiert gemacht, aber die Routine sollte Tarantino allmählich auch haben. Optisch ist der Film sehr ansehnlich, die Farben sind sehenswert, die Kulissen sind gut ausgewählt, so kommt die edle Hochglanzoptik des Vorgängers durchaus zustande. Zudem ist auch die musikalische Unterlegung einmal mehr sehr gut gelungen. Einen eigenen Score, eine Erkennungsmelodie oder Ähnliches hat Tarantino dabei diesmal erneut nicht, bedient sich aber perfekt bei allem, was schon einmal da gewesen war und unterlegt wirklich jede Szene genau passend.
Narrativ zeigen sich leider auch einige Schwächen. So ist der Film einfach viel zu langatmig geworden. Tarantino entschließt sich auch diesmal dazu, keinen linearen Erzählstil zu verwenden, bringt immer wieder aufs neue Rückblenden, bremst den Film aber leider aus und gestaltet seinen Film damit dramaturgisch dermaßen ungeschickt, dass keine Spannung aufgebaut werden kann und nur unterdurchschnittliche Unterhaltung drin ist. Zudem setzt er wieder, wenn auch nicht so extrem wie bei "Pulp Fiction" oder "Reservoir Dogs" auf längere Dialoge mit wenig Inhalt, die seine Fans wohl mal wieder als geschliffen oder schlicht brilliant bezeichnen werden, die den Film aber noch weiter ausbremsen. So sind die finalen Gespräche zwischen der Braut und Bill, die eigentlich spannend sein sollten leider nur langweilig. Jeder bessere Regisseur hätte hier mindestens eine halbe Stunde geschnitten, aber so liefert Tarantino nur einen langatmigen und vollkommen belanglosen Film ab, der immer im Schatten des ersten Teils bleiben wird.
Wenn er sich schon einmal Zeit für seinen Film lässt und einen dramaturgisch zerfahrenen Aufbau in Kauf nimmt, um ein paar Rückblenden zeigen zu können, hätte Tarantino eigentlich versuchen können, einen Hauch von Tiefe, oder zumindest eine halbwegs gelungene Handlung in den Film zu bringen, aber er enttäuscht einmal mehr. Die Charaktere werden nicht einmal im Ansatz erweitert und die Handlung könnte kaum vorhersehbarer sein. Hinzu kommen noch Einfälle wie die "Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik", über die man als denkender Mensch eigentlich nur den Kopf schütteln kann, aber wie gesagt: alles, was sich auf den asiatischen Film bezieht, wirkt wie eine lächerliche Parodie.
Schade eigentlich, dass Tarantino einen schlechteren Film abliefert, denn der Cast macht sich noch besser, als der des Vorgängers. Uma Thurman, hier nach "Kill Bill Volume 1" und "Pulp Fiction" schon das dritte mal unter der Regie von Tarantino zu sehen, macht sich erneut als rachsüchtige Killerin hervorragend, bekommt zudem durch die langatmige Inszenierung mehr Spielraum geboten, um ihr Talent unter Beweis zu stellen, darüber hinaus ist die Choreografie der Kampfszenen bei ihr erneut sehr gelungen. Am besten macht sich jedoch David Carradine als Bill. Er spielt gelassen, aber doch cool und passt zudem mit seinem kühlen Charisma perfekt in seine Rolle, die wohl die beste seiner Karriere bleiben wird. Michael Madsen spielt gewohnt gut irgendwo zwischen cool und lakonisch und auch Daryl Hannah überzeugt in ihrer Rolle als Killerin.
Fazit:
Der Cast ist durchaus besser als beim Vorgänger, aber das war's dann auch schon, denn "Kill Bill: Volume 2" ist eine Enttäuschung, die weit hinter dem ersten Teil zurückbleibt. Es gibt wesentlich weniger Action-Szenen bei einer längeren Laufzeit und so langweilt der Film mit seiner schwachen Story und dem zerfahrenen Erzählstil leider über weite Strecken, was die gelungene Optik und die hervorragend gewählte Filmmusik auch nicht mehr verhindern können. Zudem wirkt dieser Teil eher wie eine lächerliche Parodie auf den asiatischen Film und nicht wie eine ernstgemeinte Hommage.
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