Review

Sheriff Johnny Reno (1966) von R.G. Springsteen

...Nur wegen eines dummen Zufalls kommt es zu einem tragischen Aufeinandertreffen zwischen US-Marshal Johnny Reno (Dana Andrews) und den Conners-Brüdern, von denen einer getötet und der andere verletzt wird. Als Marshal Reno daraufhin Joe Conners (Tom Drake) nach Stone Junction (Kansas) bringt, hat er große Mühe ihn vor dem Lynchmob zu retten, der vom Bürgermeister Jess Yates (Lyle Bettger) angestachelt wurde. Angeblich hatte Conners den Sohn von Häuptling "Kleiner Bär" ermordet. Ohne die Auslieferung von Conners an den Häuptling müssen die Einwohner nun die Rache der Indianer und die Verwüstung ihres Ortes befürchten. Der unbestechliche und unbeirrbare Marshal, der eigentlich wegen seiner alten Liebe Nona Williams (Jane Russell) hierher unterwegs war, lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass er Connors nach Kansas City mitnehmen und vor ein ordentliches Gericht stellen will. Yates aber zieht nun ein Register nach dem anderen um dies zu verhindern und hat mehr oder weniger alle Männer der Stadt hinter sich. Selbst der hiesige Sheriff Hodges (Lon Chaney Jr.) scheint unter Yates Einfluss zu stehen. Reno und Yates ringen gleichermaßen hartnäckig und verbissen um den Gefangenen. Während Conners mehrfach seine Schuld bestreitet, spitzt sich die Lage immer weiter zu und es kommt zu den ersten Toten...

Ähnlich wie bei "Revolver diskutieren nicht" (1965) ist es hier überaus spannend mitanzusehen, wie die Protagonisten Andrews und Bettger, aber auch Chaney Jr., in ihrer schauspielerischen Leistung brillieren. Und gerade Bettger verkörpert die Rolle des Bösewichts Yates so glaubwürdig und gehässig wie kein anderer, dass ich mir ihn im realen Leben gar nicht mehr als normalen, guten Menschen vorstellen könnte! ^^ Zusammen mit seiner dt. Synchronstimme verschmilzt Bettger hier zu einem Kotzbrocken, der den Motor der Haupthandlung darstellt!

Jane Russell kannte ich bereits von "Drei Rivalen" (1955), "Die Schönste von Montana" (1952) und insbesondere von "Geächtet" (1943, s/w & coloriert) - eine äußerst gelungene Doc Holliday-, Billy the Kid- und Pat Garrett-Verfilmung inkl. bravourösem Splattereffekt(!), in der durch geschickte Inszenierung und eines speziellen BHs, eindeutig Janes Oberweite dominiert. ^^ In "Sheriff Johnny Reno" hingegen hätte ich sie ohne Hinweis im Vorspann und auf dem DVD-Cover wahrscheinlich nicht wiedererkannt. Die Jahre dazwischen haben ihr Gesicht doch einiges verändert und altern lassen.

Auch diese DVD, die ich zusammen mit "Undead Or Alive" und "Im Staub der Sonne" für eine Handvoll Euro auf dem Konstanzer Flohmarkt gebraucht gekauft habe, stellte sich als echtes Schnäppchen und besten dieser drei Filme heraus.

Eigentlich müsste der dt. Titel ja "Marshal Johnny Reno" lauten. Im Gegensatz zu einem Sheriff, der nur für einen bestimmten Ort zuständig ist, reichen die Befugnisse eines höhergestellten Marshals für ein ganzes Gebiet, bzw. einen Bezirk ("County"), das man sich wie bei uns als Landkreis vorstellen kann - aber sei's drum! Da mussten wir bei den kreativen Namensgebern deutscher Filmtitel schon ganz andere Patzer verkraften! Außerdem erkennt man einen US-Marshal typischerweise an seinem Abzeichen, das einen kleinen Sheriffstern mit fingerdicker Umrandung zeigt.

Landschaftsmäßig gibt's hier eher wenig zu bestaunen, da dies nunmal storymäßig bedingt ist. Aber auch Janes reifere Gesichtszüge und eben diesen dt. Filmtitel kann ich nicht ernsthaft für eine Abwertung heranziehen. Ja, ich finde in diesem klassisch gestalteten US-Western keine nennenswerten Beanstandungen und vergebe somit gerne volle 10 Punkte - für einen Film, der durchweg unterhaltsam und sehr kuzweilig ist. Hier dominieren eindeutig Spannung und Bosheit, die von schauspielerischer Brillanz begleitet und mit einigen packenden Actioneinlagen unterstützt werden.

Ich persönlich sehe in dieser Story auch eine "High Noon Variante", da hier ebenfalls das mutige und verzweifelte Durchsetzen von Recht und Ordnung eines Einzelnen (oder von Einzelnen) einer Stadtbevölkerung gegenübersteht, die nicht die Courage besitzt, aus ihrem kollektiven Fehlverhalten auszubrechen. Weitere "High Noon Varianten" findet ihr übrigens in meinem Review zu "12 Uhr mittags" (1952, s/w).

Die DVD VÖ von Paramount bietet eine hervorragende Cinemascope Bild- und Tonqualität.

Viel Spaß und gute Unterhaltung! ;)

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