Cecile de France spielt eine Studentin, die zusammen mit einer guten Freundin auf das Landhaus von deren Familie fährt, um dort mit ihr für das Examen zu lernen. Nachts taucht ein Killer am abgelegenen, ehemaligen Farmhaus auf, der die Familie ihrer Freundin brutal ermordet und diese in seinem Lieferwagen fesselt. Nun liegt es an ihr, ihre Freundin zu retten.
Nun ist es ja allgemein bekannt, dass Innovationen im Horror-Genre enorm rar geworden sind, so hat man in den letzten Jahren im Grunde überhaupt nichts Neues mehr zu sehen bekommen, aber Alexandre Ajas "High Tension" ist ein Beweis dafür, dass auch ohne ein sonderlich einfallsreiches Skript, ja auch ohne ein wirklich hohes Budget ein erfreulich guter Horrorfilm auf die Beine gestellt werden kann, auch wenn er vielleicht nicht ganz so gut ist, wie sein Ruf verspricht.
Im Wesentlichen ist dies auf die Inszenierung von Aja zurückzuführen, der später mit "The Hills have Eyes" erneut relativ erfolgreich war. Über weite Passagen hält er das Erzähltempo sehr langsam, quälend langsam und baut allein mit den Bildern des, sich langsam, aber bestimmt bewegenden, brutalen Killer zunehmend Spannung auf, wobei ihm das einsam gelegene Farmhaus als Kulisse hervorragend in die Hände spielt. Auf musikalische Untermahlung und auf einen Score wird dabei beinahe gänzlich verzichtet, meist lebt der Film von spärlich dosierten Toneffekten und natürlich der bedrückenden Stille, die Aja des Öfteren wirken lässt. So wird auch ohne nervige, kreischende Teenies eine enorm dichte Atmosphäre erzeugt, die einen relativ hohen Unterhaltungswert garantiert und durchgehend zu fesseln vermag.
Die doch recht brutalen Splatter-Szenen, die aber allein quantitativ nicht ausreichen, um "High Tension" als Splatterfilm zu klassifizieren, sind zwar ganz gut gemacht, aber es wäre vielleicht sogar konsequenter gewesen, auch ohne Blut und Gedärme auszukommen, denn die hat "High Tension" gar nicht nötig, genauso wenig, wie die kleine Verfolgungsjagd, die sich die Hauptfigur mit dem Lieferwagen am Ende des Films liefert, die fast schon wie ein Fremdkörper in diesem sonst eher ruhigen und bedrückenden Horrorfilm wirkt, aber dies sind eher marginale Fehler.
Ein größerer Fehler, der den Film im Endeffekt kurz vor Schluss noch einmal nach unten zieht, ist der finale Twist, der zwar sehr überraschend eingebaut wird, aber den Eindruck erweckt, dass die Macher mit aller Macht eine nicht zu kalkulierende finale Wendung haben wollten, auch wenn sie nicht allzu logisch daherkommt und im Laufe des Films im Grunde kaum angedeutet wurde und damit etwas deplatziert wirkt. Dafür ist der restliche Plot, so simpel er auch gestrickt sein mag, nicht schlecht, vor allem, da er zumindest die üblichen Teenie-Slasher-Klischees umgeht und sich damit nicht ausnahmslos bei diversen Genre-Versatzstücken bedient.
Cecile de France spielt ihre Hauptrolle durchaus überzeugend und stellt die Angstzustände ihrer Figur dabei rundum überzeugend dar, womit sie den Film über weite Strecken zum Teil zu tragen vermag. Vom Zittern der Hände, über die Panikzustände, bis hin zum wutverzerrten Gesichtsausdruck bei der finalen Befreiungsaktion ist die Darstellung makellos. Die restlichen Darsteller haben nicht allzu viel Raum im Film, spielen ebenfalls weitestgehend gut.
Fazit:
Auch wenn der finale Twist sehr deplatziert wirkt und der Plot ziemlich simpel gestrickt ist, unterhält "High Tension" mit seiner bedrückend dichten Atmosphäre, seiner hervorragenden Hauptdarstellerin und dem quälend langsamen Erzähltempo durchaus gut und hält die Spannung über weite Strecken, auch wenn der Film seinem Ruf vielleicht nicht ganz nachkommt.
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