Faule Ostereier
„Der Super Mario Galaxy Film“ ist da - und somit einer der dicksten Geldmacher des Kinojahres. Der Milliardenhit ist sicherer als das Amen in der Kirche, als das Plastik in einer Kardashian, als das Wort „Fuck“ in einem Film von Quentin Tarantino. Nintendo ist immer noch eine sich immer wieder neu erfindende, die Videospielwirtschaft meistens voranbringende, popkulturelle Supermacht und Mario ihr blitzeblankes Aushängeschild, nicht weniger als die größte Videospielfigur aller Zeiten. Doch was kann das aus monetären Gründen verständlicherweise und doch erstaunlich zügig von Illumination rausgeballerte Sequel? Den Vorgänger fand ich okay bis gut, habe ihn besonders wegen meinem Sohn in positiver und lustiger Erinnerung, der damals (noch im Bauch meiner Frau kurz vor Geburt!) beim Kinobesuch besonders Rabatz machte und scheinbar Spaß an den überdrehten Farben und Tönen hatte. Ich war einfach nur froh, dass er während dem Screening nicht rausgeflutscht ist - und auch dass man „Mario“ tonal und audiovisuell (endlich) top getroffen hatte. Die neuen „Sonic“-Filme mag ich persönlich glaube ich insgesamt gesehen aber ein Stückchen mehr, ohne dass auch diese filmisch wirklich Bäume ausreißen. Trotzdem war der erste animierte „Super Mario Movie“ in vielerlei Hinsicht ein Erfolg, poppendes Eyecandy und ein wirklich vielversprechender Startschuss. Da ging aber definitiv noch mehr… Und nun muss der heldenhafte Klempner nach der Rettung von Brooklyn in der Fortsetzung zu anderen Sternen, Planeten und Galaxien reisen, „neue“ Feinde wie Freunde kennenlernen, wenn seine knuffigen Kompagnons und das gesamte Universum vor weiteren Herausforderungen und legendären Endbossen, Erzrivalen, Ehediktatoren stehen…
Wie Sternenstaub…
Zu streng will und kann ich auch mit „The Super Mario Galaxy Movie“ nicht sein. Es ist schön dieses „Nintendouniverse“ (zumindest audiovisuell) dermaßen hochwertig auf der Leinwand zu sehen, seine eigene Kindheit, Leidenschaft und Nostalgie (obwohl ich damals zugegebenermaßen noch viel eher PlayStation-Junge oder zuvor sogar Sega-Spieler als Nintendo-Fanboy war). Für die meisten Kids und manch einen Fan wird das definitiv ganz spaßig oder zumindest ausreichend bis befriedigend sein. Und die vielen Easter Eggs, Cameos und Details gefühlt wirklich auf jedem Quadratmeter der Leinwand sind schon enorm, das muss man nicht kleinreden. Vor allem ein Gastauftritt, der leider von Nintendo selbst unnötigerweise vorher schon gespoilert wurde, hat mein Herz echt höher schlagen lassen und ist (zumindest im von mir gesehenen O-Ton) nahezu perfekt synchronisiert. Und nichtsdestotrotz, egal wie schön ich das alles mir und sämtlichen Nintendo-Kindern rosarot malen will und reden kann… „Super Mario Galaxy Movie“ ist einfach kein guter Film. Tut mir leid. Ganz und gar nicht. Es fühlt sich vieles gefährlich leer und fad an, viel wie reine Geldmacherei und storytechnisch schnellschüssig bis nichtssagend. Flitzend und frech und faul. Ich muss das so drastisch sagen. Glitzernd, schimmernd, farbenfroh und fröhlich. Aber oh so ohne Gehalt oder auch nur den geringsten Mehrwert oder bleibenden Eindruck. Nochmal viel weniger als der Vorgänger, bei dem das auch schon nicht gerade die Paradedisziplin war. Aber Teil 2 wirkt nochmal… hohler. Und das meine ich nicht unbedingt gemäß „dümmer“, sondern einfach… ausgehüllter, berechneter, beiläufiger und egaler. Für die Berieselung der Kleinsten kann das reichen. Als gigantische Markenwerbung und Merchandiseturbo eh. Für den ein oder anderen Fanmoment taugt's auch. Aber unter halbwegs normalen Umständen und Ansprüchen ist das einfach deutlich zu wenig und sollte nicht das tiefhängendste Ziel sein… Und erst recht wenn man die beiden titelgebenden „Super Mario Galaxy“-Spiele als Qualitätsvergleich heranzieht, die das Jump & Run-Genre bis heute geprägt haben und zeitlose Klassiker sind, wirkt der Film nochmal flacher, austauschbarer und uninspirierter. Weder eine packende Odyssee noch glaubhafter Sonnenschein. Und gleich ganze Galaxien unter dem eigentlichen Nintendoniveau. Kein goldener Powerstern von mir!
Miyamotos Malbuch
Fazit: Noch bunter, noch schneller, noch voller und noch leerer… Die Marketingmaschinerie rollt, Nintendo kauft sich einen neuen Tresor in Kleinstadtgrösse, das Audiovisuelle ist und bleibt schnieke, die Gastauftritte sind zahlreich und cool… Doch der Inhalt ist im Grunde Grütze und treibt die Schwächen des Vorgängers nochmal ärgerlich auf die Spitze. Eine hübsche Auftragsarbeit mit grünen Scheinen statt grünen Pilzen in den Augen. Nie auf dem Level, das man von Nintendo erwartet. Müde trotz aller Lebendigkeit. Schade. Aber vielleicht bieten ein paar der anderen Nintendocharaktere ja mehr Stoff für gute Geschichten… Die Sterne rufen jedenfalls schon „Do a Barell Roll“!
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The Super Mario Bros. Movie - 6,5/10
The Super Mario Galaxy Movie - 4,5/10