Review

Timothy Daltons zweiter Bond-Auftritt läßt sich wie folgt zusammenfassen: Der neue Bond versteht keinen Spaß. Er macht auch keine Gefangenen. Er sieht rot. Und läuft Amok.
Alles fängt damit an, dass Felix Leiters Hochzeit zu einem blutigen Fiasko ausartet und Bond für seinen Freund Rache schwört. Hierbei mißachtet er jegliche Regeln und geht rabiat vor, denn diesmal nimmt er das Ganze persönlich.

Dieser Bond ist der bis dato untypischste Bond gleich nach Lazenbys Auftritt, aber er ist insofern noch untypischer, da Bond von Anfang an Amok läuft. Sicher, hier und da gibt es humoristische Szenen und leckere Schnittchen zu begutachten, doch alleine schon, dass er es diesmal mit Drogendealern und nicht mit Größenwahnsinnigen aufnimmt, zeigt, dass der Fokus diesmal auf einer irdischeren Basis liegt.
Rabiat, zuweilen sehr hart, und sehr oft einfach zu hart geht es in diesem Bond, nur um zu zeigen: Diesmal meint es Bond ernst, und das Drogenproblem ist ein ernstes, blahblah. Etwas zu moralingetränkt, aber was soll's. Ich bin ja froh, wenn Bond Neues ausprobiert.

A propos Neues ausprobieren, ein bißchen scheint es fast so, als hätte man ein altes nie benutztes Bond-Skript ausgegraben, den rauhen Ton und Inhalt grob beibehalten, nur etwas an die neuen Zeiten angepaßt.
Wie sonst erklärt sich die Anfangssequenz mit einer blutigen Hochzeitsfeier und einem amoklaufenden alles persönlich nehmenden Bond? Hätte genauso gut die nie realisierte Fortsetzung des Lazenby-Bonds sein.

Und genauso wie jenes meines Erachtens höchste gelungenen Experiments ist auch dieses Experiment gelungen, denn es zeigt, dass man Bond gerne auch etwas mehr Verantwortung auferlegen kann, auch ruhig mal was Neues ausprobieren sollte und der Charakter sollte sich immer wieder neu erfinden, sonst wird es irgendwann redundant und das wiederum schadet dem Franchise.

Scheint so, als wäre Daltons zweiter Bond nicht so gut angekommen beim Gewohnheitspublikum, zu hart, zu kompromißlos, zu humorlos, zu unprickelnd, zu wenig smart, der allgemeine Vorwurf.
Finde ich nicht, dieser Bond gehört schon zu den etwas besseren, eben weil etwas anders und mutig genug andere Wege einzuschlagen.

Dennoch, als eigenständiger Film eigentlich immer noch eine Gurke, die man so nie ernst nehmen könnte, ohne das Bond-Logo.
Aber nur wo Bond draufsteht ist auch Bond drin, zumindest auch hier, daher gerade so noch:

6 Punkte

Nach diesem Bond dürfte es Pierce Brosnan wahrlich nicht sonderlich schwer haben, als nächster Bond akzeptiert zu werden.

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