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Der Komponist und Pianist John Russell muss miterleben, wie seine Frau und seine Tochter bei einem Autounfall zu Tode kommen. Psychisch angeknackst zieht er nach Seattle, wo er eine Stelle als Musikdozent an der Universität annimmt. Über die Maklerin Claire bekommt er das Angebot, ein historisches Haus anzumieten, doch die Musikstunden dort sind nicht lange ungetrübt. Schon bald plagen ihn Geräusche und er hat Albträume von einem Kind, dass er für den Geist seiner toten Tochter hält. Doch bei einer Séance deuten die Zeichen in eine andere Richtung und die Nachforschungen von John, stets durch den Geist gedrängt, deuten auf ein Drama hin, dass sich vor vielen Jahren dort abspielte. Was wie ein üblicher Geisterhausthriller klingt, wurde von Peter Medak höchst eigenwillig umgesetzt, denn er verzichtet auf fantasylastige SFX und baut statt dessen eine zwar übernatürliche, doch nachvollziehbar glaubhafte Story auf. Eingangs gibt sich "Das Grauen" noch sehr bedächtig, um dann zunehmend an Spannung und Thrill zu gewinnen. Die Personen, insbesondere George C. Scott in der Hauptrolle, wissen durchweg zu überzeugen, gerade seine bedächtige aber doch konsequente Art verleiht diesem eher ruhigen Film sein Antlitz. Visuell sind die Kamerafahrten in Kombination mit extremen Weitwinkelaufnahmen beindruckend, die den ausgesuchten Sets in klassischer Ausstattung die entsprechende Plastizität verleihen und das Grauen in sehenswerte Bilder verpacken. Die Geschichte birgt genug Potential, um nie in kitschige Regionen abzugleiten, was im Genre Geister-Grusel leider oft der Fall ist. Die Stimmung ist vielmehr geprägt von dem stets Unvorhersehbaren, bis die Ursache komplett aufgedeckt ist, der ruhelose Geist des gepeinigten Kindes drängt sich den Protagonisten mehr und mehr auf. Allein schon die Séance ist ein echter Hingucker und auch das geheime Kinderzimmer mit den Spinnenweben der Jahrzehnte soll nicht unerwähnt bleiben. Einer dieser stilistisch ganz gut gelungenen Filme, die sich für den Winterabend eignen, aber nicht für Actionfanatiker. Wer es konsequenter mag, greift natürlich eher auf "Das Omen" oder "Der Exorzist" zurück.

Fazit: Toller Grusel, der sich leise von hinten anschleicht. 6/10 Punkten

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