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Angel Terminators ist ein eigentlich weitgehend unbeschriebenes Blatt. Nicht gänzlich weiss, aber wenn man von dem Film gehört hatte, dann meist in Verbindung mit seinem Nachfolger Angel Terminators 2; der ausser dem Titel und der gleichen Beiordnung zum girls with Guns Genre keine weiteren und schon gar nicht inhaltlichen Anspielungen auf seinen Vorgänger in Anführungsstrichen macht.
Bei jeder der seltenen Neuveröffentlichungen derart unbeachtet gebliebener Filmarten und ihrer Einzelproben erwacht das stetig glimmende Interesse natürlich von vorne und bekommt auch sofort mehr brennbaren Zündstoff in Form des releases selber verabreicht. In weit massiger Weise galt das bei dem Aufkauf, Restauration und Publikation der Shaw - Bibliothek genauso, nur erreichen die Werke mit battle queens bei weitem nicht die 700er Marke und ist der Nachholebedarf deswegen grösser als die Zahl der angebotenen Offerten.
Angel Terminators sticht aus der zukünftigen Ankündigung eines Kataloges dementsprechend heraus wie eine Bratwurst bei McDonalds; endlich, endlich gibt es Nachschub. Proviant, der so rar gesät ist, dass es für mehr als einen Monat reichen muss und die Auflagenhöhe mag von vornherein gering bemessen sein; aber beklagt werden kann sich später.

Beim Sichten selber erklingt kein Geseufze. Höchstens ein wehleidig nostalgisches. Der Erste Teil ist seiner ganzen Anlage nach weniger die Prämisse für den Zweiten als das Negativ dazu, in dem der gleiche Ablösungsprozess kraftvoller und biestiger unter den Vorzeichen von Siechtum, Verfall und Missgunst einerseits und von kalter Härte andererseits geprägt ist. Später ist man zwar auch kaum von Illusionen und Träumen beseelt, aber hier werden sie aufgegeben; die selbstaufopfernde und selbsterniedrigene Vitalität ist mit mehr Desillusionierung und weniger Fairness umgeben. Was der no - name Regisseur Wai Lit in seinem ersten von ganzen zwei Arbeiten hier abzieht [ der völlige Inkognito Girls Club als #2 ], ist zwar nur eine Zuleitung von Standardsituationen im Normalmass, aber: Man nimmt die richtigen Szenen und lässt fast alle anderen weg. Derartig auf den kleinsten Nenner verringert und im Gegenzug mit einer holdselig hohen Schlagzahl Action, wie die Faust aufs Auge passenden Darstellern und begrenzt dekorativen Müll versehen, legt man vom take - off weg ein heutzutage beinah feenhaft schnelles Tempo vor.

Ganz geheuer ist einem diese Pression von Beginn an nicht. Nach jahrelanger Kenntnis klotzt man gewöhnlich immer anfangs die ersten Minuten derartig ran, um dann aber baldigst die Puste zu verlieren oder gleich ganz schlappzumachen. Dieser allgemeine Kräfteverfall, auch als Schaumschlägerei bekannt, findet nicht nur in den nach der Hochphase 1989 - 1993 folgenden Vertretern statt, sondern auch bereits zur Blütezeit; wäre also bei weitem keine Ausnahmeerscheinung.
Umso verblüffender und freudig überraschender ist, dass Wai Lit auch nach der rasant vorbeistreichenden ersten halben Stunde nur unmerklich verzögert und auch anderweitig nicht weitreichend ins Trubeln gerät. Die puschende Traktion erfolgt natürlich nicht inzentiv von der Erzählung oder gar einer Beanspruchung von Emotionen aus, sondern kommt alleinig durch Wahl und Einbringen unzählbarer Shootouts, Verfolgungsjagden, Explosionen und Kämpfen. Sowieso unterscheidet man sich in der Wahl der Mittel und im ganzen Benehmen kaum von anderen Exemplaren der Gattung, aber sucht immerhin den direkten Anschluss an die Besseren. [Vergleiche auch Killer Angels oder Devil Hunters, die anschaulich denselben Habitus aufweisen, bis hin zur fahlen Trübung der Bilder],

