Eine 75-minütige „V/H/S“-Episode - und ich bin vollkommen fein damit!
Fast könnte man meinen „Bodycam“ (2025) wäre etwas zu lang geraten für eine der nahezu jährlichen „V/H/S“-Anthologien und nun eben von Shudder eigenständig veröffentlicht und ausgekoppelt worden. Ausschließen würde ich diese Theorie definitiv nicht. Ändert aber ja nichts an meiner Einschätzung… Erzählt wird in dem erstaunlich fettfreien Found Footage-Findelkind von zwei amerikanischen Streifenpolizisten, die in ein heruntergekommenes Haus gerufen werden, dort schreiende Babies hören, auf blutüberströmte, apathische Menschen treffen und ein scheinbar bodenloses Loch im Grund auffinden - und das sind nur die ersten fünf Minuten…
Egoperspektive & Endzeit
„Bodycam“ habe ich gebührend und wie meist bei solchen Found Footage-Indies zur Geisterstunde alleine auf dem Handy unter der Bettdecke geguckt - und das erhöht natürlich seine Wirkung und den Gruseleffekt, das habe ich glaube ich schon öfters in der Art geschrieben. Du schauderst wie du schaust, oder so ähnlich. Spaß. Aber es bleibt wahr und ein effektiver Booster für mich persönlich. Würde ich sowas wie „Bodycam“ oder viele der „V/H/S“-Teile bei strahlendem Sonnenschein zu Chips, herumtollender Family und anderen Ablenkungen auf dem massiven Fernseher gucken, hätte all das glaube ich nur halb diese Wirkung. Schade, denn im Grunde sollte ein Film ja immer und überall „funktionieren“. Aber hier verzeihe ich das, hier passt das. Außerdem bin ich bekanntlich Fan der „V/H/S“-Reihe, wovon „Bodycam“ wirklich wie gesagt gut und gerne ein ausgewachsener Ableger oder Mauerstein hätte sein können. Und die 75 Minuten gehen einfach zu gut durch, um hier nicht zu einem versöhnlichen Fazit zu kommen. Gegen Ende, wenn der Kern der Bedrohung klarer wird, wird’s etwas lächerlicher. Dann wiederholt es sich, dann zerfasert das etwas, wie das oft bei sowas ist. Aber bis dahin gibt's kaum Lücken, Lasches, Langeweile oder lose Enden. In ein paar Momenten lief’s mir eiskalt den Rücken runter. Das Ding braucht null Anlaufzeit. Die meisten Verhaltensweisen der beiden Polizisten kann man nachvollziehen. Die „Besessenen mit blutigen Augen“ erinnern mich etwas an „die da draußen“ bzw. Alice Coopers „Jünger“ in Carpenters „Prince of Darkness“. Und die Panik, der Terror und die apokalyptische Aussichtslosigkeit ziehen sich hier spürbar immer enger um den Hals. Und man ist mittendrin statt nur dabei. Daher bin ich mit „Bodycam“ (2025) zufrieden. Selbst wenn eine „V/H/S“-Episode das eventuell sogar noch zügiger hinbekommen und zusammengerafft hätte…
Fazit: Intensiv, flott, creepy. Teilweise zumindest. Für Found Footage-Fans ein gefundener, kurzweiliger Fressflash der okkulten und womöglich ungesunden Kalorienart. Kein Gamechanger, spielt aber gut mit!