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Litauen: Nach einer schiefgelaufenen Abzocke mischt sich der Gauner Fabian Kurtz als vermeintlicher Fotograf unter die Hochzeitsgesellschaft des Pärchens Milva und Clemens, das sich gemeinsam mit den lieben Verwandten im Anschluss an die Trauung per Bus zur Feier in die abgeschiedene Villa ihrer spleenigen Tante Nikola Wankdorff karren lässt. Auf dem Weg zu besagtem Anwesen sorgt ein umgestürzter Baum dafür, dass der einzige Rückweg versperrt ist, weswegen Fabian notgedrungen nichts anderes übrig bleibt, als über den Abend hinweg Fotos der Party zu knipsen, um nicht aufzufliegen. Große Ohren macht er allerdings, als er mitbekommt, dass Tante Nikola vorhat, der frisch verheiratenen Milva die seit Generationen im Familienbesitz befindliche Venus von Wildenfeld als Hochzeits-Geschenk zu überreichen... und natürlich fasst er auch schnell den Plan, sich die kleine Elfenbein-Statue im Wert von mehreren Millionen Euro selbst unter den Nagel zu reißen. Doch es kommt anders: Im Laufe des Abends geschieht zunächst ein Mord und im Anschluss ist die Venus spurlos verschwunden. Fabian gibt sich daraufhin als Undercover-Polizist aus und beginnt unter den Anwesenden zu ermitteln, um den Täter zu entlarven und so die Statue in die Finger zu kriegen... Die gute, alte Whodunit?-Masche nach Agatha Christie-Zuschnitt, die man im Superhelden-Zeitalter eventuell ein wenig altbacken empfunden haben mag, ist nach dem Erfolg der "Knives Out"-Streifen, Kenneth Branaghs Hercule Poirot-Neuauflagen oder auch eines "The Thursday Murder Club" wohl wieder derart in der Gunst des Publikums gestiegen, dass man sich nun sogar hierzulande mit "Fabian und die mörderische Hochzeit" an einem Exemplar dieser Gattung versucht. Besser als ein herkömmliches Fernsehfilmchen ist das Ganze trotz Amazon als Backer im Rücken und einem gut aufgelegten Bastian Pastewka als Detektiv wider Willen aber leider nicht geworden, denn es hapert sowohl an der Konzeption als auch der Umsetzung der zentralen Murder-Mystery. So werden dem Zuschauer einige wichtige Hinweise und Indizien, die zum selbst Ausknobeln der Auflösung dringend notwendig wären, schlichtweg vorenthalten und erst zum Finale präsentiert, was bestenfalls schlechtes Handwerk und im schlimmsten Fall schon reiner Beschiss ist. Regisseur Markus Sehr hat bislang ja auch schon so seine Erfahrungen mit TV-Krimis gesammelt und inszeniert nicht wirklich über deren Niveau, verzichtet dankenswerterweise aber auch auf übertriebene Humor-Einlagen oder jenen Klamauk, den man sonst hierzulande mit dem Begriff "Komödie" assoziiert. Das Setting ist gar recht stimmungsvoll und das Szenario an sich doch geradezu als klassisch zu bezeichnen, aber irgendwie hat man es nicht wirklich geschafft, daraus gesteigertes Kapital zu schlagen. Der Rettungsanker der Angelegenheit ist Pastewka selbst, der hier eigentlich im Alleingang die Kohlen aus dem Feuer holt und Performance-mäßig doch noch für einigermaßen solides Entertainment sorgt... und damit kommt er in "Fabian und die mörderische Hochzeit" auf jeden Fall noch besser weg als ein Christoph Maria Herbst, mit dem ProSieben vor über 15 Jahren schonmal was Ähnliches versucht hatte und mit zwei hingeschluderten "Kreutzer kommt"-Streifen krachend gescheitert ist. Ergo: Hätte besser werden können... aber auch sehr viel schlimmer!

5/10

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