Review

Ich hatte ja nicht erwartet das der Film wirklich den Geist des Comics, den ich zu meinen Lieblingscomics zähle, wiedergibt. Aber ich hatte doch gedacht das es sich vielleicht einfach um einen guten Rennfilm handelt (immerhin hatte Luc "das fünfte Element" Besson da seine Finger im Spiel). Aber das?

Die Darsteller sehen ihren Comicvorbildern kaum ähnlich (ein Problem ist dafür das die Darsteller untereinander doch eine zum Teil sehr große Ähnlichkeit besitzen - was für den Fortgang und das Verständnis der Geschichte nicht gerade förderlich ist). Auch ist das Verhalten der Figuren bestenfalls eine müde Persiflage auf das der Comicvorbilder. So ist von Charakterzeichnung keine Spur zu finden, die Figuren bleiben flach ohne Tiefgang und damit bleiben ihre Handlungsweise nicht nachvollziehbar und dem Zuschauer wird jede Chance genommen sich mir den Figuren zu identifizieren. Wie im Märchen gibt´s eine klare Trennung zwischen gut und böse und während die Guten allesamt edel, stark und furchtlos handeln, sind die Bösen eben nicht nur böse, sondern auch hinterlistig und dumm. Michel Vaillant soll uns in dem Film allen ernstes als naturliebhabender, esoterisch verbrämter Gutmensch verkauft werden. Tja ....

Da fällt es dann auch kaum noch ins Gewicht das die Darstellerleistungen unterdurchschnittlich sind und einem am Ende bestenfalls Jean-Pierre Cassel (Henrie Vaillant) und Diane Kruger (Julie Wood - die später mit "Troya" von sich reden machte) positiv in Erinnerung blieben.

Die Optik des Films könnte aus jedem Daimler-Chrysler Werbespot stammen: Glänzende und biltzenden Autos flitzen, häufig im Sonnenuntergang oder bei diffusem Licht, wie auf Schienen über ein makelloses Asphaltband. Von Kampf, Schweiss und der mit dem Sieg verbunden Arbeit keine Spur. Die makellosen "Helden" die jedem Modellkatalog entsprungen sein könnten steigen ebenso makellos und ungezeichnet aus den Autos als seien sie gerade vom Abendspaziergang zurückgekehrt.

Der ganze Film zeichnet sich durch eine unglaublich Anhäufung von Klischees (malerisch vorbeiziehende Wolken zu denen der Held edelmütig aufblickt, Michel Vaillant lässt sich allen ernstes von einem alten, schweigsamen Indio in einem stundenlangen Zwiegespräch über das Wetter und dessen Eigenheit bei einer Rallye aufklären, wagemutig kreisende Adler, Rennfahrer die Heroen gleich im Gegenlicht zu ihren Autos laufen usw.), von unglaubwürdigen bis hirnrissiggen und dümmlichen Details (Michel Vaillant fährt, als Mutprobe, am Tag vor dem 24 Stunden Rennen von Le Mans im Privatwagen mit vollem Tempo über den Kurs und lässt sich dabei von Julie Wood die Augen zuhalten - das erinnert mich an die schwachsinnige Sache mit den Münzen "aufklaubenden" Rennwagen im Stallone-Desaster "Driven" -, die im Transporter verunglückten Rennautos werden von den Piloten über normale Landstraßen mit halsbrecherischem Tempo zur Piste gebracht (von der Polizei ist da genausowenig zu sehen wie von einer Straßenzulassung der Autos oder vom Gegenverkehr der, wie mit Zauberei, offensichtlich damit rechnet 300km/h schnellen Rennautos zu begegnen und keine Schwierigkeiten hat der Hatz auszuweichen), Autos explodieren fast grundsätzlich und vollkommen unmotiviert nach Unfällen usw.) bis hin zu unzähligen Logikfehlern (zur Qualifikation zum Rennen reicht es im Film aus einfach da zu sein, Ruth Wong hat nichts besseres zu tun als sich dem von ihren Leuten entführten Henri Vaillant zu zeigen obwohl sie ihm augenscheinlich nichts mitzuteilen hat und ihn ja angeblich später wieder freilassen will usw.)

Alles in allem ein grausig schlechter Film der weder Filmfreunde, noch Freunde der Comicreihe oder gar Rennfans befriedigen wird. Der Film illustriert bestenfalls wie sich ein kleines Kind Motorsport und das Leben vorstellen mag wenn es noch nie ein Rennen live gesehen hat und sich seine sozialen Kontakte auf die Rezeption von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" beschränken.

Schade das erneut eine Chance vergeben wurde zum ersten Mal seit Frankenheimers "Grand Prix" von 1966 einen sowohl in Story als auch in den Rennszenen überzeugenden und gelungenen Motorsport-Film zu drehen.

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