Nicht nur, dass sich der Titel reimt, - der weiße Lieferwagen ist auch der Inbegriff des typischen Entführerfahrzeugs. Und dies womöglich bereits seit den frühen Siebzigern, wie Regisseur Warren Skeels mit seinem Thriller zu unterstreichen versucht, dessen wahre Begebenheiten sich augenscheinlich an den Mansfield-Morden orientieren.
1975: Bei einem ihrer Ausritte registriert Schülerin Annie einen weißen Van und auch auf dem Weg zur Schule nimmt sie das Fahrzeug wahr, dessen Fahrer nie in Erscheinung tritt. Schwester und Eltern schieben Annis Panik ihrer übersteigerten Fantasie zu, doch dann scheint es der Unbekannte gezielt auf Annie abgesehen zu haben…
Es fällt früh auf, dass der Stoff augenscheinlich auf die Nutzung blutiger Zutaten zu verzichten versucht, indem bereits der Einführungsmord lediglich angedeutet wird, was sich im Verlauf ebenso unblutig fortsetzt. So gibt es abseits der eigentlichen Handlung rund um Annie, ihrer Familie und ihrem Sozialgefüge immer mal wieder Einschübe mit eingeblendeten Jahreszahlen und kurzen Handlungsphasen des Killers, der sich sein auserkorenes Opfer schnappt.
Immerhin sieht man den Schlächter nie ganz, was unweigerlich eine leicht unheimliche Aura mit sich bringt. Gleichermaßen wird dadurch der titelgebende Van zur eigentlichen Bedrohung. Mal steht er mitten am Tag etwas abseits, dann gehen pünktlich zur Dämmerung die Abblendleuchten an und kurz danach heult der Motor auf. Die Paranoia der Protagonistin ist definitiv nachvollziehbar, jedoch nicht das ignorante Verhalten ihres Umfeldes, zumal es fraglich scheint, dass in einem kleinen Ort auf Dauer nicht das Verschwinden junger Mädchen auffallen soll.
Zwar gehen die Figurenzeichnungen trotz banaler Schulalltagsdinge einschließlich Love Interest in Ordnung, doch letztlich fallen die Motive des Killers komplett unter den Tisch. Auch hier spricht das einerseits für die Unberechenbarkeit des Bösen, doch andererseits führen Andeutungen mit dem Dazutun eines Vaters ins Nichts. Gab es zwei Serienkiller oder einen Auftraggeber? Hier hätte man konsequent auf das Ausblenden von Fakten setzen sollen, anstatt unnötige Fragezeichen in die Handlung zu platzieren.
Regisseur Skeels setzt mit seinem Treiben verstärkt auf Atmosphäre und die unheimliche Bedrohung und es geht ihm deutlich weniger um Schockeffekte, was einige Vorbereitungen rund um Halloween verdeutlichen. Insgesamt lässt sich der Stoff allerdings zuviel Zeit, wirft redundante Abläufe ein, um erst deutlich nach einer Stunde Laufzeit endlich das Tempo zu erhöhen. Jedoch spricht auch der etwas abgekürzt anmutende Showdown nicht unbedingt für ein dramaturgisch überlegtes Vorgehen.
Neben soliden Darstellerleistungen zündet in erster Linie das Flair der frühen Siebziger, obgleich die Songauswahl nicht konsequent jener Zeit entspricht. Kamera und Schnitt arbeiten passabel, allerdings fallen einige Szenen im finalen Akt deutlich zu dunkel aus und auch der Score heult beim Auftauchen des Vans teils zu schrill auf.
Ansonsten sollte man sich auf die eher langsame Herangehensweise einlassen, die mehr auf Stimmung denn Action und Blutvergießen setzt, da er ansonsten für einen gängigen Slasher zu harmlos bleibt.
5,5 von 10