Feingeist bleibt natürlich aussen vor. Würde man das Ganze nach subtilen, ätherischen, akkuraten Einstellungen abklappern, hätte man am Ende das Problem, mit leeren Händen dazustehen. Aber für sensiblen Epikuräer ist der Film auch nicht gemacht. Genausowenig wie das einleitend gesungene Lied von Carrie [ Carrie Ng ] zu Gunsten ihres Freundes Ken Tsang [ Kenneth Tsang; nicht nur Das Grosse Fressen kann Schauspieler und Rollen ident halten ] wirklich grosse Kunst ist. Carries Stimme ist ein Grausen, auch die Keyboarduntermalung trägt nur dazu bei, dass einem die Fussnägel hochklappen; dennoch bleibt der - im Original gute - Song darunter hörbar und zum mitwippen. Exakt so verhält sich auch der Rest. Ein bisschen platt und abgedroschen, aber dennoch für Amüsement sorgend.
Der Plot:
Ken Tsang ist Gangboss und wird kurz darauf von den Polizistinnen Hung [ Kara Hui Ying - hung ] und Ida [ Sharon Yeung Pan - pan, "Lady Jackie Chan" ] ausser Landes ins Exil nach Thailand vertrieben.
Sieben Jahre später kehrt er zurück und will erneut die Vorherrschaft unter den Kriminellen erlangen. Carrie ist mittlerweile mit Police Lt. Kim [ Cheng Yuen - man ] verheiratet, Hung in Schottland auf Training und Ida immer noch hinter den Drogenhändlern her. Die alte Ranküne wird aufgefrischt.

Dies auch mit soviel Ansporn und Drall, dass zwar zuhauf Konturenfehler, Achssprünge und damit gestörte Rechts - Links - Orientierung sowie Disharmonie in der Bildgrösse vorhanden sind; über die sich aber ebensowenig kritische Gedanken gemacht wird wie über den Mangel an progressiver Montage. Ganz und gar nicht stören tut es natürlich bei den tatkräftig - lebhaften Einlagen, bei denen ganz einfach die jeweilige Masse effect shots aneinandergereiht wurde. Und da hat Choreograph Jacky Chen Shao - lung in einem wahren Husarenstück lückenlose Arbeit geleistet. Chen verfügte zuvor nur über einige Credits bei Wald- und Wiesenkloppern um die 80er herum. [Werke wie Lady Snake Fist, Jade Fox, Of Cooks and Kung Fu und Tai Chi Shadow Boxing; die vielleicht den Cracks der Rasenszene etwas sagen, aber ansonst keiner von gehört hat und das bestimmt auch zu Recht.] und ist bisher ebenfalls nicht oder gar grossartig aufgefallen, sollte hiermit allerdings seine verspätete Gesellenprüfung mit a la bonne heure abliefern. Tritte und Schläge werden in ihrer Wirkung potenziert, indem als Verstärkung der Drastik jedesmal gegen den nächsten harten Gegen- oder Widerstand geprallt, gelandet, durchgestossen wird. Stunts umfassen Stürze aus grösser Höhe mitten in Glas hinein, auf Briefkästen, Hydranten, Baggerschaufeln. Bombeneinschläge in nähester Nähe, car crashes, Erschütterungen, Einschüsse beträchtlichen Aussmasses; alles wonnevoll vereint im match - cut. Rein ins Bild. Raus aus dem Bild. Dialog. Nächster Aktionismus. Bis zum finalen Exodus nahezu aller Beteiligter.

Natürlich gibt es auch was zu Meckern: Der Verschwörungsplot und der mit der Aufwärmung vergangener Liebe ist minderwertig; Carrie Ng wirkt auf jeden Fall fehl am Platz. Genauso wie die "Suchtberatung". So etwas mochte man nicht einmal bei Hackman in French Connection 2 sehen und Yeung Pan - pan wird kaltschwitzend mit kreidebleichen Lippen und wirren Haar auch nicht hübscher.
Das sind aber nur Bagatellen, selbst für Krämerseelen. Ansonsten kann man mit Fug und Recht sagen: So sieht also ein Wunschbrunnen in filmischer Realität aus.

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