Review

Zu dem geworden, worüber man lange gelacht hat

Qualitativ ist „Scream“ ganz klar ein Horrorfranchise auf dem absteigenden Ast. Zu nah kommen die Teile sich, zu sehr ähneln sie alle sich, zu wenig Spielraum wird zwischen den Filmen gelassen, zu wenig Zeit ist auch vor allem im gesamten Horrorgenre für das „Konzept Scream“ ins Land gezogen. Aber monetär? Da zieht „Scream“ noch immer weltweit wie kaum ein anderes Slasherfranchise. Vielleicht liegt das an der Historie. Vielleicht an den mittlerweile bereits mehreren Generationen, die mit den Schlitzern aufgewachsen sind. Und natürlich auch daran, dass das „Konzept Slasher“ ebenso nie ganz sterben wird und die 90er längst wieder im Trend sind. Was macht nun also „Scream 7“, der bereits dritte Teil der Reihe in gerade einmal vier Jahren? Er lässt einen (oder mehrere?) neue Killer mit langgezogener Geistermaske Jagd auf Sidney Evans (ehem. Prescott) Familie machen - und dabei eine ziemlich saftige Blutspur durch eine weitere idyllische US-Kleinstadt ziehen. Inklusive alter Bekannter, neuen K.I.-Spielereien, einem uneingeschränkten Goregehalt und viel mehr Schein als Sein…

Schlitzen, schreien, Hände über den Kopf zusammenschlagen!

Ich will gar nicht zu sehr auf den Zug der Unkenrufe aufspringen. Man muss nicht etwas totnörgeln wollen, das unsterblich ist. Erst recht wenn man es selbst ganz gut mit am Leben hält. Ich gehe immer noch für „Scream“ ins Kino. Ich bin mit der Reihe aufgewachsen. Ich bin und bleibe durch und durch Slasherfan. Und ich bin dann doch immer noch gespannt genug, was dieses Mal für Killerkapriolen geschlagen werden. Und Originalschreiberling Kevin Williamson auf dem Regiestuhl gab obendrauf genug Hoffnung, obwohl „Scream 6“, ja der in „New York“, jetzt alles andere als ein Volltreffer war und die Reihe momentan wie gesagt einfach zu energisch immer wieder selbst aufschlägt anstatt das Genre und seine eigene Historie auch mal atmen zu lassen. Deswegen puste ich ganz sicher nicht auch noch ins effekthaschende „Wann endet dieses dumme Franchise endlich?!“-Horn. Aber eine laaaange Pause täte der Reihe in jedem Fall gut. Locker zehn Jahre würde ich vorschlagen. Wird bei dem Erfolg am ersten Wochenende in den Kinos nicht passieren. Aber es wäre massiv wünschenswert. Selbst als Fan. Gerade als Fan. Gerade für Fans. Doch was macht „Scream 7“ denn jetzt zum bisher vielleicht unnützesten Teil des Franchises? Was bringt denn nun das Fass zum überlaufen, sodass man spätestens jetzt einfach nicht mehr genug auf seine Kosten kommt und sich „Scream“ teils zur eigenen Parodie entwickelt? 

Noshow'boro

Naja, es ist ähnlich wie mit dieser Kritik bis hierhin: Der Film kommt einfach nicht zum Punkt… Williamson zitiert das Original, ehrt Craven, zitiert selbst, haut den Gorebauern genug in die Pfanne, respektiert Slasher der 90er und seine eigenen Figuren. Zudem streut er, und das muss ich als fettestes Plus dieses Ablegers einfach mehrfach betonen, ein paar der härtesten Kills des gesamten Franchises ein. Ich sag' nur „Zapfhahn“. Alles schön und gut. Aber er kommt einfach nicht zum Punkt. Er macht keine Angst (obwohl das für mich noch nie Hauptaspekt von „Scream“ war). Er macht über die kreativen Kills hinaus wenig Spaß. Er macht sich über die Falschen lustig. Und er macht am Ende wenig Sinn. Und verärgert eher als er verehrt, (Klischees) verkehrt oder immerhin Nostalgie verklärt. Aber er hat (ähnlich wie der letztjährige „I Know What You Did Last Summer“) einen starken Abfuckfaktor und etliche Aufreger. Für mich sogar mehr als zufriedenstellende Faktoren wie seine Härte oder seine Hommagen ans Original. Er hat auch nahezu nichts mit dem er an Horrorklischees arbeiten kann. Er kehrt diese nicht mehr um, er ist zu diesem geworden. Von Stab zu Stangenware. Brutale und hochwertige Stangenware von adeligem Slasherstammbaum. Aber immer noch Stangenware. Und dem kann man wenn überhaupt nur mit einer ordentlichen Sendepause entgegentreten. Oder eben in den nächsten Jahren die Cashkuh noch mehr melken, bis man am Ende wirklich nicht mehr weiß ob man da gerade „Scream“ oder „Scary Movie“ sieht… 

Von Munch zu Matsch

Fazit: Der vielleicht härteste und doch bisher schwächste „Scream“ und leider sicher für's Erste nicht der letzte „Schrei“… Da hatte ich von K. Williamson mehr erwartet. Deutlich. Die Kills sind fein. Neve Campbell ist okay. Die neuen jungen Gesichter sind hübsche Staffage. Die Anspielungen und Finten sind halb so clever wie sie meinen zu sein. Der magere Rest ist völlig egal. Und dann kommt eben die Auflösung um den Killer… und die unterbietet im Grunde alle vorangegangenen Tiefpunkte der Reihe. 

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FRANCHISERANKING

Scream - 9,5/10

Scream 2 - 8,5/10

Scream 3 - 6,5/10

Scre4m - 7,5/10

Scream (2022) - 7,5/10

Scream VI - 6,5/10

Scream 7 - 5,5/10

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