Auf den Florida Keys: James Bond ist mit seinem guten alten Freund Felix Leiter vom CIA unterwegs zu dessen Hochzeit mit der lieblichen Della, da erreicht die beiden die Nachricht, dass Franz Sanchez, ein mächtiger Drogenbaron, sich ebenfalls in der Gegend aufhält. Dieser holt seine ihm davongelaufene Freundin zurück und lässt dessen neuen Liebhaber auf Eis legen. Auf dem Rückweg nach Hause stellen sich ihm Bond und Felix in den Weg, die sein Flugzeug mit dem Helikopter an die Angel nehmen, und die Hochzeit kann endlich stattfinden.
Indes, Sanchez ist ein schlechter Verlierer und findet sich nicht einfach mit dem Gefängnis ab, nein, er lässt sich mithilfe Ed Killifers, eines Verräters auf polizeilicher Seite, bei seiner Verlegung in eine andere Haftanstalt befreien. Danach rächt er sich, indem er Della umbringen und Felix von Haien anknabbern lässt. Bond ist nun ebenfalls auf Rache aus und killt erst einmal in der Fischzucht, in der Sanchez zuvor Zuflucht fand, Killifer.
Der britische Geheimdienst will ihn aufgrund politischer Erwägungen von dem Fall abziehen, doch Bond kündigt und arbeitet von nun an auf eigene Faust, allerdings ohne Lizenz zum Töten (die Leichen stapeln sich trotzdem). Er schleicht sich auf das Schiff von Meeresbiologe Milton Krest, einem Henchman von Sanchez (und Besitzer der Fischzucht), und vereitelt einen Drogentransfer, indem er den Stoff vernichtet und die Moneten an sich nimmt. Damit hat er das nötige Kleingeld für seinen Krieg gegen die Bösewichte, wobei ihm nicht nur Pam Bouvier, eine ehemalige Informantin von Felix, und Q (der ihm unter anderem Plastiksprengstoff in der Zahnpastatube oder einen Fotoapparat mit eingebautem Laser konstruiert) zu Hilfe kommen, sondern ihm auch Lupe Lamora, erwähntes Betthäschen des Drogenbarons, wieder begegnet. Andererseits gerät er nun in das Visier des CIA und seiner ehemals eigenen Leute, die sogar mit Ninjas zuwerke gehen…
Nachdem DER HAUCH DES TODES eher auf Bewährtes setzte (und damit ganz gut fuhr, meiner Meinung nach), ging man mit dem direkten Nachfolger etwas andere Wege und machte daraus einen Rache-Thriller, der das eine oder andere von DIE HARD, DER CITY HAI und Co. mitbekommen haben dürfte. Nun muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass der ansonsten kühle, selbst beherrschte Agent auf einen persönlichen Rachefeldzug geht (und man fragt sich durchaus, ob Bond wohl jedes Mal einen solchen veranstaltet, wenn ein guter Kollege drauf geht –immerhin ist die Spionagebranche Krieg und kein Ponyhof. Andererseits trifft es ja auch eine Unschuldige, die zudem eine alte Flamme von Bond ist, und wenn man dazu noch dessen eigene Erfahrungen mit hingemordeten Ehefrauen in Beziehung setzt…), aber dann kann man sich an einem recht zynischen und ungewöhnlich harten Bond erfreuen, der von 007-Regular John Glen zügig inszeniert wurde und wie gewohnt spektakuläre Stunts auffährt (insbesondere zu erwähnen sind das Flugzeugfischen im Teaser und der heftige Einsatz pyrotechnischer Effekte im Finale mit den drei Tankwagen). Bemerkenswert auch eine Tötung per Dekompressionskammer auf Krests Schiff (Schmodder!).
