Review

Etwas verspäteter, aber durchaus noch willkommener Versuch, auch aus und in Deutschland auf den Pfaden von Rian Johnson, Kenneth Branagh und Co. und damit auf den filmischen Spuren mehr oder weniger getreu Richtung der Queen of Crime zu wandeln, hier ebenso als Streamingvertreter wie die letzten beiden Knives Out - Mystery gehalten und dies in Gestalt des anerkannten und hoch in die Materie verliebten Ratefuches Bastian Pastweka, welcher sich privat und beruflich mit der Materie beschäftigt hat schon in zahlreicher Art und Weise und nun diesem Konstrukt hier sein prominentes Stimmchen verleiht. Dabei hat man es als Nachzügler und allen voran auch in der Blickrichtung Britischer Krimi naturgetreu schwer, zeugten davon nicht nur die höchst verhalten aufgenommen und eher spöttisch begutachteten Adaptionen der Inspektor Jury - Reihe, der Krimi selber ist hierzulande zwar Tag und Nacht gefragt, aber eher in bleierner und staatstragender Manier, in unzähligen (und unsäglichen) düsteren SOKO Ausgaben und natürlich dem sonntäglichen Tatort

Der Hochstapler Fabian [ Bastian Pastewka ] befindet sich nach einem gerade so gelungenen Coup auf der Flucht vor dem Schergen des Hereingelegten, dabei versteckt er sich als scheinbarer Hochzeitsfotograf in einer entsprechenden familiären Gesellschaft, die nach der Trauung des Paares ihre Feier in einem großräumigen, aber abgelegten Gutshaus verbringen wollen. Dort soll auch eine antike und mehrere Millionen Euro wertvolle Statur an die Frischgemählten übergeben werden, was erneut seine Aufmerksamkeit anzieht, allerdings bald ein Mord passiert.  

Hier geht es anders zu, bunt und locker-flockig ist man dabei gehalten, das volle Unterhaltungsprogramm für den schnellen Genuss und möglichst die hohen Abrufzahlen, ja nicht allzu viel Gewese, keine überzogene Laufzeit und der möglichst flotte und federnde Genuss. Präsentiert von den Amazon MGM Studios, produktionstechnisch gut aufgestellt, in von Beginn an edleren Szenerien, durch seine nicht gerade attraktive Haupt- und Titelrolle eher etwas entstellt, ansonsten die beruhigende Wellnessoase, nur cineastisch betrachtet, mit einem Gaunerstück wird begonnen und so die Prämisse dargereicht, ein verbrecherischer Coup, der zu einer Flucht führt und einem hochstaplerischen Unterkommen, erst die Verführung und dann später die narrative Verlockung und das Gestalten und Gestikulieren. 

So wird sich eingangs verstellt und die Fassade vorgeführt und diese dann auch beständig gehalten, ein Mann in der Verfolgung, was zu weiteren Bestandteilen krimineller Betrachtungen wird, vielerlei Stolpersteine auf dem Wege, dazu internationales Gehabe und Getue und entsprechende Schauplätze und Akzente und Dialekte, mit etwas Aktion und Slapstick schon in den ersten Minuten, eine fußläufige Verfolgung und einige Schüsse, dazu ein Auffahrunfall an einem Auto, eher steif statt gekonnt. Bald ist nicht mehr nun Pastewka im Bilde, sondern der Hochzeitsexpress selber, die Geschichte kann starten und sich genug tun an Verdächtigen und Taten und Untaten, ein vielerlei Panoptikum an Figuren, die sich erst hervortun müssen und in die Aufmerksamkeit spielen, keine wirklichen Stars wie bei den amerikanischen Kollegen. 

Wenigstens ist es beschaulich im Winter hier, die Schneeflocken fallen, das weiße Winterkleid, eine Vorstellung noch im fahrenden Bus, die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und schon mal die ersten Nebendarsteller in die Kamera gezerrt. Optisch macht man dabei mehr her als inhaltlich oder darstellerisch, wenigstens gibt es die ersten schlechten Nachrichten, die Straßen sind gesperrt, die Bäume umgekippt, die Hochzeits-Playlist fällt aus, die Villa im großen wäldlichen Nichts wird trotzdem erreicht, ein schmuckes Prunkstück. Viele Räume, viele Zimmer, viele Beteiligte, die sich selber gerade mal gut genug kennen, um den Namen der Anderen zu wissen, eine anberaumte Feier, dann die möglichst passenden und unpassenden Gelegenheiten für etwas einfachen und dennoch aufgekratzten Humor, immer noch besser als Schwermut und Trübsal zu blasen, die reale Welt schon grau genug und an realen Ereignissen schlimm.  

Eine schnelle Begrüßung, eine schnelle Feststellung, eine rasche Vorbereitung, und paar Witze und die unwiderstehliche Einleitung, ein voluminöses Areal, etwas beizeiten dargebrachte Konfliktpotentiale, unterschiedliche Ansichten, verschiedene Klassen, zerstrittene Paarungen, alte Angewohnheiten, störende Rituale, ein flottes Dutzend auffälliger Personen, dazu ein paar Umwege und Ablenkungen im Ansinnen. Die Personen alle etwas überdreht, wie mit dem dicken Pinsel oder doch eher mit der Axt geschrieben und auch so verkörpert, alles eine Spur zu drüber und akzentuiert und affektiert, ein verfilmtes Bauerntheater, ein langer Sketch und dies nicht wie notwendig auch immer mit Pointe, sondern fortgezogen und ausgedehnt und gestreckt auch über die Minuten des Bangens und Wartens und Hoffens; Pastewka als Zuschauer von außen und innerer Mittelpunkt. So wird sich erst an dem Kunststück und damit einem scheinbaren Raub orientiert, eine Fassade aufgebaut und später wieder zerstört und ruiniert, immerhin ruhig in Szene gesetzt und nicht extra durch Kamera und Schnitt überzogen und karikiert, das Treiben im Bilde schon voll und gleichzeitig seltsam leer genug, eine Übergabe im Pavillon angedacht und seltsame Momente und Beobachtungen und Hinweise bis dahin, bis zum ersten Mord nach einem Drittel Laufzeit und fortführend noch die weiteren Schritte in der "Alles Lüge. Alles Fake. Ich kann keinem trauen." - Erzählung gemacht. 

Ein gewisses Interesse an dem Geschehen dann lässt sich dann durchaus vermelden, Pastewka wird souveräner und insgesamt aktiver, "Alle sind versammelt. Wir warten auf ihre Anweisungen.", einige mysteriöse Momente und Spannungssituationen sind vorhanden, der räumliche enge (und zeitliche) Kreis à la Einladung zum Mord kommt dem Ganzen zugute, vom Rest der Welt ist man abgeschnitten und es werden erste Theorien aufgeworfen und Optionen geklärt. Dass die anderen Mitglieder in der Szenerie nun auch ihre sprichwörtlich und buchstäblich Masken fallen lassen und sich gegenseitig an die Gurgel gehen, kommt dem zusätzlich zugute, die Positionen werden neu verschoben, es werden Sätze angedeutet und Wahrheiten hinausgezögert. Nicht zu vergessen ist auch, ab und an ist man relativ geerdet, die erste Bluttat hat dem vorherigen eher hanebüchenen Ereignis, der erweiterten 'Klassenfahrt' einige Bewandtnis verliehen und werden nun auch phasenweise glaubhafte Emotionen angedacht; "Eins nach dem anderen. Wollen Sie erzählen, oder ich?"

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