Rennfahreraction als Comicverfilmung? Irgendwie kann dass doch nur noch schlimmer werden als Stallones unterirdischer "Driven". Weit gefehlt, denn erstens steht hier der Name Luc Besson hinter dem Film und zweitens handelt es sich um die Verfilmung der französischen Kult-Comic Reihe "Michel Vaillant", die es bei uns in Deutschland leider nie zu einem ähnlichen Status gebracht hat wie in Frankreich. (Die unbeschreiblich miese Zeichentrickserie die auch bei uns zu sehen war, lasse ich mal getrost unter den Tisch fallen, denn die war weder dem Comic noch dessen erwachsenem Zeichenstil gerecht geworden.)
Eines vorweg, Luc Besson hat hier zwar das Drehbuch geschrieben und fungierte auch als Co-Produzent, die Regie hat er aber, wieder einmal, einem jungen, unerfahrenen Landsmann überlassen, im Falle von Michel Vaillant ist es Louis-Pascal Couvelaire. Der muss sich bei seiner zweiten Regiearbeit wenigstens nicht großartig mit der Darstellung von Charakteren und tiefgründigen Storyszenen aufhalten, sondern kann über die gesamten knapp 100 Minuten ein Actionfeuerwerk abbrennen, das jedem Fan von schnellen Autos die Freudentränen in die Augen treiben dürfte.
Natürlich wird auf eine Story nicht komplett verzichtet, aber das was man präsentiert bekommt ist weder sonderlich originell noch neu. Es geht um das Duell der beiden Rennställe "Vaillant" und "Leader", die in den unterschiedlichsten Rennserien in allen Teilen der Welt immer wieder als erbitterte Konkurrenten Aufeinandertreffen. Als bei einer Rally ein Fahrer aus dem Vaillant Team stirbt steht schnell fest wer dahinter stecken könnte. Als dann kurz vor dem Rennen in Le Mans auch noch Michels Vater gekidnappt wird und das Team Vaillant erpresst wird, kommt es zum mitreißenden Duell auf dem legendären Rennkurs in Le Mans.
Das klingt nun nicht so, als ob es die gesamte Laufzeit eines Films füllen könnte, und um ehrlich zu sein, kann es das auch nicht, weswegen der Film in den kurzen Momenten in denen er sich auf die Story konzentriert auch gehörig ins Schlingern kommt. Die meiste Zeit hat man aber auch nicht damit zu tun sich auf die Story zu konzentrieren sondern dürfte mit offenem Mund dasitzen und die wohl besten Rennszenen der Filmgeschichte bestaunen. Man merkt zwar auch in diesen Szenen, das man sich in einer Comicverfilmung befindet, die offiziellen FIA Regeln sind das jedenfalls nicht nach denen hier Rennen bestritten werden, aber erfreulicherweise wurden die gesamten Rennszenen nahezu realistisch dargestellt und strotzen nur so vor Dynamik und Tempo. Die Kamera ist immer dicht dran, die Ansichten wechseln ständig zwischen Stoßstangenansicht, Cockpitperspektive, Drive-By Ansicht und aus Hubschraubern gefilmten Bildern. Die Kamera fängt die Geschwindigkeit dabei nahezu perfekt ein. Egal ob im Finale mit GT Rennwagen oder zuvor in Rally Autos.
Die gesamte Optik des Films ist dabei in grellen Farben und einer fast schon Comic-haft surrealistischen Gestaltung gehalten. Hier ist wirklich jede Szene ein Fest für die Augen.
Wer übrigens angesichts der vielen Rennszenen auf spektakuläre und zahlreiche Unfälle hofft, dürfte enttäuscht werden, denn auch hier verhält sich der Film sehr realistisch und verkommt nicht zu einer Crash-orgie wie "Driven", wo die CGI-Autos ja ohne Sinn und Verstand in ihre digitalen Einzelteile zerlegt wurden.
Eigentlich sind es nur zwei wirklich große Crashszenen die man in "Michel Vaillant" zu sehen bekommt, eine gleich zu Beginn die auch das Actionhighlight des Films darstellt und eine zweite bei einer Rally. Bei beiden sind es insbesondere die Cockpitansichten während der Überschläge die man so wohl noch nicht im Kino gesehen hat.
Beim Finalen Rennen in Le Mans, das immerhin ein Drittel der gesamten Laufzeit des Films einnimmt, zeigt sich dann das es eine großartige Idee war, während des echten 24 Stunden Rennens mitzufilmen, denn hier werden echte Rennszenen gekonnt mit den für den Film gedrehten Szenen verwoben und erzeugen somit eine nahezu perfekte Illusion des Rennens.
Optisch und Actiontechisch ist dieser Film also ganz weit vorne und beweist einmal mehr, das Luc Besson einfach ein Gespür für temporeiche und Actionlastige Filme hat, hat er ja auch mit "Transporter" und der "Taxi"-Reihe bewiesen.
Leider ist das aber eben nicht alles und so sind es, neben der schon angesprochenen sehr schwachen Story, insbesondere die Schauspieler die den Film dann doch noch runterziehen. Einzig Diane Kruger kann etwas aus der Masse der hipp-aussehenden aber absolut untalentierten Jungmimen herausstechen, die der Film präsentiert. Sie beweist hier nicht nur das sie auch im Rennanzug ein optisches Highlight ist, sondern auch das sie durchaus besser spielen kann als in "Troja". Dem gegenüber stehen allerdings Darsteller wie Peter Youngblood Hills, als VaIllants Freund Steve, dessen Vorstellung ich als eine der miesesten Darstellerleistungen seit langem bezeichnen würde. Wenig besser ist da auch Sagamore Stévenin in der Titelrolle, zumal sich auch noch die Ähnlichkeit zur Comicvorlage sehr in Grenzen hält. Lisa Barbuscia als Chefin des "Leader" Teams ist die meiste Zeit kräftig am overacten und wirkt somit zwar durchaus sehr Comichaft aber eben auch absolut lächerlich.
"Michel Vaillant" ist ein optisches Highlight, eine 100 Minuten Achterbahnfahrt in schnellen Autos. Jeder Motorsportfan sollte das gesehen haben, denn hier war wirklich jemand am Werk der es schafft die Faszination der Geschwindigkeit in top durchgestylte Bilder zu packen. Dafür muss man aber dann doch erhebliche Abstriche machen was die Story und die Darstellerleistungen angeht, denn hier ist das alles eher auf TV-Film oder Soap Niveau. Somit ist der Film wohl wirklich nur für die Zuschauer interessant die auf die Comics stehen, Driven als Schwachsinnigen aber witzigen Film sehen und sich auch mal mit sinnfreier Hochgeschwindigkeitsaction unterhalten lassen können. 7 von 10 Punkten.