Scream 7
Der 7 Teil der virtuos mit Metaebenen und Selbstironie spielenden Horror-Reihe bringt Franchise-Ikone Neve Campbell prominent zurück, schwächelt aber bei Regie und Skript. Fans und Genre-Jünger werden dennoch überdurchschnittlich bespaßt und dürfen sich schon jetzt auf eine weitere Fortsetzung freuen.
Im modernen Horrorkino gibt es zwei gegensätzliche Karten, die, spielt man sie konsequent aus, zum Erfolg führen. Während junge Genre-Wilde wie Zach Cregger (WEAPONS, 2025) und Jordan Peele (GET OUT, 2017) vor allem auf Innovation bauen, setzen etablierte Franchises wie SAW oder HALLOWEEN alles auf Retro und Nostalgie.
Horrorpapst Wes Craven (NIGHTMARE ON ELM STREET), der hauptverantwortlich für den seit den späten 1990ern anhaltenden Horrorboom zeichnet, zog bei seinem Superhit SCREAM (1996) einen Joker aus der Tasche, der sechs Sequels ermöglichte, wobei der jüngste Ableger just sogar den besten Start der Serie hinlegte. Das genüssliche Spiel mit Metaebenen und Selbstironie ist längst zum Markenkern der SCREAM-Filme geworden und überstand auch durchaus riskante Staffelübergaben bei Regie und Protagonisten (SCREAM, 2023; SCREAM VI, 2026).
Für den siebten Film standen die Vorzeichen allerdings dennoch auf Sturm. Aufgrund einer Kontroverse um israelfeindliche Aussagen von Melissa Barrera verlor das Franchise binnen weniger Tage beide Hauptdarstellerinen, da sich WEDNESDAY-Star Jenna Ortega solidarisch mit ihrer Kollegin zeigte und ebenfalls ausstieg. Als daraufhin auch noch der vorgesehene Regisseur das Handtuch warf, stand die gerade wieder erfolgreich belebte Serie vor dem Aus. Aber äquivalent zu ihrem maskierten Killer Ghostface, erwies sich das Franchise als unkaputtbares Stehaufmännchen. So engagierte man kurzerhand mit Kevin Williamson den Autor des Originals (sowie zweier Sequels) als Regisseur und holte DAS Gesicht der Reihe zurück ins Scheinwerferlicht der Leading Lady.
Die Kanadierin Neve Campbell hatte es mit den SCREAM-Filmen nicht nur zu Starruhm gebracht, sondern gilt auch vielen Genre-Fans als einzig legitime Nachfolgerin von Jamie Lee Curtis (HALLOWEEN) auf den Scream-Queen-Thron. Das bis dato beste Startwochenende der gesamten Serie dürfte eine besondere Genugtuung für Campbell gewesen sein, die im sechsten Film erstmals nicht dabei war, da, wie sie empfand, die angebotene Gage nicht ihrer Stellung als Franchise-Ikone entsprach. Andererseits gingen die Macher um Williamson und auch Campbell selbst ein nicht unerhebliches Risiko ein, denn ein zu langes Festhalten an beliebten Figuren - immerhin liegt das Original bereits 30 Jahre zurück - kann auch zu Stillstand und Rückschritt führen.
Beides wurde dem siebten Teil auch schnell vorgeworfen, der auf einschlägigen Seiten die schlechtesten Bewertungen der Filmreihe bekam. Tatsächlich fokussiert ein SCREAM-Film erstmals auf eine Protagonistin jenseits der High-School oder College-Jahre. Sidney Prescott führt inzwischen einen kleinen Coffeeshop im ländlichen Indiana. Mit Ehemann und 17-jähriger Tochter führt sie ein beschauliches Kleinstadtleben, bis sich - natürlich - die Woodsboro-Vergangenheit mal wieder meldet. Williamson nimmt sich viel Zeit für die Mutter-Tochter-Beziehung, was zwar eine Novität im SCREAM-Kosmos darstellt, aber im Zuge der neuen Hauptdarstellerinnen-Konstellation durchaus Sinn ergibt. Im Franchise-Vergleich kommt Teil 7 damit am langsamsten in die Gänge, wobei die obligatorische Pre-Title-Sequenz auch diesmal wieder fetzigen Auftakthorror liefert, der gewohnt clever mit der Serien-Historie jongliert.
Im weiteren Verlauf lernen wir dann das übrige Personal kennen, schließlich braucht der Ghostface-Killer einen prall gefüllten Opferstock. Die Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern bleibt aufgrund Neve Campbells Starauftritt blasser als sonst, aber bei einer Gage von kolportierten 7 Millionen Dollar ist ein engagierter Arbeitsnachweis durchaus plausibel. Schließlich ist da auch noch Isabel May als Sidneys Tochter Tatum, die zwar nicht an Jenna Ortegas Starpersona heran reicht, aber sowohl im Zusammenspiel mit Campbell, wie auch als eigenständiger Charakter Akzente setzt, die sie für mögliche weitere Sequels qualifizieren.
Cast und Figurenkarussell sind also auch in Runde 7 auf Kurs, bleiben noch die Kernkompetenzen Horror und (Whodunit-)Story. Das Positive zuerst. SCREAM 7 ist definitiv einer der brutalsten und erfinderischsten Teile, wenn es um Ghostfaces Meuchelmorde geht. Die FSK16-Freigabe ist jedenfalls partiell mindestens diskutabel. In Sachen Atmosphäre und Arrangement wird dagegen ein ums andere Mal sehr deutlich, warum einst Wes Craven Regie führte und Kevin Williamson lediglich als Autor engagiert war. Horror-und Schockmomente zu schreiben ist eine andere Disziplin wie ihre Inszenierung. Leider gehört auch die finale Auflösung zu den schwächeren der Reihe. Motiv und Planung kommen arg konstruiert daher und ein paar Plausibilitäts- Stolperer gibts gratis obendrauf.
Eingefleischte Fans werden dennoch ihren Spaß haben, denn Williamson kennt die Reihe wie kaum ein anderer und bietet immer wieder entsprechenden Service. Für den nach dem phänomenalen Startwochenende praktisch schon eingepreisten achten Teil darf es aber gern wieder etwas mehr Meta, Atmos und Finesse sein. Und Neve Campbell? Auch abseits aktueller Retro und Nostalgie-Booster ist sie noch längst nicht zu alt für den Sch…, mindestens aber auf dem besten Weg, Jamie Lee Curtis als Genre-Grande-Dame zu beerben. Auch sie hat ein maskierter Kult-Killer groß gemacht, ohne sie je kleinkriegen zu können. Wenn das nicht zur Legendenbildung reicht.