Wer etwas zu mäkeln haben will, kann anführen, dass Bonds Kündigung etwas plötzlich und der Plotpoint mit der Lizenz zum Töten und der Verfolgung durch ehemalige Arbeitkollegen nicht wirklich zur Geltung kommt, aber das sind Details. Michael G. Wilson und Richard Maibaum verarbeiteten hier Jan Flemings Kurzgeschichte THE HILDEBRAND RARITY und Elemente aus dem Roman LIVE AND LET DIE (die damals in dessen Verfilmung nicht zum Zuge kamen) und lieferten im Übrigen (nach fünf gemeinsamen Arbeiten) ihr letztes Drehbuch für einen Bondfilm ab. Maibaum starb zwei Jahre nach diesem Film (und nachdem er zwölf Drehbüchern für die Reihe verfasst hat), Wilson (Stiefsohn von Albert R. Broccoli) beschränkte sich danach aufs Produzieren (und macht den Job bis heute).
Minuspunkte: Bei den Drehorten hat man sich auf die Florida Keys und eine fiktive Bananenrepublik mit Isthmus City als Hauptstadt (gedreht wurde in Mexiko) beschränkt, Bond globetrottet hier also nicht so ausgiebig wie sonst.
Oh, und der Soundtrack von Michael Kamen (HIGHLANDER, DIE HARD, EVENT HORIZON) kann an die Qualität der Werke von John Barry nicht wirklich anschliessen und ergibt sich öfters mal dem Kitsch. Nicht wirklich berauschend. Eklig auch der Popsong zum Abspannt („If you Asked Me To“ von Patty LaBelle ist’s, wenn ich mich nicht irre); gut aber der Titelsong von Gladys Knight.
Timothy Dalton, hier das zweite und damit schon das letzte Mal als Bond unterwegs (zum einen sollten rechtliche Schwierigkeiten dazu führen, dass die Reihe erst sechs Jahre später mit GOLDENEYE und einem neuen Bonddarsteller weiterging, zum anderen wollte Dalton eh nicht mehr weitermachen), versagt auch in den eher dramatischen Szenen nicht und macht einen guten Job (allerdings gefiel er mir als eher ironischer und kühler Bond in LIVING DAYLIGHTS besser).
Robert Davi (MANIAC COP 2 und 3, PROFILER) gibt als skrupelloser, eiskalter und cleverer (siehe seine Methode, seine Drogengeschäfte in codierter Form über einen Fernsehprediger abzuschliessen) Gangsterboss Franz Sanchez mit seinem harten Gesicht einen wunderbaren Bösewicht ab.
Mit Carey Lowell (ICH UND ER, THE GUARDIAN) als Ex-Airforce-Pilotin Pam und Talisa Soto (UNDERCOVER, VAMPIRELLA, ISLAND OF THE DEAD) als Lupe haben wir hier zwei wunderschöne Bondgirls, die das Auge erfreuen; Milton Krest wird gegeben von Schauspiel-Veteran Anthony Zerbe (PAPILLON, THE DEAD ZONE, STAR TREK: INSURRECTION).
In der Rolle von Felix Leiter haben wir hier David Hedison (THE FLY, FUGITIVE MIND), der hier den CIA-Agenten nach LIVE AND LET DIE zum zweiten (und letzten) Mal spielt. Leiter tauchte in insgesamt sieben Bondfilmen auf.
Desmond Llewelyn, der ewige Q, hat hier zur Abwechslung mal ein wenig mehr Screentime als sonst (es ist sein längster Auftritt in einem Bondfilm überhaupt). Robert Brown und Caroline Bliss spielen hier zum letzten Mal M, bzw. Miss Moneypenny. In einer Hauptrolle als Sanchez-Henchman Dario kann man übrigens den jungen Benicio Del Toro (THE USUAL SUPECTS, TRAFFIC, SIN CITY) bewundern – meine Fresse, hat der ein fieses Grinsen drauf…
Fazit: LIZENZ ZUM TÖTEN fällt mit seiner Prämisse ein wenig aus der Reihe der Bondfilme, aber es fehlt weder an (wenn auch eher zynischem) Witz, noch an Action oder schönen Bondgirls und mit Robert Davi hat man wieder einen herrlich bösen, äh, Bösewicht. Wer seinen Bond eher hart und bodenständig mag, wird zufrieden sein.