Review

Man mag es ja kaum glauben wollen, aber Flachzange Jim Wynorski („Stealth Fighter“, „Sub Zero“) hat, bevor er dann Ende der Neunziger in den Wahn verfiel, seine Filme mit möglichst prominenten Stock Footage zu verseuchen beziehungsweise um das gekaufte Material einen Film zu drehen, zwar keinen guten, aber so etwas wie einen ansehbaren Film gedreht.

Ganz ohne Fehl und Tadel ist „Against the Law“ natürlich auch nicht, liegt aber dennoch deutlich über dem langweiligen Ausschuss, den Wynorski und Kumpel Fred Olen Ray sonst so vom Stapel lassen.
Wohl eigentlich als eine ungelenke Western-Hommage gedacht, bekommt es der Zuschauer mit Richard Grieco („Booker“, „Death, Deceit & Destiny Aboard the Orient Express“) zu tun, der in Cowboy-Outfit und deutlichen Problemen im Oberstübchen gen Hollywood zieht und mit jedem Gesetzeshüter, der ihm über den Weg läuft, in einem „Wer zieht schneller..“ - Duell High Noon feiert.

Der schnelle Schütze Max, der lieber seinen Friseur erschießen sollte, ist aber eigentlich gegenstandlos, weil er nur regelmäßig auftritt, um einen Polizisten abzumurksen. Warum, die sich jedes Mal auf das tödliche Spiel einlassen, obwohl sie später sogar wissen, mit wem sie es zu tun haben, bleibt wohl ihr Geheimnis, das sie mit ins Grab nehmen.

Nein, von Interesse ist da viel mehr John Shepard (Nick Mancuso, „Rapid Fire“, „Firefight“), der in etwa dem typischen amerikanischen Großstadtcop entspricht, den wir in den Achtzigern so lieben gelernt haben. Er versorgt seinen Körper vornehmlich mit Koffein und Nikotin, kann es sich auch mal nicht verzeihen, wenn ein Kollege angeschossen wurde, hasst die Presse und will auf gar keinen Fall als Held in den 6 Uhr – Nachrichten auftauchen. Auf den Vorgesetzten wird nicht gehört, der Nachwuchs an seiner Seite wird, sofern möglich, ignoriert, Auszeichnungen gehen ihn am Arsch vorbei und überhaupt dürfen es abends mal ein paar Biere sein. Mancuso bringt seine Figur ordentlich angepisst an den Mann und rettet damit auch gleich eben den Film vorm schon angesetzten Sprung ins B-Nirvana.

Eine Fragezeichen hinterlässt nur das Drehbuch, zumal einige Dialoge, vor allem der erste des Films (*örgl*) unter aller Sau sind und einige Reaktionen doch Kopfzerbrechen bereiten. Die humorige Schelte seiner Kollegen steckt der verkaterte Shepard doch eigentlich sehr diplomatisch weg, aber dass sein Boss ihn dann in sein Büro zitiert und eine psychologische Abhandlung über die Gefahren des Jobs und dem Umgang damit abhält, ruft Erinnerungen an die verquasten Gehirnpfade von Albert Pyun wach.

Sei es drum, der Plot hat nur kleinere Längen und hält mit einigen Abstrichen bei Laune. Max killt halt der Reihe nach und erkehrt sich irgendwann John aus, weil der als Hollywoods Vorzeigecop, auch wenn er das nicht sein will, ihm wohl als einziger ebenbürtig sein könnte. Die Aussicht auf ein Duell behagt John natürlich wenig, aber dafür ist er mit allen nötigen Wässerchen gewaschen.

Hin und wieder gönnt sich das Drehbuch, um Wynorski auch ja keine Qualität aufzudrängen, einige böse Aussetzer, wie zum Beispiel Johns völlig unsinniges Zusammentreffen mit seiner Ex oder den Subplot um die Reporterin Maggie Hewitt („Robocop“ – Veteranin Nancy Allen), die letztlich dann als Vermittlerin das Duell nicht nur organisieren, sondern auch filmen soll. Na wenn das nichts ist...

Kompliziert kann man „Against the Law“ wahrlich nicht bezeichnen, aber für einen Wynorski – Film ist er doch überraschend gut. In Lobeshymnen will ich hier dennoch nicht ausbrechen. Denn abgesehen von einem guten Nick Mancuso gibt es schauspielerisch wenig von der Front zu berichten und Actionszenen sind auch Mangelware. Der Autounfall beziehungsweise die Autoexplosion scheint der gute Jim sogar selbst inszeniert zu haben. Jedenfalls will ich ihm hier kein Szenenrecycling unterstellen. Es sei denn jemand belehrt mich eines Besseren.


Fazit:
Für einen Film von Jim Wynorski ist „Against the Law“ ausgesprochen gut und so kleinere Einfälle, wie die Falle in den Filmkulissen und das Film im Film – Ende haben mir wirklich gefallen, nur reicht das nicht aus, um den Film über die komplette Distanz zu retten. Nick Mancuso tut mit seiner Figur im Kampf gegen Klischees und Grieco aber einiges, um den totalen Crash zu verhindern. Nicht gut, nicht spannend, aber unterdurchschnittlich solide und dank Mancuso auch ansehbar. Ein zweites Mal muss aber nicht sein!

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