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"Das Grauen" - könnte einem ein blasserer, nichtssagenderer Titel für einen Horrorfilm einfallen? Wohl kaum, doch ist dieser Name im vorliegenden Fall glücklicherweise nichts weiter als Schall und Rauch in den Kreativitätsvakuen deutscher Verleiherhirne. "The Changeling" ist ein für seine Zeit (zwei Jahre vor Poltergeist) sicherlich nicht unorigineller Geisterfilm mit einem wie immer überzeugenden George C. Scott in der Hauptrolle, der in teilweise sehr eindrücklich photographierten Bildern einiges an Gänsehaut verbreitet. Ebenfalls erwähnenswert ist der Auftritt des ehrwürdig ergrauten Melvin Douglas als eigentliches Opfer des gesamten Spuks.
Leider fehlt dem wie gesagt soliden Drehbuch jedoch die letzte Raffinesse: Warum nun ausgerechnet der durch einen den gesamten Film als schwebende Andeutung begleitenden Unglücksfall seiner Familie beraubte Musikprofessor und Komponist Russel zum Vergeltungswerkzeug der gepeinigten Seele wird, bleibt ebenso ungeklärt wie der eigentliche Auslöser des gespenstischen Feldzugs zu genau diesem Zeitpunkt. Sollten Russels Kompositionen den Geist an sein Spieluhrtrauma erinnert haben? Auf einen Zusammenhang zwischen dem Russelschen und dem Carmichaelschen Familiendrama wartet man jedenfalls vergeblich, ein ärgerliches loose end, das ein herausragender Drehbuchautor zu vermeiden gewußt hätte.
Was bleibt, ist solide Unterhaltung (zumindest wenn man das Glück haben sollte, nicht mit ab dem Auftreten des Cpt. De Witt einem nicht enden wollenden billigen Wortspielterror aus dem Off ausgesetzt zu sein ["de Witt oder watt?"]) mit hervorragenden Schauspielern und eindrücklichen Einstellungen, für die Entwicklung des Horrorgenres sicherlich nicht ohne Bedeutung, wenn auch kein Meilenstein: 7 von 10.

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